Heinis Fall

Hein­rich „Hei­ni“ Staudinger hat seine Ver­di­en­ste. In der Ver­gan­gen­heit. 1979 war er Grün­der der Liste PUM (Partei für Umweltschutz und Men­schlichkeit) in Schwa­nen­stadt (OÖ). Jahre später dann als Grün­der und Mehrheit­seigen­tümer der Wald­viertler Schuh­w­erk­statt (GEA), wo er wegen ein­er Crowd­fund­ing-Aktion einen hefti­gen Fight mit der Finanz­mark­tauf­sicht aus­focht. Beim Präsi­dentschaft­skan­di­dat­en Staudinger wer­den allerd­ings die Schat­ten­seit­en deut­lich sichtbar.

Hitler oder Lenin? 

Eigentlich gab es schon 2014 ein ern­sthaftes Warnze­ichen. Damals war auf der Fir­men-Web­site der GEA das Zitat „Die Men­schen wer­den jede Lüge glauben, voraus­ge­set­zt, sie ist groß genug“ mit dem Zusatz, dass das ein Hitler-Spruch sei, zu lesen. Unkommentiert.

Hitler-Zitat auf der GEA-Website (Mai 2015)

Hitler-Zitat auf der GEA-Web­site (Mai 2015)

Den darauf fol­gen­den Shit­storm und die Frage nach dem Warum kom­men­tierte der Chefredak­teur der hau­seige­nen GEA-Zeitschrift „Brennstoff“, More­au, mit dem lap­i­daren und eben­so pro­voka­tiv­en Satz: „Die kurze Antwort lautet: weil es wahr ist” (kurier.at, 8.5.2014). Hei­ni Staudinger entschuldigte sich danach für den „missver­ständlichen“ Spruch und meinte: „Hät­ten wir unter das Zitat ‚Großmeis­ter der Lüge‘ geschrieben, hät­ten wir uns die ganze Debat­te erspart.

Eigentlich wäre damit die Angele­gen­heit einiger­maßen abge­tan, wäre da nicht der Wahlkampf, wo der Hei­ni als Präsi­dentschaft­skan­di­dat von Corin­na Mil­born auf puls24 zu der alten Sache befragt wird und sich in einen wilden Wirbel hineinre­det. Auf die Frage, wer oder was damit eigentlich gemeint sei, ver­sucht sich Staudinger in ein­er neuen Erk­lärungsvari­ante. Er habe jet­zt noch ein­mal nach dem Ursprung des Zitats gesucht und Lenin, nicht Hitler, als Urhe­ber gefun­den. Das ist dreist! Wir haben auch gegoogelt und keinen einzi­gen Ver­weis auf Lenin gefun­den, dafür viele mit Hitler als Autor. Das Prob­lem dabei: Die – sel­ten, aber doch – angegebene Quelle, dass das Zitat aus „Mein Kampf“ stamme, ist nach­weis­lich falsch. Ver­mut­lich gibt es auch keinen Hitler als Autor dieses Zitats, das so dumm wie zynisch ist. Warum find­et der Hei­ni da nicht raus?

Staudinger auf puls24 bei Milborn (28.9.22)

Staudinger auf puls24 bei Mil­born (28.9.22)

… oder Ken Jebsen?

Das wird klar, als ihn Mil­born zu dem recht­en anti­semi­tis­chen Ver­schwörungside­olo­gen Ken Jeb­sen befragt. Wir geben hier keine näheren Erläuterun­gen zu Jeb­sen, ver­weisen nur auf den umfan­gre­ichen und gut doku­men­tierten Wikipedia-Ein­trag zu ihm und dem aus­geze­ich­neten Pod­cast „Cui Bono: WTF hap­pened to Ken Jeb­sen“, in dem auch seine Entwick­lung nachgeze­ich­net wird.

Jeb­sen hat Staudinger 2017 besucht und ihn für seine Serie „Die Mach­er“ auf KenFM inter­viewt. Stadinger war schon damals sehr begeis­tert über Jeb­sen und hat ihn bzw. KenFM sehr vertei­digt. KenFM, das seine Web­videos über YouTube hochge­laden hat, gibt’s seit 2021 nicht mehr. Zuvor wurde KenFM dauer­haft von YouTube ges­per­rt – ein mas­siv­er finanzieller Ein­bruch für Jeb­sen, der von den zahlre­ichen Spenden der User*innen und von den Wer­beein­nah­men aus­geze­ich­net leben konnte.

Ken Jebsen bei Staudinger im Okt. 2017 (Screenshot FB GEA)

Ken Jeb­sen bei Staudinger im Okt. 2017 (Screen­shot FB GEA)

Doch darum ging’s nicht bei „Mil­born“, wo Staudinger bloß um sein (pos­i­tives) Ver­hält­nis zu dem Ver­schwör­er befragt wurde. Worauf Staudinger neuer­lich zu ein­er Eloge auf Jeb­sen anset­zte, auf dessen Kanal „haufen­weise inter­es­sante Sachen“ zu find­en seien, „zum Beispiel ein ganz wichtiger Denker, der Eugen Drew­er­mann“.

… oder Eugen Drewermann?

Mit Eugen Drew­er­mann ist es so ähn­lich wie mit Staudinger: Der war ein­mal ein Schrittmach­er, aber das ist lange her. Aus seinen let­zten Jahren ist nur mehr ein poli­tis­ch­er Ver­fall ables­bar. Da wären ein­mal seine Ver­schwörungserzäh­lun­gen zur Coro­na-Pan­demie zu nen­nen, aber vor allem dann der „Neue Krefelder Appell“ vom Novem­ber 2021, den Drew­er­mann als Erstun­terze­ich­n­er unter­schrieben hat. In diesem Appell heißt es neben anderen Unge­heuer­lichkeit­en: „Eine noch größere Gefahr geht von der ‚Impf‘-Kampagne aus – für Mil­liar­den von Men­schen. Dahin­ter ste­ht die Strate­gie des ‚Great Reset‘ des Forums der Super­re­ichen, das sich ‚Weltwirtschafts­fo­rum‘ nen­nt, mit dem der Kap­i­tal­is­mus über einen geziel­ten Zusam­men­bruch und einen ‚Neustart‘ auf eine noch per­versere Stufe gehoben wer­den soll.

… und die CIA!

Alles klar? Ist „Hei­ni“ auch schon auf dem „Great Reset“-Trip? Das kon­nte er in der Sendung von Corin­na Mil­born nicht mehr gefragt wer­den. Aber es reicht allein schon, was Staudinger über die „Me Too“-Bewegung so ganz lock­er vom Hock­er geplaud­ert hat. Ein öster­re­ichis­ch­er Filmemach­er habe ihn darauf aufmerk­sam gemacht, dass deren Forderun­gen und die der „poli­tis­chen Cor­rect­ness“ von der CIA entwick­elt wor­den seien, um Bünd­nisse unter den Men­schen schwieriger zu machen. Dann ging es noch weit­er, aber es reicht, nein danke, Heini!