Scharnitz (Tirol): „Wenig Fußball – viel Hass“

Schar­nitz ist eine kleine Gemeinde in Tirol am Fuße des Kar­wen­del­ge­birges. In Schar­nitz gibt es auch einen Fußbal­lk­lub, den SV Schar­nitz. Obmann des SV Schar­nitz ist Mar­tin Graf. Nein, nicht der frühere Dritte Präsi­dent des Nation­al­rats! Der SV Schar­nitz und sein Obmann haben seit dem Woch­enende jeden­falls ein Prob­lem, nach­dem es beim Match gegen den Vere­in Sans Papiers zu ras­sis­tis­chen Auss­chre­itun­gen gekom­men ist.

Was genau bei dem Match passiert ist und in welch­er Abfolge, das wer­den wohl strafrechtliche Ermit­tlun­gen bzw. ein Gericht klären müssen. Der Präsi­dent des Tirol­er Fußbal­lver­ban­des, Josef Geisler, selb­st ein Richter, will noch weit­ere Stel­lung­nah­men abwarten. Die vor­liegen­den Stel­lung­nah­men bzw. Medi­en­berichte haben bei ihm jeden­falls Ein­druck hin­ter­lassen: „Mir ist beim Früh­stück fast der Kaf­fee aus der Hand gefall­en, als ich diese Geschichte gele­sen habe“, erzählt er der Tirol­er Tageszeitung (TT).


Klar­er Kom­men­tar in der TT
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Nicht mehr als 20 ZuschauerIn­nen waren anwe­send bei dem Match des SV Schar­nitz gegen den FC Sans Papiers, das die Schar­nitzer mit 6:0 gewan­nen. Unter den Anwe­senden war allerd­ings auch eine Redak­teurin der TT und ein Redak­teur des Fußball­por­tals fanreport.com, der in seinem Bericht über das Spiel fest­stellte: “Wenig Fußball – viel Hass“.


Bericht TT
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Einige Schar­nitzer Spiel­er und Zuschauer „sorgten für eine der dunkel­sten Stun­den im Tirol­er Unter­haus-Fußball“, begin­nt der Bericht- und führt dann aus:

„Beina­he jed­er Pfiff des Unpartei­is­chen wurde von den knapp 20 Zuse­hern laut­stark kom­men­tiert und immer öfter schlichen sich auch gehäs­sige Bemerkun­gen gegen die Gäste ein. Von „Neger” bis „Kameltreiber” und weitaus schlim­meren Aus­drück­en war die Rede, ehe die Sit­u­a­tion in der 72. Spielminute erst­mals eskalierte“.

Im Bericht von fanreport.com wer­den dann sehr exakt und detail­liert auch die Namen jen­er Schar­nitzer Spiel­er genan­nt, die mit unfass­baren ras­sis­tis­chen Äußerun­gen und Aktio­nen aufge­fall­en sind. „Ihr Schmarotzer gehört alle angezün­det“ hieß es da etwa. Auch von „Ver­rätern“ unter den Ein­heimis­chen war da die Rede. Nach dem Spiel ging es weit­er mit Spuck­at­tack­en und Drohungen.


Fanreport.at auf Facebook
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Die Inns­bruck­er Gemein­derätin Angela Eberl (SPÖ) , Obfrau des FC Sans Papiers, hat jeden­falls eine Sachver­halts­darstel­lung angekündigt: „Wenn ein gewiss­er Spiel­er vom Anzün­den spricht und meinem Sohn gegenüber offen zugibt, dass er ein Ras­sist ist, dann sind wir mehr als nur einen Schritt zu weit!„ (Fanreport.com).

Der SV Schar­nitz musste nach den ersten Bericht­en in der TT und im Fan­re­port seine Face­book-Seite wegen eines beachtlichen Shit­storms vom Netz nehmen. Mit­tler­weile gibt es eine Erk­lärung der Schar­nitzer, in der sich der Vere­in ganz all­ge­mein von frem­den­feindlichen Aus­sagen dis­tanziert und auf die – tat­säch­lich beachtliche – Inte­gra­tionsar­beit der Gemeinde und von engagierten Bürg­erIn­nen ver­weist. 37 Flüchtlinge wer­den derzeit in Schar­nitz betreut – und bald sollen es noch mehr wer­den, schreibt der SV Schar­nitz. Höch­ste Zeit also, dass der SV Schar­nitz auch für klare Ver­hält­nisse sorgt!