Florenz: Ein mörderischer Neofaschist

Es waren regel­rechte Exeku­tio­nen, berichteten Augen­zeu­gen. Gian­lu­ca Casseri (50) steigt am Dien­stag, 13.12. in Flo­renz aus einem Auto am Dal­mazia –Platz , zieht seine Pis­tole und gibt damit drei Schüsse auf sene­gale­sis­che Straßen­händler ab. Zwei sein­er Opfer sind sofort tot, der dritte ringt noch mit dem Tod. Casseri kann flücht­en, um zwei Stun­den später auf einem anderen Platz zwei weit­ere Sene­gale­sen schw­er zu verletzen.

Die Polizei erken­nt den Täter, als er ver­sucht, sich in sein Auto zu flücht­en. Ein Polizist schießt auf das Auto, worauf sich Gian­lu­ca Casseri offen­sichtlich selb­st mit einem Schuss in die Kehle tötet.

Wieder ein Mörder, der als Einzeltäter agiert? Der neo­faschis­tis­che Hin­ter­grund des Täters wird schnell klar. Wenige Stun­den nach der Tat iden­ti­fiziert ihn die Tageszeitung „Il Fat­to Quo­tid­i­ano“ als einen mil­i­tan­ten Neo­faschis­ten, der auch der Polizei bekan­nt ist.

Casseri, der sich als Schrift­steller ver­suchte, hat nicht nur das Buch „Le Chi­avi del Caos“ ver­fasst, son­dern auch Auf­sätze veröf­fentlicht, in denen er gegen die „jüdis­che Weltver­schwörung” gewet­tert und den Holo­caust geleugnet hat. Von der neo­faschis­tis­chen Gruppe „Cas­a­Pound Italia“ wurde er als ihr Sym­pa­thisant beze­ich­net. Aktivist sei er nicht gewe­sen, teilte die Gruppe mit, deren Name von dem US-Schrift­steller Ezra Pound abgeleit­et ist, der offen mit Mus­soli­n­is faschis­tis­chem Regime sym­pa­thisiert hat.

„Cas­a­Pound Italia“ dis­tanzierte sich von dem Atten­täter und beze­ich­nete sich als „rev­o­lu­tionär, aber friedlich“ , keineswegs ras­sis­tisch! Ihre Hauptbeschäf­ti­gung seien Wohn­pro­jek­te für Fam­i­lien – natür­lich ital­ienis­che! Was von solchen Vernebelungsak­tio­nen zu hal­ten ist, macht dieser aus­führliche Bericht der Antifa Mer­an deutlich.

„Cas­a­Pound Italia“ gehört zu den neukostümierten faschis­tis­chen Grup­pen, die im Ital­ien Berlus­co­nis nicht nur wucherten, son­dern auch gepflegt wur­den. Der offene Ras­sis­mus, der in der Regierungskoali­tion Berlus­co­nis vor allem von der Lega Nord propagiert wurde, wurde von „Cas­a­Pound Italia“ kul­turell behüb­scht und mit der „sozialen“ Dimen­sion des Faschis­mus angere­ichert. Das gefiel auch den vorge­blich „Neurecht­en“ von der deutschen Zeitschrift „Blaue Narzisse“, deren Chefredak­teur 2010 dem „Wohn­pro­jekt“ von „Casa Pound“ einen Besuch abstat­tete und davon sprach, dass hier „neue Maßstäbe zu ein­er recht­en Ikono­gra­phie“ geset­zt würden.

Mit den Mor­den von Flo­renz sind diese Maßstäbe sicht­bar geworden!

Tipp: Arte-Doku zu „Cas­a­Pound Italia“