„Ich komme“ – bis Beauvais
Noch nach Bekanntwerden der Verbote kündigte Sellner an, trotzdem nach Paris zu reisen: „Mir ist das egal. Ich komme“, schrieb er noch großspurig auf X. Weit kam er nicht. Am Donnerstag wurde ihm am Flughafen Beauvais die Einreise verweigert. Sellner erklärte anschließend, er werde am Freitag abgeschoben. Frankreich hatte bereits eine administrative Einreisesperre gegen ihn vorbereitet.

Eigentlich sollte Sellners Wochenende am Freitag mit einer Buchpräsentation in Paris beginnen. Am Samstag war der internationale Kongress „Remigration – Ouvrons le débat!“ mit 800 Teilnehmenden vorgesehen, am Sonntag eine Demonstration von „Objectif Remigration“ („Ziel Remigration“). Die französischen Behörden untersagten beide Veranstaltungen.
Die Ironie liefert Sellners politische Forderung selbst: Sein „Remigrations“-Konzept umfasst auch Menschen mit legalem Aufenthalt und Eingebürgerte, die er als unzureichend assimiliert definiert. Nun scheiterte Sellner an einer staatlichen Entscheidung, die ihm die Einreise verweigert.
Behörden sehen Angriff auf Menschenwürde
Der Kongress sollte in der Maison des Arts im Pariser Vorort Le Plessis-Robinson stattfinden. Die Präfekturen begründeten die Verbote unter anderem mit möglichen Störungen der öffentlichen Ordnung nach dem rassistischen Anschlag von Trappes. Der Präfekt verwies zudem auf die „xenophobe und rassistische Ideologie“ der Veranstaltung und erklärte, das propagierte Remigrationskonzept verletze durch seinen Gegenstand selbst schwer die Menschenwürde. Der Veranstalter Polémia kündigte Rechtsmittel gegen das Verbot an.
Von der AfD über Dewinter bis Zemmour und eine erzwungene Absage
Die Rednerliste reichte tief in die extreme Rechte. Angekündigt waren unter anderem der „Großer Austausch“-Ideologe Renaud Camus, Sellners enge Verbündete Eva Vlaardingerbroek, Filip Dewinter vom Vlaams Belang sowie die AfD-Politiker:innen Lena Kotré, Kay Gottschalk und Torben Braga. Auch der Szene-Althistoriker David Engels sollte auftreten. Der französische Rechtsaußen-Politiker Éric Zemmour war für eine Videobotschaft vorgesehen.
Balázs Orbán aus dem Fidesz-Umfeld war zunächst ebenfalls angekündigt. Kurz vor dem Treffen änderte sich das. „Le Monde“ (29.10.26) berichtet, die Führung des Rassemblement National habe angewiesen, Abstand von der Veranstaltung zu halten. Das habe bis zur Absage der ursprünglich erwarteten Fidesz-Vertreter geführt.
Deportationskonferenzen als Kommerzspektakel
Aus den internationalen „Remigration Summits“ ist inzwischen auch ein wiederkehrendes Geschäftsmodell geworden. Beim Treffen 2026 in Portugal kosteten Tickets 45 Euro, VIP-Karten 250 Euro und Premium-Pakete inklusive Hotel 325 Euro. Parallel sammelten die Organisatoren Spenden. Paris setzte dieses Modell fort. Tickets für Studierende kosteten 15 Euro, VIP-Pässe mindestens 500 Euro. Die kommunale Halle war für 4.500 Euro gemietet worden.
Noch deutlich höher griff der parallel von Jean-Yves Le Gallou (Betreiber von „Polémia) eingerichtete GiveSendGo-Fundraiser. Für 500 Euro wurden VIP-Platz, Buffet und Abendessen angeboten. 2.500 Euro brachten zwei Plätze sowie private Mahlzeiten mit den Vortragenden. Ab 5.000 Euro versprach die Kampagne bis zu sechs Plätze in der ersten Reihe, Essen am Speaker-Tisch und ein privates Treffen mit einem Vortragenden. Großspendern wurde auf Wunsch „strict anonymity“ zugesichert. Der Fundraiser dokumentiert auch Sellners organisatorische Rolle: „ReSum and Martin Sellner are partnering with Polémia and France Remigration.“ Übersetzt: Sellner sollte wohl mitkassieren.
Auch beim Ticketverkauf gab es bereits Ärger. Ursprünglich lief die Buchung über die Ticketplattform Weezevent. Nach Fragen des französischen „Observatoire des multinationales“ entfernte die Plattform die Veranstaltung. Polémia verlagerte den Verkauf anschließend auf die eigene Seite.
„Verzupf di“ auf Französisch
Sellners Pariser Wochenende sollte der nächste Schritt einer zunehmend kommerzialisierten internationalen Deportationsfanatikerszene werden: Kongresse, Ticketpakete, Spendensysteme, VIP-Dinner und Vernetzung. Frankreich setzte vorerst eine Grenze. Ausgerechnet Sellner, der Europa mit Massenabschiebungen verändern will, durfte sie diesmal selbst nicht überschreiten. Es war die französische Antwort, die in Wien als „Verzupf di“ bekannt wurde.
Der Rechtsextremist und Deportationsfanatiker Martin Sellner wollte am Samstag an einem „Remigrations“-Meeting zusammen mit zahlreichen weiteren Rechtsextremen und am Sonntag an einer rechten Demo in Paris teilnehmen. Wird wohl nichts daraus: Er wird abgeschoben.
— Stoppt die Rechten (@stopptdierechten.at) 29. Oktober 2026 um 19:07
(Quellen: eigene Recherchen, lemonde.fr, 29.10.26, politis.fr, 29.10.26, multinationales.org, 13.10.26)
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