Alexander Götz – ein echter Blauer

Natür­lich hat die Kan­di­datur von Alexan­der Götz auf der Gemein­der­at­sliste der FPÖ Graz nur eine sym­bol­is­che Bedeu­tung. Kaum jemand ken­nt mit­tler­weile den 88-jähri­gen Ex-Bürg­er­meis­ter und ehe­ma­li­gen Parteiob­mann der FPÖ. Kaum jemand weiß, dass sich Götz einen hefti­gen Fight mit Jörg Haider wegen sein­er Poli­tik­er­pen­sion geliefert hat. Die FPÖ schmückt ihre Liste jeden­falls mit einem, der zu den größten Abkassier­ern gehört. Für Eustac­chio ist Götz ein Vorbild.

Alexander Götz auf Platz 96 der FPÖ-Wahlliste für die GR-Wahl 2017.

Alexan­der Götz auf Platz 96 der FPÖ-Wahlliste für die GR-Wahl 2017.

1973 wurde Alexan­der Götz, obwohl seine Partei bei der Gemein­der­atswahl nur auf dem drit­ten Platz gelandet war, von der ÖVP zum Bürg­er­meis­ter gewählt. 1983 set­zte es eine ver­nich­t­ende Wahlnieder­lage für Götz – Rück­tritt und Ende der poli­tis­che Kar­riere. 1987 – Götz war mit­tler­weile 59 Jahre alt – gab es dann hefti­gen Zoff zwis­chen ihm und sein­er Partei.

Zwei Jahre zuvor haben Götz und Man­datare andere Parteien gegen eine Bes­tim­mung des Graz­er Stadt­statuts, die eine Kürzung der Ruhe­bezüge bedeutet hätte, Klage ein­gere­icht und schließlich vom Ver­fas­sungs­gericht­shof (VfGH) 1987 Recht erhal­ten. Das Urteil des VfGH damals war höchst umstrit­ten, gab es doch aus­gerech­net Poli­tik­ern wie Götz mit ohne­hin sehr üppi­gen Pen­sio­nen Recht. Götz, geboren 1928, erhielt seit 1984 „nur“ 8.700 Euro monatlich an Ruhe­bezü­gen ausbezahlt.

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Es dauerte allerd­ings noch Jahre, bis Götz zu sein­er Nachzahlung kam. In der Zwis­chen­zeit musste er sich mit eini­gen Neben­jobs über Wass­er hal­ten. So heuerte er als Geschäfts­führer bei der „Tech­no­va“ (bis 1993) an und machte so neben­bei auch den Präsi­den­ten der Graz­er Messe (bis 1997). Der Schwindel mit den Besuch­er­sta­tis­tiken, der in seine Amt­szeit als Messepräsi­dent fiel, kon­nte ihm wenig anhab­en. Die Gage als Messepräsi­dent war ja auch – gemessen an den anderen Einkün­ften von Götz – rel­a­tiv beschei­den: 30.000 Schilling (knapp 2.200 Euro) und ein Dienst­wa­gen (Kuri­er, 10.5.1997).

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Da war es schon gün­stig, dass der umtriebige Götz, der für gute Verbindun­gen und Deals mit der steirischen ÖVP zuständig war, auch ander­weit­ig belohnt wurde. Wie, das beschrieb der „Stan­dard“ am 31.7.1995:

„Der promi­nente Frei­heitliche, zehn Jahre lang Graz­er Bürg­er­meis­ter und steirisch­er Ehrenob­mann sein­er Bewe­gung, mis­cht darüber hin­aus noch kräftig in den Auf­sicht­sräten zweier steirisch­er Banken mit. So soll er laut Angaben eines Insid­ers (Name der Red. bekan­nt) als stel­lvertre­tender Auf­sicht­sratsvor­sitzen­der der „Steier­märkischen Sparkasse” und Mit­glied mehrerer bank­in­tern­er Auss­chüsse monatlich zwis­chen 150.000 und 200.000 Schilling kassieren.
Ein weit­er­er Auf­sicht­srat­sposten des zu rund 80 Prozent der „Steier­märkischen Sparkasse” gehören­den Bankhaus­es Krentschk­er bringt Götz mit jährlich 15.000 Schilling ver­gle­ich­sweise wenig an finanziellem Zubrot. Doch dort ist Tochter Andrea, zuvor in den Dien­sten der „Steier­märkischen Bank”, in entschei­den­der Posi­tion beschäftigt. Gemein­sam mit Vater Alexan­der sitzt sie als gewählte Betrieb­srätin im sel­ben Aufsichtsrat“.

Der Junior von Alexan­der Götz wurde übri­gens Nach­fol­ger des Seniors bei der „Tech­no­va“. Die Zahlen, die der „Stan­dard“ da nan­nte, wur­den übri­gens nicht demen­tiert. Der dama­lige SPÖ-Abge­ord­nete Gün­ther Kräuter rech­nete in ein­er Presseaussendung (OTS 010 vom 16.7.1995) vor, dass der „Priv­i­legien­rit­ter“ Götz monatlich „lock­er auf 250.000 Schilling“ (ca. 18.200 Euro) komme. Da hat Kräuter allerd­ings vergessen, die Ruhe­bezüge von damals „nur“ 8.700 Euro mitzurechnen.

1997 ent­zog die ÖVP unter Wal­traud Klas­nic Götz die Gun­st (Kleine Zeitung, 10.6.1997), den Auf­sicht­srat­sjob in der Steier­märkischen Sparkasse (bei Krentschk­er durfte er bis 2005 als Auf­sicht­srat amtieren) und damit einen nicht unbeschei­de­nen Neben­ver­di­enst. Da war der der FPÖ-Ehrenob­mann dann sich­er froh, als er im Jahr 2000 vom Ver­fas­sungs­gericht­shof endlich die vollen Ruhe­bezüge von 13.700 Euro monatlich zuge­sprochen bekam und noch dazu eine Nachzahlung von 560.000 Euro (Kleine Zeitung, 27.6.2008).

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Weil aber 1997 der Nation­al­rat so schlimme Sachen wie eine Deck­elung der Bezüge und einen Pen­sion­ssicherungs­beitrag beschlossen hat­te, was einen neuer­lichen Angriff auf die knap­pen Einkün­fte von Götz bedeutet hat, ging Götz noch ein­mal zum Ver­fas­sungs­gericht­shof und erhielt weit­ere 190.000 Euro nach­bezahlt. Seine Ruhe­bezüge waren 2008 auf 14.800 Euro angestiegen (Kleine Zeitung, 27.6.2008) und dürften mit­tler­weile einen weit­eren Zuwachs erfahren haben.

Kein Wun­der, dass Mario Eustac­chio, der Spitzenkan­di­dat der Graz­er FPÖ, in einem Inter­view Alexan­der Götz als sein poli­tis­ches Vor­bild beze­ich­net hat (Kleine Zeitung, 17.6.2009).