We use automated translation to make our research internationally accessible. However, political nuances may be lost. Only the original German text is binding and definitive.
Skip to content
Stoppt die Rechten

Stoppt die Rechten

Antifaschistische Website

social media logo x social media logo facebook social media logo bluesky
  • Suche
  • Wissen
    • Rechtsextremismus
    • Ist die FPÖ rechtsextrem?
    • Rechtsextreme Medien in Österreich
    • Faschismus
    • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
    • Antisemitismus
    • Rassismus
    • Wiederbetätigung und Verbotsgesetz
    • NS-Symbole und Abzeichengesetz
    • Verhetzung. Was ist das? Was kann ich dagegen tun?
  • Handeln
    • Aktiv werden und handeln
    • Was kann wie wo gemeldet werden?
    • Gegen Sticker & Geschmiere
    • How to “Prozessreport”?
  • Hilfreich
    • Anleitung Sicherung von FB-Postings/Kommentaren
    • Strafbare Inhalte im Netz: eine Anzeige/Sachverhaltsdarstellung einbringen
    • Newsletter
    • Open Data Archiv
    • Archiv aller Beiträge
    • Schlagwörter-Wolke
    • RSS-Feeds
  • Wochenrückblick
  • Gastbeiträge
  • Materialien
  • Rezensionen

„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

FPÖ
Einzelfallzähler

aktuell 0 Fälle
alle Fälle lesen

Waffenfunde
 

0
alle Fälle lesen

Startseite | Dokumentation

Lesezeit: 7 Minuten

David Schalko: Rede zu den Novemberpogromen

Bei der heu­er sehr gut besuch­ten Gedenk­ver­an­stal­tung zu den Novem­ber­po­gro­men am ehe­ma­li­gen Aspang­bahn­hof, von dem ab 1939 Zig­tau­sen­de Wie­ner Jüdin­nen und Juden und Roma in die pol­ni­schen Ghet­tos und von dort dann in die Ver­nich­tungs­la­ger depor­tiert wur­den, hielt auch David Schal­ko eine Rede, die wir mit sei­nem Ein­ver­ständ­nis hier veröffentlichen. 

10. Nov. 2016

„Albert Camus sag­te: Es gibt kei­ne Welt mit Ver­nich­tungs­la­gern, son­dern nur eine Welt als Ver­nich­tungs­la­ger. Wenn ande­re in die Knecht­schaft getrie­ben wer­den, so betrifft uns das auch.

Gedenkveranstaltung am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek
Gedenk­ver­an­stal­tung am Wie­ner Aspang­bahn­hof, 2016 — Bild­quel­le: Chris­ti­an Volek

Heu­te leben wir in einer Welt mit Ver­nich­tungs­la­gern. Was uns 1945 aufs Tiefs­te erschüt­ter­te, lässt uns heu­te kalt. Denn Ver­nich­tung von Men­schen gibt es welt­weit. Aber wirk­lich nahe­zu­ge­hen ver­mag es uns nicht. Sind wir an den Hor­ror gewöhnt? Sind wir abge­stumpft? Oder hal­ten uns die stän­dig vor Augen gehal­te­nen Bil­der vom Gesche­hen fern? Weil sie nicht rie­chen. Weil man die Schreie und das Leid auf laut­los stel­len kann. Weil wir tat­säch­lich glau­ben, dass ein Inter­net­pos­ting einer Tat gleich­kommt. Dass es Wider­stand auf der Stra­ße ersetzt. Gesagt getan im per­ver­tier­ten Sinn. Weil wir in einer Welt leben, in der die eige­ne Erleich­te­rung und Ent­la­dung wich­ti­ger sind als wirk­li­che Empa­thie. Und weil der Indi­vi­dua­lis­mus zur Aus­blen­dung des ande­ren geführt hat. Letzt­end­lich wischen wir in der Rea­li­tät die ande­ren genau­so weg wie auf unse­ren Tablets.

Redbeitrag von David Schalko bei der Gedenkfeier am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek
Red­bei­trag von David Schal­ko bei der Gedenk­fei­er am Wie­ner Aspang­bahn­hof, 2016 — Bild­quel­le: Chris­ti­an Volek

Des­halb wäh­len wir die Trumps und Hofers und Putins und Le Pens. Nicht weil wir glau­ben, dass sie etwas rich­ten oder revi­die­ren. Son­dern weil wir wäh­len wie wir pos­ten. Es ist mit der Arti­ku­la­ti­on bereits erle­digt und ver­ges­sen, dass all dies auch rea­le Kon­se­quen­zen haben könn­te, die man viel­leicht so gar nicht woll­te. Selbst wenn es uns die Demo­kra­tie kos­tet. Das Pro­blem ist nicht die Ver­gess­lich­keit des Wäh­lers, son­dern sei­ne Selbst­ver­ges­sen­heit. Inso­fern geht es auch hier um Nichtvergessen.
Zunächst woll­te ich heu­te einen Text lesen, der das nach­emp­fin­den lässt, was letzt­lich nicht nach­emp­find­bar ist. Nicht für uns, für kei­nen, der das nicht durch­lebt hat. Ja, viel­leicht nicht ein­mal für jene, die das Ver­nich­tungs­la­ger über­leb­ten. Selbst sie muss­ten ver­drän­gen, ver­ges­sen kann man nicht, um über­haupt wei­ter­le­ben zu kön­nen. Nach­emp­find­bar hal­ten, weil es viel­leicht die ein­zi­ge Form des Nicht­ver­ges­sens ist. Damit die­se Schre­ckens­ta­ten nicht aus unse­ren Genen ver­schwin­den. Damit es eine emo­tio­na­le Abruf­bar­keit gibt. Wobei das ist ver­mut­lich illu­so­risch. Denn die Erschüt­te­rung lässt erschüt­tern­der Wei­se nach. Inso­fern heißt Nicht­ver­ges­sen auch, die Ent­spre­chung im heu­te zu fin­den. Und die­se fin­den wir nicht nur in der Ver­höh­nungs­äs­the­tik der gegen­wär­ti­gen Faschis­ten, die men­schen­ver­ach­tend sind, weil sie dem Men­schen nichts zutrau­en, den Makel als Makel denun­zie­ren, sich vor der Ungleich­heit ekeln und sich selbst ver­ach­ten für ihre Unvoll­kom­men­heit, wobei sich die Fan­ta­sie der Voll­kom­men­heit aus der Abtö­tung speist. Und auch die Wäh­ler trau­en sich selbst nichts zu, sonst gäbe es die Sehn­sucht nach den Erlö­sern, Repa­ra­teu­ren und Füh­rern nicht. Stellt sich umge­kehrt die Fra­ge: Was kann man dem Men­schen zutrau­en? Ist es nicht das aller­höchs­te Gut des Men­schen ganz Mensch zu sein? Wann ist der Mensch am meis­ten Mensch? Ver­mut­lich wenn er sich zu sei­nen Feh­lern bekennt, sie zulässt, sie ins Mensch­sein mit­ein­be­zieht, wenn er nicht ver­sucht, ein Robo­ter zu sein.

Ein Robo­ter will per­fek­te Abläu­fe, Effi­zi­enz, Leis­tung, mess­ba­re Maß­stä­be, Bewer­tung und Erfolg. Robo­ter haben kein Mit­ge­fühl für ande­re. Sie krei­sen um sich selbst und ihre Pro­gram­mie­rung. Robo­ter ver­ga­sen auch Men­schen, weil sie die­se nur als Zah­len sehen. So wie die Nazis kei­ne Men­schen­ko­lon­nen, son­dern Zah­len­ko­lon­nen vor Augen hatten.

Steckt hin­ter der momen­ta­nen Wut und dem Hass nicht viel­leicht die Angst, nur noch als Robo­ter emp­fun­den zu wer­den? Über­se­hen zu wer­den. Speist sich dar­aus der Neid auf die ande­ren? Letzt­end­lich auch der Neid auf den Flücht­ling, der sein Leben zum Bes­se­ren ver­än­dern konn­te. In sozia­len Medi­en wird genau die­se Mecha­nik auf­ge­baut. Man soll­te also eher von aso­zia­len Medi­en spre­chen. Sie pro­gram­mie­ren uns mit rotie­ren­den, glei­chen Impul­sen. Unse­re Gefühls­wel­ten chan­gie­ren mecha­nisch zwi­schen den gro­ßen Anti­po­den Neid/Hass/Wut und Pathos. Die Nuan­cen dazwi­schen sind erkal­tet. Für die­se haben wir kei­ne Zeit. Alles muss sofort pas­sie­ren. Und ver­füg­bar sein. Nicht nur Ursa­che. Auch Wir­kung. Und Lösung. Zumin­dest Ent­spre­chung. Die­ses Ver­hal­ten ist jetzt auch in der Poli­tik ange­kom­men, wo Zusam­men­hän­ge und Beson­nen­heit ein­mal Tugen­den waren. Aber für die­se braucht man eben Zeit. In der Hast hat vie­les, was uns zum Men­schen macht, kei­nen Platz.

Gedenkveranstaltung am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek
Gedenk­ver­an­stal­tung am Wie­ner Aspang­bahn­hof, 2016 — Bild­quel­le: Chris­ti­an Volek

Bevor man ande­re depor­tie­ren kann, muss man etwas in sich selbst depor­tie­ren. Muss man gewis­se Din­ge erkal­ten las­sen, muss man sich pro­gram­mie­ren, etwas abtö­ten. Im Inter­net dres­sie­ren wir uns täg­lich gegen­sei­tig indem wir nur noch mit Gleich­ge­sinn­ten ver­keh­ren. So ent­ste­hen kei­ne Milieus, son­dern kon­di­tio­nier­te Robo­ter. Eine Simu­la­ti­on, wo jeder Impuls eine zeit­glei­che Ent­spre­chung hat. Die wir mit Rea­li­tät ver­wech­seln. Und plötz­lich fühlt sich in die­sem Gehen­las­sen und die­sem Raus­las­sen und in die­sem Rein­kot­zen die Ver­nunft wie ein Zöli­bat an. Wie ein Befehl zur Ent­sa­gung, als wür­den Bar­ba­rei und Grau­sam­keit im Gen­ge­he­ge des Men­schen schnau­fend auf und ab gehen und nur dar­auf war­ten, end­lich los­ge­las­sen zu wer­den. Liegt nicht die kol­lek­ti­ve Depres­si­on dar­in, dass ein Foto ein ech­tes Gesicht genau­so wenig erset­zen kann wie die Lüge die Wahr­heit? Wie die Simu­la­ti­on das ech­te Leben. Ist es nicht das Bekennt­nis zur Wahr­heit, das den Respekt zum ande­ren schafft? Ist die Lüge nicht die Igno­ranz des ande­ren? Den ande­ren als Men­schen erken­nen, auch wenn er ande­rer Mei­nung ist. Ja, selbst wenn er Täter ist. Selbst Hit­ler war ein Mensch bevor er Robo­ter wur­de. Das Erken­nen, all das steckt in uns. Jeder Gedan­ke kann sich in die Mas­sen­ver­nich­tung per­ver­tie­ren. Nicht nur der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche. Jeder. Wenn er beginnt, uns zu pro­gram­mie­ren und den ande­ren zu ent­mensch­li­chen. Was aber stets mit der Ent­mensch­li­chung von uns selbst beginnt.

Des­halb ist Nicht­ver­ges­sen kei­nes­falls gleich­zu­set­zen mit dem Fin­ger­deut auf die Schul­di­gen. Oder die heu­ti­gen Wie­der­gän­ger. Ganz nach Camus: Alles Mensch­li­che betrifft uns alle. Es gibt eben nur eine Welt im Ver­nich­tungs­la­ger. Nicht mit Ver­nich­tungs­la­gern. Wir sind jene, auf die wir als Schul­di­ge deu­ten, genau­so wie jene, die ver­gast wer­den. Wie wenig es braucht, um dazu fähig zu sein, das ist es, was wir aus unse­rer Geschich­te ler­nen müs­sen. Es geht nicht dar­um, den ande­ren zu beschul­di­gen. Es geht dar­um, ihn davon abzu­hal­ten. Es geht um Auf­klä­rung im bes­ten Sinn.

Gedenkveranstaltung am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek
Gedenk­ver­an­stal­tung am Wie­ner Aspang­bahn­hof, 2016 — Bild­quel­le: Chris­ti­an Volek

Den Men­schen in sei­ner Gesamt­heit zu erfas­sen unter­liegt kei­ner Zeit. Ist immer Gegen­wart. Die Gefahr, dass wir wie­der Robo­ter wer­den, war noch nie so groß wie jetzt. In Zei­ten von blond gefärb­ten Män­nern, die mit Super­hel­den­ver­spre­chen eine Super­rea­li­tät kre­ieren, wirkt die Welt wie ein Mar­vel Comic. Künst­lich und über­zeich­net. Es geht auch um Ästhe­tik. Um eine Ästhe­tik der Leben­dig­keit. Die wie­der Schmutz zulässt. Und im soge­nann­ten Makel wie­der Schön­heit erkennt. Die nicht auf Aus­lö­schung aus­ge­rich­tet ist, in dem sie alles gleich­macht und in Mono­to­nie verschüttet.

Wir soll­ten vor allem nicht ver­ges­sen, wer wir sind. Und weni­ger danach eifern, wer wir sein wol­len oder vor­ge­ben zu sein. Das führt genau zu jener Selbst­er­he­bung und Demü­ti­gungs­spi­ra­le, in der wir heu­te gefan­gen sind. Hier am Aspang­bahn­hof, wo man ein Mahn­mal braucht, weil es kei­ne Spu­ren des Schre­ckens mehr gibt, wur­den zehn­tau­sen­de Men­schen in Züge geprü­gelt, auch vie­le Kin­der, die sich an ihre Pup­pen klam­mer­ten, weil sie nicht ver­stan­den, wozu der Mensch fähig ist. Irgend­wann wird soviel Zeit ver­gan­gen sein, dass wir kei­ne emo­tio­na­len Spu­ren des Holo­causts mehr in uns tra­gen, ähn­lich wie sich nichts mehr regt, wenn wir an die 50 Mil­lio­nen Toten des Skla­ven­han­dels den­ken oder an ande­re his­to­ri­sche Geno­zi­de. Sol­che Aben­de sind dazu da, um uns dar­an zu erin­nern, dass wir all die­se Spu­ren immer in uns tra­gen, weil wir selbst die­se Spu­ren sind. Es sitzt in uns. In jedem. Immer. In die­sem Sin­ne: Weh­ret den Anfängen.”

Unabhängige Recherche ermöglichen...

Jetzt unterstützen »
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 
Keine Beiträge mehr verpassen: Email-Benachrichtigung aktivieren
abgelegt unter: Dokumentation
Schlagwörter: Antisemitismus | Antiziganismus | Nationalsozialismus | Wien

Beitragsnavigation

« Wels: Kundgebung gegen Rassismus mit Harald Krassnitzer
Identitäre mit Burschenschafter-Anwalt »

» Zur erweiterten Suche

Unabhängige Recherche unterstützen...

Spenden »

Wissen

  • Rechtsextremismus
  • Ist die FPÖ rechtsextrem?
  • Rechtsextreme Medien in Österreich
  • Faschismus
  • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Antisemitismus
  • Rassismus
  • Wiederbetätigung und Verbotsgesetz
  • NS-Symbole und Abzeichengesetz
  • Verhetzung

Handeln

  • Aktiv werden und handeln
  • Was kann wie wo gemeldet werden?
  • Gegen Sticker & Geschmiere
  • How to “Prozessreport”?

Hilfreich

  • Postings gerichtstauglich sichern
  • Wie verfasse ich eine Sachverhaltsdarstellung?
  • Newsletter
  • Open Data Archiv
  • Archiv aller Beiträge
  • Schlagwörter-Wolke
  • RSS-Feeds
E-Mail-Benachrichtigung bei neuen Beiträgen
  • Wochenrückblicke
    Beiträge
  • Gastbeiträge
    Beiträge
  • Materialien
    Beiträge
  • Rezensionen
    Beiträge
Um unsere Arbeit fortführen zu können, sind wir auf Ihre Spenden angewiesen – danke für Ihre Unterstützung!

Spenden

Kontakt

Vorfälle und Hinweise bitte über unser sicheres Kontaktformular oder per Mail an:
[email protected]

Wir garantieren selbstverständlich den Schutz unserer Informant*innen, der für uns immer oberste Priorität hat.

Spendenkonto

Um unsere Arbeit fortführen zu können, sind wir auf Ihre Spenden angewiesen – danke für Ihre Unterstützung!

Spenden

Socials

social media logo x social media logo facebook social media logo bluesky

Links

  • Rechtsextremismus
  • Ist die FPÖ rechtsextrem?
  • Rechtsextreme Medien in Österreich
  • Faschismus
  • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Antisemitismus
  • Rassismus
  • Wiederbetätigung und Verbotsgesetz
  • NS-Symbole und Abzeichengesetz
  • Verhetzung
  • Aktiv werden und handeln
  • Was kann wie wo gemeldet werden?
  • Gegen Sticker & Geschmiere
  • How to “Prozessreport”?
  • Postings gerichtstauglich sichern
  • Wie verfasse ich eine Sachverhaltsdarstellung?
  • Newsletter
  • Open Data Archiv
  • Archiv aller Beiträge
  • Schlagwörter-Wolke
  • RSS-Feeds
  • Über uns
  • Beirat und Unterstützer:innen
  • Datenschutz
  • Impressum
Spenden
Newsletter