Doku-Tipp: „Impfgegner – Wer profitiert von der Angst?“

Eine Doku, span­nend wie ein Kri­mi – und Tote gibt es auch zuhauf: die Geschichte der Impfgegner*innen seit 1998, als der britis­che Medi­zin­er Wake­field mit gefak­ten Stu­di­energeb­nis­sen behauptete, die Kom­bi-Imp­fung MMR würde Autismus bei Kindern aus­lösen. Sei­ther ist der mit Berufsver­bot belegte Wake­field Galions­fig­ur der Impfgegner*innen und hat sehr potente Geldge­ber hin­ter sich. Seine Kam­pag­nen sind eine Blau­pause für jene, die nun gegen die Coro­no-Imp­fun­gen laufen.

Wenn der Tagesspiegel schreibt, die ARTE-Doku rekon­stru­iere die Geschichte der Impfskep­sis, so stimmt das nur bed­ingt, denn der Beginn, den die Doku markiert – mit dem Auftreten des Schar­la­tans Andrew Wake­field 1998 – ist natür­lich nicht jen­er der Impfgeg­n­er­schaft. Aber Wake­fields unheil­volle Pro­pa­gan­da wirkt heute mehr denn je und richtet uner­meßlichen Schaden an, den Unzäh­lige mit dem Tod bezahlen.

Vor rund zehn Monat­en startete die weltweite Coro­na-Impfkam­pagne. Zahlre­iche Impfgeg­n­er steuern dage­gen. Wer sind diese Men­schen? Welche Motive ver­fol­gen sie und wovor haben sie Angst? Um das bess­er zu ver­ste­hen, wer­den am Beispiel des britis­chen Arztes Andrew Wake­field, ein­er zen­tralen Fig­ur der Anti-Impf-Bewe­gung, die Entwick­lun­gen inner­halb der Impfgeg­n­er­schaft dargelegt.

Während die weltweit größte Impfkam­pagne der Geschichte im Gange ist, begehren die Impfkri­tik­er dage­gen auf. Ihren enor­men Ein­fluss ver­dankt die Bewe­gung ver­schiede­nen Meth­o­d­en sowie finanzieller Unter­stützung und eini­gen Leit­fig­uren. Die Doku­men­ta­tion fol­gt ein­er dieser Galions­fig­uren: dem in Großbri­tan­nien mit einem Berufsver­bot belegten Arzt Andrew Wake­field. In ein­er wis­senschaftlich unsauberen und mit­tler­weile zurück­ge­zo­ge­nen Studie stellte er anhand von zwölf Fällen einen Zusam­men­hang zwis­chen der Imp­fung mit dem MMR-Kom­bi­na­tions-Impf­stoff, der gegen Mumps, Masern und Röteln einge­set­zt wird, und Autismus her. In der Folge fie­len die Impfrat­en ins­beson­dere in Großbri­tan­nien deut­lich ab.
Anhand dieser Geschichte und ihrer Einord­nung von ver­schiede­nen Experten wird die aktuelle Entwick­lung inner­halb der Anti-Impf-Bewe­gung beleuchtet. Es geht um finanzielle Mit­tel und wirtschaftliche Inter­essen, alter­na­tive Behand­lungsmeth­o­d­en und Spezialk­liniken, Pro­pa­gan­da und rhetorische Mit­tel, die die Impfgeg­n­er ein­set­zen. Seit der Schweine­grippe haben poli­tis­che Extreme und Ver­schwörungs­the­o­rien rund um das The­ma Imp­fung zugenom­men: von der Überwachung per Mikrochip bis zum „großen Neustart”, dem „Great Reset”.
Außer­dem trifft der Doku­men­tarfilm Men­schen in unter­schiedlichen Län­dern, die das Impfen kat­e­gorisch ablehnen oder skep­tisch abwarten. Warum will sich der junge US-Amerikan­er Ethan impfen lassen, obwohl seine Eltern dage­gen sind? Was treibt den franzö­sis­chen Land­wirt Julien dazu, den Impf­pass seines Sohnes vor dessen Ein­schu­lung zu fälschen? Weshalb war die Paris­erin Julie, die wegen ein­er Masern­erkrankung auf den Roll­stuhl angewiesen ist, erst nach 20 Jahren bere­it, sich impfen zu lassen? Und was erk­lärt, dass in Deutsch­land eine Homöopathie-Ärztin falsche Maske­nat­teste und Impfz­er­ti­fikate ausstellt? Die Porträts der aktuellen oder ehe­ma­li­gen Impfgeg­n­er und ‑skep­tik­er machen deut­lich, wie sehr die eigene Lebens­geschichte die Impfentschei­dung eines Men­schen bee­in­flusst. (ARTE)

Impfgeg­n­er – Wer prof­i­tiert von der Angst? (Arte 2021 90’ – online bis 25.6.2022)

➡️ zur Doku auf ARTE 

Auf YouTube online bis 20.1.22