Als im Frühjahr die Aktivitas des deutschnationalen Wiener WATV wegen des im Statut verankerten Arierparagraphen und rassistischer Attacken aus dem Dachverband ATB (Akademischer Turnbund) ausgeschlossen wurde, war die Frage naheliegend: Was ist mit den Alten Herren des WATV? Dürfen die bleiben, obwohl sie demselben Statut mit Arierparagraphen unterworfen sind wie die Aktivitas und vermutlich vor Jahrzehnten dieses rassistische Statut beschlossen haben?
Diese Frage scheint mittlerweile geklärt. Nach unseren Informationen hat der Altherrenverband des Wiener Akademischen Turnvereins (WATV) seinen Austritt aus dem ATB zum 31.12.26 erklärt. Vermutlich wird der Dachverband über diese Entscheidung ganz froh sein. Warum er nicht selbst einen Ausschluss der Alten Herren des WATV vorgenommen hat, entzieht sich unserem Kenntnisstand.
Die Selbstdarstellung des WATV auf seiner Homepage, wonach er als Turnverbindung Mitglied im ATB sei, ist damit nur noch eine befristete Halbwahrheit. Das zögerliche Verhältnis zur Realität überrascht insofern, als dem WATV mittlerweile durchaus bewusst scheint, dass die von seinem Statut geforderte Zugehörigkeit seiner Mitglieder zum deutschen Volkstum in der Öffentlichkeit nicht so gut ankommt – Statut hin oder her.
Auf der Homepage des WATV führen die Angaben zum Verbindungsdachverband in die Irre, aber die Angaben zu den „Werten“ ins Leere. Dort, wo noch bis vor Kurzem unter der Überschrift „Unsere Werte“ zu lesen war „Als deutsch-nationale Studentenverbindung ist uns die Zugehörigkeit zum deutschen Volk, sowie die Verteidigung des entsprechenden Volkstums Grundvoraussetzung und innere Pflicht“, fehlt jetzt genau dieser Satz und damit eigentlich das ganze Wertesystem für den WATV, denn der kümmerliche Rest ist neben Blabla vielleicht eine Struktur für die Woche („wöchentliche Turnstunden“), aber kein Wert, nicht einmal ein deutschnationaler.
Vielleicht aber ist der Arierparagraph vollkommen zur „inneren Pflicht“ geworden, der keine ausführliche „Werte“-Beschreibung mehr benötigt, weil er schon ganz selbstverständlich ist? Die Sitzungsprotokolle des WATV geben auch dazu einen deutlichen Hinweis. Als 2014 ein Funktionär der Aktivitas („Fuchsmajor“) die Aufnahme des neuen Mitglieds Gerold S. beantragt, wird der Alte Herr „Hark“ (Klarname bekannt) mit folgender Aussage zitiert:
Der AHX Hark weist auf das, laut Hausordnung verpflichtend notwendige, Kriterium der Zugehörigkeit und des Bekenntnisses zum deutschen Volkstum hin. Dieses hat im vorliegenden Fall implizit stattgefunden.
„Implizit“, also unausgesprochen, ist die Zugehörigkeit und das Bekenntnis zum deutschen Volkstum im Fall von Gerold S. schon 2014 festgestellt worden. Ihm ist also der explizite Ariernachweis erspart geblieben. Welche Kriterien für diese implizite Prüfung ausschlaggebend waren (Vorname? Nachname? Beziehung? Stallgeruch?), wird nicht weiter erörtert. Alles klar?

Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »
