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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Köln: Von den Worten zu den Taten

Am 17. Okto­ber wur­de die par­tei­lo­se Kan­di­da­tin für das Amt der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter­schaft, die Sozi­al­de­zer­nen­tin Hen­ri­et­te Reker, von dem Rechts­extre­mis­ten Frank S. (44) mit einem Mes­ser ange­grif­fen und schwer ver­letzt. In den meis­ten Stel­lung­nah­men nach der Tat wird mitt­ler­wei­le von einem frem­den­feind­li­chen Motiv des Täters gespro­chen. Töten woll­te der frü­he­re Neo­na­zi aber eine deut­sche Politikerin.

19. Okt. 2015

Es war eine Wahl­kund­ge­bung auf einem Wochen­markt in Köln Brauns­feld, bei der der Täter Hen­ri­et­te Reker, die gera­de Rosen ver­teil­te, um eine der Blu­men bat. Als sie ihm die geben woll­te, stach er mit einem Jagd­mes­ser zu. Im anschlie­ßen­den Hand­ge­men­ge ver­letz­te er wei­te­re Per­so­nen, die zu Hil­fe eilen woll­ten, teil­wei­se schwer und erklär­te dabei, er müs­se die Gesell­schaft vor sol­chen Leu­ten retten.

In den ers­ten Stel­lung­nah­men der Poli­zei wur­den den­noch die übli­chen Null- bzw. Falsch­in­for­ma­tio­nen ver­bla­sen: „Der­zeit haben wir kei­ne Erkennt­nis­se, ob er in einer Par­tei oder Orga­ni­sa­ti­on aktiv ist. Auch kei­ne poli­zei­li­chen Erkennt­nis­se in die­se Rich­tung.“ (bild.de, 17.10.15)

Die Anti­fa half den Ermitt­lern und iden­ti­fl­zier­te den Ver­haf­te­ten als den Neo­na­zi Frank S., der in den 1990er-Jah­ren einer der bekann­tes­ten Akti­vis­ten der neo­na­zis­ti­schen FAP (Frei­heit­li­che Deut­sche Arbei­ter­par­tei) war. Der Wiki­pe­dia-Ein­trag zur FAP ist auf­schluss­reich: Nicht nur Nor­bert Weid­ner, der in spä­te­ren Jah­ren Chef­re­dak­teur bei den deut­schen Bur­schis war, son­dern auch Die­ter Rief­ling, der wegen Volks­ver­het­zung gera­de wie­der ein­mal in Haft und mit etli­chen rechts­extre­men bzw. neo­na­zis­ti­schen Öster­rei­chern, dar­un­ter auch Frei­heit­li­chen, befreun­det ist, zähl­ten zu den Kadern der FAP.

Noch mehr Öster­reich? Karl Polacek, ein emi­grier­ter öster­rei­chi­scher Neo­na­zi und Lan­des­vor­sit­zen­der der FAP Nie­der­sach­sen, wird 1992 nach Öster­reich abge­scho­ben, gibt hier den „Brau­nau­er Aus­guck“ her­aus, flieht nach einem Wie­der­be­tä­ti­gungs­pro­zess und Ver­ur­tei­lung nach Grie­chen­land, taucht 2009 kurz­fris­tig als Unter­stüt­zer von Andre­as Möl­zer auf und stirbt 2014.


Bild­quel­le: ephemerajpp.com

Im Win­ter 1997, also zwei Jah­re nach dem Ver­bot der FAP, schrieb die „Anti­fa­schis­ti­sche NRW-Zei­tung“ über Frank S., dass der „als extrem gewalt­tä­tig bekann­te ehe­ma­li­ge Akti­vist der FAP“ etli­che Vor­stra­fen wegen Rau­bes und Kör­per­ver­let­zung ange­sam­melt habe und hin­ter Git­tern sei. Jetzt ist Frank S. also erneut als Gewalt­tä­ter aktiv gewor­den. „Ich tue es für eure Kin­der“, soll der Atten­tä­ter geru­fen haben, bevor er zustach. Nach sei­ner Fest­nah­me hat der Täter, der offen­sicht­lich schon län­ge­re Zeit allein lebt und arbeits­los ist, den Poli­zis­ten sei­ne Befürch­tung mit­ge­teilt, „dass bald die Scha­ria in Deutsch­land gel­ten wer­de“ (spiegel.de, 17.10.15). Bei den ers­ten Ver­neh­mun­gen wur­de Frank S. dann noch deut­li­cher: „Die Aus­län­der neh­men uns die Arbeits­plät­ze weg.“ (spiegel.de) Reker, die für die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Köln zustän­dig war, hat er anschei­nend für die ver­fehl­te Ein­wan­de­rungs­po­li­tik ver­ant­wort­lich gemacht.


Bild­quel­le: ephemerajpp.com

Nicht nur sei­ne bis­lang kol­por­tier­ten Ein­las­sun­gen zur Tat, auch sei­ne per­sön­li­che Bio­gra­phie und auch das Fak­tum, dass sich sein Angriff gegen eine Poli­ti­ke­rin rich­te­te, machen klar, dass S. nicht nur ein Frem­den­feind, son­dern ein Rechts­extre­mer ist. In den Ver­neh­mun­gen hat er selbst sei­ne Neo­na­zi-Ver­gan­gen­heit zuge­ge­ben. Auch die Poli­zei weiß mitt­ler­wei­le mehr: Dem­nach fiel Frank S. zuletzt mit aus­län­der­feind­li­chen Kom­men­ta­ren im Inter­net auf. Einer von ganz vie­len, die im Inter­net het­zen, ist zur Tat geschritten.

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Schlagwörter: Körperverletzung | Neonazismus/Neofaschismus | Weite Welt

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