Nepp mit zwei blauen Augen

Das waren wohl 15 harte Minuten für Dominik Nepp, als er am 1. Sep­tem­ber in der ZiB 2 von Armin Wolf befragt wurde. Twit­ter war sich ziem­lich einig: Das Inter­view hat­te Unter­hal­tungswert. Und Nepp musste den Küniglberg mit zwei blauen Augen verlassen.

Die FPÖ hat es nicht leicht seit Aufliegen von Ibiza und Spe­sen­skan­dal – die Wiener Lan­despartei ganz beson­ders: Sie stellte mit ihrem Ex-Chef Heinz-Chris­t­ian Stra­che und seinem Nach­fol­ger Johann Gude­nus die bei­den Haup­tak­teure im frei­heitlichen Insel-Waterloo.

Es ist schw­er, die High­lights des Inter­views, die für Nepp eher low gewe­sen sein dürften, rauszusuchen, aber hier ein Versuch:

19 Mal erin­nerte Nepp Armin Wolf daran, dass er der „Herr Wolf“ ist, das steigerte sich von „Herr Wolf, sehen Sie …“ über Herr Wolf, Herr Wolf, es gibt Verträge, die sind einzuhal­ten“ zu Herr Wolf, Herr Wolf, Herr Wolf, ich war in dem oper­a­tiv­en Geschäft nicht tätig“. Der Herr Wolf zeigte sich ob der exzes­siv­en Ansprache jedoch ziem­lich unbeeindruckt.

Befragt zu den großzügi­gen Spe­sen­zahlun­gen der Wiener FPÖ an Stra­che, meinte Nepp viel­sagend: Schauen Sie, Herr Wolf, dieser Mietkosten­zuschuss, den Sie schon ein­gangs erwäh­nt haben, der wurde 2008 beschlossen. 2008 da gab es mich in der FPÖ noch gar nicht und das waren Herrschaften, die das damals beschlossen haben.“ Nepp verzichtete darauf, die „Herrschaften“ näher zu benen­nen; es kön­nte ja sein, dass das eine oder andere Mit­glied dieser Herrschaften in der FPÖ noch eine gewichtige Rolle spielt. 

Er aber, so Nepp weit­er, habe „damit aufgeräumt“. Dass es ihn 2008 in der FPÖ gar nicht gab, wäre nur damit zu erk­lären, wenn Nepps dama­lige Funk­tio­nen, das Amt des Lan­desparteiob­manns des RFJ und des geschäfts­führen­den Bezirksparteiob­manns der FPÖ Döbling, nichts mit der FPÖ zu tun hät­ten. Gut, Nepp war da wohl nicht bei den „Herrschaften“ dabei, die das Parteis­pe­sen­füll­horn über Stra­che ergossen haben, aber in den vier Jahren als Finanzref­er­ent der Lan­despartei hätte er denn doch was bemerken können.

Der „böse Wolf“ (© FPÖ-Fans) bohrte aber weit­er, und der­maßen bedrängt ent­glitt dem Nepp dann ein klas­sis­ch­er Freud’scher: „Aber wie gesagt, da sind wir eben Beschuldigte in diesem Ver­fahren, und Heinz-Chris­t­ian Stra­che ist hier Täter.“ Hier schließt sich also die natür­liche Allianz von Beschuldigten und Täter.

Der aufräu­mungsstarke Nepp, der bis Mitte Mai 2019 so gar keine Macht in der Wiener FPÖ gehabt haben will, hat fünf Monate gebraucht, bis Stra­che der Spe­sen­geld­hahn abge­dreht wurde. Und das erk­lärt uns Nepp so: „Jed­er Tren­nung­sprozess dauert auch eine gewisse Zeit.“ Und: „Es gab ver­schiedene Möglichkeit­en. Her­aus­gestellt hat sich, dass dann der Herr Stra­che das gemietet hat und wir zugeschossen haben. Aber bis das gek­lärt war, verg­ing … natür­lich eine gewisse Zeit, und wir haben das gestoppt.“ Wir hal­ten fest: Die FPÖ hat fünf Monate lang geprüft, welche Vere­in­barung sie mit Stra­che hat­te, weil das ange­blich nicht ein­mal Nepp als zuständi­ger Finanzref­er­ent der Partei gewusst hatte.

Ange­sprochen auf die FPÖ-nahen Vere­ine und deren etwa von Novo­mat­ic erhal­te­nen Spenden, schlingerte Nepp zwis­chen Nicht-FPÖ und Order von der FPÖ herum:

Das war dieser Vere­in, aber der wurde gegrün­det, dann war er [Tschank] in der Pri­vatwirtschaft dort tätig, aber ich habe keine Ahnung, wer dort hinge­spendet hat. Das war, ja, ein pri­vatwirtschaftlich­er Vere­in und mehr nicht.
Wolf: Aber Sie haben den Namen und den Zweck genehmigt?
Nepp: Es war damals auch im Auf­trag der Partei, solche Vere­ine zu grün­den als… als… als…
Wolf: Ich dachte, er hat­te nichts mit der Partei zu tun?
Nepp: Schauen Sie, jed­er Vere­in, jede Partei hat ver­schiedene Vereine.

Nicht erstaunlich war, dass Nepp seinen beschränk­ten Sager vom „Asy­lanten­virus“ auch heute noch gut find­et, weil man das schließlich so for­mulieren könne, da die FPÖ doch den Clus­ter im Erd­berg­er Asyl­heim aufgedeckt habe. Wolfs Frage, „Ist ihnen gar nichts pein­lich“, hat Nepp damit indi­rekt beantwortet.

Das Nepp-Virus dürfte jeden­falls auch kräftig wahrnehmungstrübend wirken. Bei Umfrageergeb­nis­sen, die die FPÖ derzeit bei einem Minus von etwa zwei Drit­tel ihres Wahlergeb­niss­es von 2015 sehen, meinte Nepp: „Es wird ein her­vor­ra­gen­des Ergeb­nis wer­den.“ Angesichts dieser Antwort muss die Frage ges­tat­tet sein: Was nimmt Nepp, dass er bei der am 11. Okto­ber zu erwartenden Watschenorgie ein „her­vor­ra­gen­des Ergeb­nis“ am Hor­i­zont sieht?

Dafür hat Armin Wolf dem eingetrübten Nepp eine tre­f­fende Kurz­fas­sung des frei­heitlichen Wahl­pro­gramms ein-geschenkt: „Aut­o­fahrer rein, Aus­län­der raus“. Alleine dafür hat sich das Inter­view gelohnt!