Deutsche Burschenschaft: Schon wieder!

Die Deutsche Burschen­schaft (DB), der Dachver­band der Burschen­schafter, hat nach der vor­jähri­gen Debat­te um den „Ari­er­nach­weis“ eine neue recht­sex­treme Pro­voka­tion am Ver­band­stag Ende Mai in Eise­nach zu disku­tieren. Nor­bert Wei­d­ner, der für die Burschen­schaftlichen Blät­ter der DB ver­ant­wortlich ist, hat in einem Leser­brief die Hin­rich­tung von Diet­rich Bon­ho­ef­fer, einem christlichen Wider­stand­skämpfer, durch das NS-Regime gerechtfertigt.

Wei­d­ner hat­te mit einem Leser­brief auf einen Beitrag in der Mit­gliederzeitschrift der Bon­ner Burschen­schaft Alte Bres­lauer Burschen­schaft der Raczeks zu Bonn geant­wortet, in dem Diet­rich Bon­ho­ef­fer als Vor­bild für Burschen­schafter dargestellt wurde. Mehr hat­te es nicht gebraucht! Wei­d­ner, ein­er der ein­flussre­ich­sten Burschen­schafter der recht­sex­tremen Abteilung, beze­ich­nete in sein­er Antwort Bon­ho­ef­fer als „Lan­desver­räter“ und stellte zur stan­drechtlichen Ermor­dung von Bon­ho­ef­fer fest: „Rein juris­tisch halte ich die Verurteilung für gerechtfertigt.“

Die Bon­ner Burschen­schaft Raczeks, der Wei­d­ner ange­hört, war 2011 Wort­führerin jen­er Ten­denz in der DB, die einen schar­fen Ari­er­para­grafen einge­fordert hat­te. So wie alle öster­re­ichis­chen Burschen­schaften ist sie Mit­glied der recht­sex­tremen Burschen­schaftlichen Gemeinschaft.

Wei­d­ner selb­st hat eine ein­schlägige Kar­riere: Er war Mit­glied der später ver­bote­nen Wik­ing-Jugend (die auch Heinz-Chris­t­ian Stra­che ken­nt) und Funk­tionär der eben­falls ver­bote­nen mil­i­tant neon­azis­tis­chen Frei­heitlichen Deutschen Arbeit­er­partei (FAP). Nach dem Ver­bot der FAP 1995 begann Wei­d­ner seine Kar­riere bei der Burschen­schaft und trat der FDP bei.


Das Logo der ver­bote­nen neon­azis­tis­chen „Frei­heitlichen Deutschen Arbeit­er­partei” (FAP), bei der Nor­bert Wei­d­ner Funk­tionär war

Die FDP will Wei­d­ner jet­zt wegen sein­er Äußerun­gen auss­chließen. Inner­halb der DB hat Wei­d­ner auf­grund des großen Ein­flusses der Burschen­schaftlichen Gemein­schaft (BG) und damit der öster­re­ichis­chen Burschen­schafter nichts zu befürcht­en. Nicht recht­sex­treme Bünde haben sich zwar zur Ini­tia­tive Burschen­schaftliche Zukun­ft (IBZ) zusam­mengeschlossen und wollen Wei­d­ners Gage – er hat als Chefredak­teur das best­bezahlte Amt in der DB – kürzen, haben aber gegen den Block der Recht­sex­tremen von der BG kaum eine Chance.

Die BG agiert im Unter­schied zur IBZ sehr offen­siv und will beim Ver­band­stag den Antrag ein­brin­gen, die Pflicht­men­sur wieder einzuführen. Damit wäre der his­torische Kom­pro­miss von 1971, mit dem die Auf­nahme der öster­re­ichis­chen Burschen­schafter-Bünde in die DB mit dem Verzicht auf die Pflicht­men­sur abge­tauscht wurde, obso­let. Für die deutschen Burschen­schaften aus Öster­re­ich würde sich dadurch nichts ändern: Sie sind im Unter­schied zu etlichen deutschen Bün­den stramm pflichtschlagend.

spiegel.de — Burschen­schafter het­zt gegen Nazi-Widerstandskämpfer
taz.de — Auch unter Kon­ser­v­a­tiv­en zu viel