Das blaue Weihwasser

Bar­ba­ra Kap­pel, die frü­he­re Büro­lei­te­rin von Tho­mas Prinz­horn, steht schon auf der Short­list von Heinz-Chris­ti­an Stra­che. Sie soll die Wirt­schafts­kom­pe­tenz der Par­tei reprä­sen­tie­ren. Der­zeit übt sie für den Regie­rungs­sitz im Wie­ner Gemein­de­rat und in einem schil­lern­den Bereich der Pri­vat­wirt­schaft. Wie die renom­mier­te „Zeit“ im Öster­reich-Teil ihrer jüngs­ten Aus­ga­be (Nr. 44 vom 27.10.2011; Pay­wall) berich­tet, warb „die Mut­ter des Wun­der­was­sers“ mit „frag­wür­di­gen Metho­den für ein eso­te­ri­sches Mit­tel­chen“.

Dabei ist die Geschäfts­idee so glas­klar wie Was­ser! Der Mensch besteht zu mehr als 75 % aus Was­ser. Klar, dass da jeder will, dass nur das bes­te Was­ser, am bes­ten ein Wun­der­was­ser, im eige­nen Kör­per zir­ku­liert. Das ist aber nur ein Teil der Geschich­te. Wie bringt man Men­schen dazu, ein sünd­teu­res Was­ser zu kau­fen? Das ist der span­nen­de­re Teil! Und auch nicht ganz unwich­tig: Wer sackt die Koh­le für das Wun­der­was­ser ein?


(Fak­si­mi­le) Die Lei­ter von Aquabionica-Österreich

Bar­ba­ra Kap­pel, das blaue Wirt­schafts­wun­der, hat da offen­sicht­lich eini­ges bei­getra­gen. Wie die „Zeit“ schreibt, war sie bei dem Wun­der­was­ser „Aquabio­ni­ca“ nur in der Grün­dungs- und Pro­dukt­ein­füh­rungs­pha­se 2009/2010 Vize­prä­si­den­tin des Bei­rats zur Stra­te­gie- und Pro­dukt­ent­wick­lung – eine ehren­amt­li­che, unbe­zahl­te und nicht ope­ra­ti­ve Tätig­keit. Mitt­ler­wei­le ist sie angeb­lich nur mehr beim Kas­sie­ren aktiv. „Aquabio­ni­ca“ wird, so Kap­pel, über die Struk­tur­ver­triebs­me­tho­de (Mul­ti­le­vel­mar­ke­ting) ver­kauft. Bei die­ser Metho­de ver­die­nen jene am meis­ten, die in der Struk­tur ganz oben ange­sie­delt sind.

Bar­ba­ra Kap­pel ist ganz oben dabei. Ihre Fir­ma Aus­tri­an Tech­no­lo­gies GmbH besitzt fünf Pro­zent der Hol­ding­ge­sell­schaft, die über Toch­ter­ge­sell­schaf­ten Produkt‑, Mar­ken- und Ver­triebs­rech­te von „Aquabio­ni­ca“ hält. Wie die „Zeit“ berich­tet, hat die Hol­ding den klang­vol­len und bedeu­tungs­schwe­ren Namen „Win World­wi­de Inter­na­tio­nal Ltd.“. Eine Brief­kas­ten­fir­ma, die in der Stadt Lima­ssol auf Zypern resi­diert. Zypern? Lima­ssol? Da fal­len uns doch auch ande­re klang­vol­le Namen wie KHG, Hoch­eg­ger und Meisch­ber­ger ein.

Kap­pel ver­such­te gegen­über der „Zeit“, ihre akti­ve Rol­le bei „Aquabio­ni­ca“ her­un­ter­zu­spie­len. Doch die „Zeit“ hat recher­chiert und her­aus­ge­fun­den, dass Kap­pel noch im ver­gan­ge­nen August in einer Inter­net­vi­deo­kon­fe­renz sehr prä­sent war.

Mit Kap­pel sind aber auch noch ande­re prä­sent. Jew­ge­nij Mer­kel, der auch ein Vize­prä­si­dent war oder noch ist, stammt zwar aus Mos­kau, nennt sich aber in Wien lie­ber Eugen Mer­kel und ist – laut „Zeit“ ein Mit­ar­bei­ter von Kap­pels Gat­ten Joa­chim. Und der wie­der­um hat als Geschäfts­füh­rer von Egon Zehn­der Öster­reich unter Schwarz­blau vie­le schwarz­blaue Per­so­nal­be­stel­lun­gen durch­ge­zo­gen und ist jetzt selb­stän­di­ger Unter­neh­mens­be­ra­ter. Mit zehn Pro­zent ist Joa­chim Kap­pel an Möl­zers „Zur Zeit“ betei­ligt. Da ist ver­mut­lich Bar­ba­ra mit ihren fünf Pro­zent bei Win World­wi­de bes­ser dran.

Die „Zeit“ hat aber auch noch wei­te­re Blaue gefun­den, die im Umkreis von Aquabio­ni­ca umtrie­big waren. Johan­nes Hüb­ner, der außen­po­li­ti­sche Spre­cher und Abge­ord­ne­te zum Natio­nal­rat, ver­trat als Rechts­an­walt eine AquaBio­ni­ca Cor­po­ra­ti­on GmbH und Harald Ste­fan, Alter Herr der „Olym­pia“ und eben­falls Abge­ord­ne­ter, war als Notar für die­se Fir­ma tätig.

Das Wun­der­was­ser nährt also immer­hin ein paar Frei­heit­li­che. Ob sie es selbst trin­ken, darf bezwei­felt wer­den. Auch ob es wirkt. Denn eines der Ver­spre­chen von „Aquabio­ni­ca“ ist: „Wir hel­fen den Men­schen Ste­reo­ty­pen los­zu­wer­den und selb­stän­dig zu denken.“

Und wie wirkt „Aquabio­ni­ca“? Auch dafür hat „Aquabio­ni­ca“ einen pas­sen­den Ver­gleich: „Erin­nern Sie sich an die wun­der­tä­ti­ge Kraft des hei­li­gen Was­sers: wenn geweih­tes Was­ser mit gewöhn­li­chem Was­ser ver­mischt wird, so wird das gesam­te Was­ser zu hei­li­gem Was­ser. Dies geschieht ins­be­son­ders durch die ein­zig­ar­ti­ge Fähig­keit des Was­sers, sich zu strukturieren.“

Und wenn das struk­tu­rier­te Was­ser auch noch über Struk­tur­ver­trie­be ver­trie­ben wird, dann ist das blaue Wun­der perfekt!

Sie­he auch: derstandard.at „FP-Kap­pel wirbt in Ost­eu­ro­pa für bio­ni­sches Wasser”