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Rechtsextreme Propaganda in den BergenLesezeit: 3 Minuten

Der „Kel­ten­kalk“, ein nun­mehr in der 4. Auf­la­ge erschie­ne­ner Sport­klet­ter­füh­rer, war bis­lang nur in der Klet­ter­sze­ne ein Begriff, dort aber ken­nen ihn vie­le – zumin­dest jene, die auf Nie­der­ös­ter­reichs Ber­gen unter­wegs sind. Bereits vor zehn Jah­ren hat­ten der „Fal­ter“ und „Die Pre­se“ berich­tet, dass der Kel­­ten­­kalk-Autor Tho­mas Behm eine Vor­lie­be für rechts­extre­me und ras­sis­ti­sche Begrifflichkeiten […]

6. Okt 2021

Tho­mas Behm ist nicht nur Buch­au­tor, son­dern auch flei­ßi­ger Erst­be­stei­ger von Klet­ter­rou­ten und hat­te damit einem unge­schrie­be­nen Gesetz zufol­ge auch das Recht, die­se Rou­ten zu benen­nen. Und da hat er sich – recht extrem – ausgetobt:

Eini­ge Namen der Klet­ter­rou­ten im Wie­ner Umland traut man sich kaum nie­der­zu­schrei­ben. „Fut­loch­wand” etwa. Die­se und ande­re Namen von Klet­ter­stei­gen sind seit Jah­ren immer wie­der ein The­ma. „Klet­ter­stei­ge mit Nazi-Namen in Öster­reich”, titel­te die „Pres­se” bereits vor mehr als zehn Jah­ren. Damals wur­den Stei­ge „Wal­kü­ren­ritt”, „Rie­fen­stahl”, „Besatzer­fraß”, „Kris­tall­tag”, „Swas­tika­ar”, „Heil der Eiche” oder „Ewi­ges Reich” genannt.

Heu­te sind „Tiwaz”, „Son­nen­rad”, „Gre­ta Dumm­berg”, „Wirt­schafts­flücht­ling”, „Neger­brot” oder „Asyl­box” zu fin­den. Mit der­ar­ti­gen Bezeich­nun­gen wol­len sich eini­ge Berg­stei­ger und Berg­stei­ge­rin­nen jedoch nicht abfin­den. Als Pro­test gegen die Namen wur­de nun bei dem Steig „Fes­tung Euro­pa” an der Hohen Wand eine Gedenk­ta­fel ange­bracht, die an die Opfer der euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik erin­nert. Der Begriff „Fes­tung Euro­pa” wur­de wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs haupt­säch­lich von der Pro­pa­gan­da der Nazis geprägt.

Eini­ge Rou­ten­na­men bezie­hen sich auf Songs rech­ter Musik­grup­pen, ande­re las­sen eine Nähe zu rech­tem Gedan­ken­gut ver­mu­ten. „Besatzer­fraß” heißt ein Song der deut­schen Band Gigi und die brau­nen Stadt­mu­si­kan­ten, in dem unter ande­rem von „McZi­on” die Rede ist. Die Tiwaz-Rune war das Kenn­zei­chen einer SS-Frei­wil­li­gen­di­vi­si­on und wur­de bei der Hit­ler­ju­gend und der SA ver­wen­det. (derstandard.at, 3.9.21)

Im Som­mer haben sich Natur­freun­de und der Alpen­ver­ein von Behm distan­ziert und sei­ne Klet­ter­füh­rer aus dem Sor­ti­ment genommen.

Behm sieht sich als Opfer einer Hetz­kam­pa­gne, wie er im rechts­extre­men „Frei­lich-Maga­zin“ auf meh­re­ren Sei­ten ganz im Ein­klang mit rech­tem Sto­ry Tel­ling aus­führt und dabei auch gleich den Tod des „heroi­schen Alpi­nis­mus“ zuguns­ten eines „hyper­li­be­ra­len“ Geis­tes beklagt. „Wer als ers­ter eine Rou­te klet­tert, darf sie benen­nen. Egal, ob es ande­re stört“, schreibt Behm dort unver­blümt im Teaser. Die Kri­tik an ihm sei „ein Skan­dal um Iro­nie und Mei­nungs­frei­heit“. „Poli­tisch moti­vier­te Sach­be­schä­di­gun­gen wie S‑Bahn-Graf­fi­tis an Fels­wän­den mit­ten im Wald zeu­gen vom städ­ti­schen Anti­fa-Geist“, meint Behm und bedient damit das alte, auch im Natio­nal­so­zia­lis­mus bedien­te Nar­ra­tiv von der bösen, ver­dor­be­nen Stadt und der guten, unbe­rühr­ten länd­li­chen Idyl­le, auf deren Sei­te er sich natür­lich sieht.

Dani­el Kuf­ner, selbst Klet­te­rer, ver­öf­fent­lich­te nun im „Augus­tin” einen Arti­kel über Behms Trei­ben aus Insi­der­per­spek­ti­ve: „Der Klet­ter-Füh­rer”

Vie­le Klet­ter­rou­ten im Osten Öster­reichs tra­gen noch immer rechts­extre­me Namen, obwohl die­se seit Jah­ren kein Geheim­nis der Ber­ge mehr sind. Sehr spät, aber doch regt sich jetzt Wider­stand. Wider­stand vor allem gegen eine bestimm­te Per­son. Wei­ter mit „Der Kletter-Führer“

Sie­he auch:

➡️ Stan­dard: „Wirt­schafts­flücht­ling” und „Gre­ta Dumm­berg”: Namens­ge­bung von Klet­ter­tou­ren sorgt für Protest 
➡️ taz: „Zyklon B“ zum Klettern
➡️ Kurier: Namen von Klet­ter­rou­ten in Wie­ner Haus­ber­gen sor­gen für Kontroversen

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