Mit dem Neujahrstreffen am 17. Jänner ist das blaue Webradio „Austria First – das Patriotenradio“ online gegangen. Nachdem Stoppt die Rechten aus Insiderkreisen bereits Name und Logo zugespielt bekam und eine satirische Vorschau produziert hat, dauerte es nicht lange, bis das digitale Satirekollektiv „Die Eselsbacher Lumpen,“ eine Facebook-Seite kreiert hatte – eine Fake-Seite.
Und da wurde ordentlich provoziert: vermeintlich heimische Musik aus KI-Produktion, die in jedem normalen Ohr einen Hörsturz auslöst – John Otti nichts dagegen: „Österreich zuerst in meinem Herzen“ oder auch „Schlaft gut, Patrioten“. Nicht einmal das an sich schon etwas verräterische, ebenfalls KI-produzierte „Der Förster von Purkersdorf – Austria First, Purkersdorf Förster“ konnte treue FPÖ-Fans davon abhalten, Seite und Posts, die zunehmend absurder wurden (etwa über die „Rehmigration von Emil“ oder ein Schmählied des erfundenen Austro-Venezolaners Hans-Pedro Elfalso auf Trump „Die vertrocknete Orange“), zu liken. In der an sich selbstentlarvenden Nummer „Der Esel trägt den Bart“ wurde metaphorisch aufgearbeitet, wie Markenfans durch ein auf einem Esel angebrachten Logo irrtümlich selbigen Esel zum Führer machen.

Bis jetzt sind es rund 700 Follower, die trotz zahlreicher Versuche aus dem FPÖ-Lager, die Fake-Seite zu enttarnen, der Nicht-FPÖ-Seite treu geblieben sind, ganz nach dem Motto: Egal, wie viel Schwachsinn kommt, wir sind dabei!

The making of false „Austria First“
Dabei war nur ganz wenig Aufwand nötig, um von immerhin mehr als 50 offiziellen FPÖ-Accounts und Influencern aus deren Umfeld gefolgt und geteilt zu werden – wodurch letztlich erst Glaubwürdigkeit und Reichweite zustande kamen.
Man könnte es vielleicht auch als Schnapsidee bezeichnen: Am Silvesternachmittag entstand schon in Feierlaune die Idee, die mediale „Lücke“ der fürs Patriotenradio noch nicht vorhandenen Facebook-Seite aufzufüllen. Per Suchmaschine wurde nach einer Webseite gefahndet und gefunden: austriafirst.at war naheliegend – und auf Anhieb ein Treffer.
Zwar war die Website noch nicht veröffentlicht, und es war zu dem Zeitpunkt lediglich der Admin-Login zu sehen, aber in der Domain-Zeile war bereits das Logo des angehenden „Patriotenradio“-Senders ersichtlich. Die vergrößerte Version davon wurde per ChatGPT zu einem sauberen Logo verwandelt, allerdings in den russischen Nationalfarben anstatt des weißen oder blauen Hintergrunds wie im echten Logo. Mit dem Profilbild wurde noch ein inhaltlich fast plausibles Titelbild für Facebook generiert.

Für die hastig zusammengeschusterte Facebook-Seite mussten nun Follower aufgebaut werden. Am leichtesten gelingt das, wenn man einfach sehr vielen FPÖ-Seiten folgt, die fast reflexartig zurückfolgen. Es war quasi ein ethisch-moralisches Gebot der Macher, möglichst grenzwertig schräg zu sein, wie beispielsweise mit einem KI-generierten Kickl im Titelbild oder auch dem russischen Farbschema, was den „Eselsbacher Lumpen“ Kollektiv sogar das eine oder andere „Like“ manch russophiler Gruppen aus dem rechtsextremen Lager bescherte.
Massenhaft blaue Herzerl und Österreichflaggen
Ein weiteres selbstauferlegtes Gebot der Lumpen war es, selbst natürlich nicht Hass & Hetze zu verbreiten. Daher musste man sich mit ‚Heimatliebe‘ – in den Postings und Kommentare stets mit blauem Herz Emoji und Österreichflaggen-Emoji zum Ausdruck gebracht – in die Herzen der Fans posten.
Die blauen Herzerl und der Flaggenkult sind in den blauen Social Media Bubbles üblich und geläufig — Codes und Rituale gehören allerdings nicht erst seit Facebook zu den Bräuchen weit rechter Gruppierungen. Das schafft Zusammenhalt: Ein „wir“, mit dem man sich als Gruppe gegenüber den „Anderen“ abgrenzt, aber auch untereinander erkennt. Zudem verwenden Parteien wie FPÖ und AfD oder auch der MAGA-Kult längst KI-generierte Inhalte in rauen Mengen und weitaus häufiger als andere politische Strömungen. Damit sind deren Fans bereits an den Slop gewöhnt und zum Teil auch schlicht unfähig, KI-Produkte als Fake zu erkennen.
Vormalige Fans der falschen Seite fertigten Warnhinweise an, um auf das lustige aber falsche Treiben aufmerksam zu machen – auch KI-generiert, aber nicht selten mit milieubedingten orthografischen Auffälligkeiten.

Die Fans
Dutzende FPÖ Landes‑, Bezirks- und Ortsparteien, Nationalrats- und Landtagsabgeordnete (darunter die angebliche „Medien-Expertin” Marie-Christine Giuliani, Martin Graf, Markus Leinfellner, Gerhard Deimek, Andreas Bors, Edith Mühlberghuber), Kammermitglieder, Bürgermeister, recht extreme Desinformationsunternehmer wie Michael Scharfmüller bis hin zu Mitarbeitern des Parlamentsklubs haben den Erfolg der falschen Seite erst ermöglicht und ihr mit der digitalen Welt fremdelndes Klientel dem Schabernack ausgeliefert.

Während die Fake-Seite mit geringstem Aufwand rund 700 Follower sammeln konnte, hat es die Radio-Facebookseite der Partei, für die vom Kickl-Account abwärts getrommelt wurde, in den letzten mehr als zwei Wochen auf vergleichsweise magere 2.100 Fans gebracht. Einigen dürfte der echte „Patriotensender“ der Freiheitlichen wenig Freude bereiten, denn viele User:innen beschwerten sich ab den ersten Berichten über den englischsprachigen Namen des Senders und sehen darin einen krassen Widerspruch zur Parteilinie. Die fast ausschließlich englischsprachigen Songs, die im blauen Radio an Tag 1 ausgespielt wurden, könnten diesen Unmut verstärken. Dann heißt es: Zurück zu den „Eselsbacher Lumpen“ – garantiert fremdsprachenfrei!

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