Doku-Tipp: Infokrieger – Die neuen rechten Medienmacher

„Sollte das der Fall sein, dann wird Euch der Blitz irgendwann beim Schei…. treffen“ – damit endet eine Doku über rechte Meinungsbildner*innen im Internet. Ausgesprochen von einem Deutschen, der in Uruguay lebt und mit seinem „Deuru-Netzwerk“ 95 „alternative“ – was heißt: rechtsextreme, verschwörungstheoretische – Webkanäle betreibt bzw. mit seinem Impressum versieht. Auch aus Österreich, wie der Mann sagt.

Das ist eine von mehreren spannenden Details aus der Doku, die die Recherchen eines fünfköpfigen Team begleitet, das sich 2018 daran machte zu recherchieren, wer und wie im Zuge der Wahlkämpfe in Bayern und Hessen politische Propaganda im Internet verbreitet. Penibel wurden hunderttausende Tweets ausgewertet, Postings durchsucht, YouTube-Filme analysiert und Telegram-Kanäle gesichtet und zugeordnet. Teilweise konnten anonyme Urheber*innen ausgeforscht und besucht werden.

Die Radio-Bremen-Reportage „Rabiat: Infokrieger – Die neuen rechten Medienmacher“ taucht tief ein in das Internet, seine Strukturen, Daten und Schwachstellen und ermöglicht einen einmaligen Einblick in den digitalen Maschinenraum der neuen Rechten. Wie gut funktionieren diese digitalen Angriffe auf die Demokratie wirklich? Und: Wie machen rechte alternative Medienmacherinnen und -macher Stimmung in der Corona-Krise? Nutzt oder schadet ihnen die Pandemie, die den Schulterschluss der demokratischen Mitte befördert, die zugleich aber auch destabilisierende Aspekte hat?

Gerade in einer Zeit des social distancing, in der sozialer Austausch nicht mehr ohne weiteres von Angesicht zu Angesicht stattfinden kann, nimmt die Relevanz digitaler Medien und sozialer Netzwerke erheblich zu. Und das, obwohl das Internet schon vor der Corona-Krise das alles bestimmende Medium für Informationsverbreitung und die Simulation zwischenmenschlicher Interaktion war. Wer aber bestimmt, was im digitalen Raum relevant ist und aus der Masse an Daten heraussticht? Wer entscheidet, welchen Meldungen wir Glauben schenken und was wir als Fake News abtun? Und inwiefern lässt sich unsere Wahrnehmung mit Hilfe von Algorithmen und künstlich erzeugter Massen-Empörung manipulieren?

In „Rabiat: Infokrieger – Die neuen rechten Medienmacher“ entschlüsselt Reporter Dennis Leiffels zusammen mit einem Team von Journalistinnen und Journalisten, wie die neue Rechte das Mediensystem manipuliert und wie online Meinungen und Diskussionen vergiftet werden. Die anderthalbjährige Recherche beginnt mit einer einfachen Frage: Wer bestimmt den politischen Diskurs, der in den sozialen Netzwerken stattfindet?

Mithilfe einer Datenanalyse stößt das Team auf eine Bewegung, die, so scheint es, der Strategie des sogenannten „Infokrieges“ folgt. Stück für Stück decken die Journalistinnen und Journalisten die Mechanismen hinter dieser Strategie auf und versuchen neben Antworten auch die Menschen dahinter zu finden. Auf dem Weg dorthin werden sie selbst zu Verschwörungstheoretikerinnen und -theoretikern, lernen, was diese „Infokrieger“ verbindet; treffen alternative Medienmacherinnen und -macher und erfahren, warum die Algorithmen der großen Social-Media-Plattformen diesen „Infokrieg“ fördern.

Die Extremismusforscherin Julia Ebner sagt, die neuen Rechten bestimmen im Netz schon längst die Diskussionen. Sie verfolgen ihre ganz eigenen Ziele und erzählen dabei einfach die besseren Geschichten; deshalb erzählt die Reportage „Rabiat: Infokrieger – Die neuen rechten Medienmacher“ nun eine Geschichte über sie. Film von Dennis Leiffels aus der Reportage-Reihe „Rabiat“ (https://programm.ard.de/TV/daserste/infokrieger/eid_281062990030728)

➡️ Zur Doku (44′)