Wilders über Wilders

Warum das lesenswerte Interview, das der „Spiegel“ mit Paul Wilders, dem Bruder des niederländischen Rechtsaußen-Politikers Geert Wilders, geführt hat, nur in englischer Sprache kostenlos verfügbar hält, während es auf Deutsch kostenpflichtig ist, erschließt sich uns nicht. Was Paul Wilders über die Politik seines Bruders schreibt, hat auch nach der Parlamentswahl in den Niederlanden Gültigkeit.

Er ist ein Meister der kurzen Botschaften. Und in dieser komplexen Zeit suchen viele Menschen gerade danach – nach einer einfachen politischen Vision ohne Nuancen. Geert gibt sie ihnen. Er erschafft eine Identität: wir, das niederländische Volk. Und Gegenpole: die Muslime, die EU, die Eliten. Terroranschläge, Flüchtlinge und die Eurokrise sorgen für Angst und Unzufriedenheit. Mein Bruder, die französische Populistin Marine Le Pen und andere nutzen diese Stimmung und kommen mit scheinbar einfachen Lösungen: weg mit den Migranten, Grenzen dicht, raus aus der EU. Aber unsere Probleme sind viel komplexer. Geert verkauft den Menschen Illusionen“.

So charakterisiert Paul Wilders im Interview mit dem „Spiegel (Nr. 9 / 2007) die Politik seines Bruders.

Sehr ähnlich urteilte übrigens Sven Petry, der von Frauke Petry geschiedene Ehemann, über die Politik der „Alternative für Deutschland“(AfD) in einem Interview , das er schon im Vorjahr gegeben hat:

Die AfD verspricht immer wieder einfache Lösungen, aber es gibt in vielen Dingen keine einfachen Lösungen“ (hier zitiert nach „Focus“). Zu dem Vorhaben seiner Ex-Frau, den Begriff „völkisch“ wieder positiv besetzen zu wollen, merkte Sven Petry, Pastor und CDU-Mitglied, an: „Ich wüsste nicht, wie man den Begriff ‚völkisch‘ positiv besetzen kann. Außer in der Propagandasprache der Nationalsozialisten hatte er nie eine positive Bedeutung“ (Focus).

Noch einmal zum „Spiegel“-Interview von Paul Wilders, in dem er dessen soziale Isolation und den „Tunnelblick“ seines Bruders, für den es keine Kompromisse gäbe, auch in seinen familiären Beziehungen beschreibt. Bei den seltenen Familientreffen würde nie über Politik gesprochen: „Alle wissen: Würden wir da eine Diskussion anfangen oder ihn gar kritisieren, dann ginge er, und wir sähen ihn nie mehr wieder, er würde alle Kontakte abbrechen“. Weil Paul seinen Bruder über Twitter kritisiert hat, blockiert ihn Geert dort: „So ist das mit ihm: Wer widerspricht, der wird bestraft. Für Geert gibt es nur Schwarz oder Weiß, nichts dazwischen“.

Eine Zusammenfassung des Interviews mit Paul Wilders war im „Kurier“ zu lesen.