„Patronaut“ ist ein kommerzielles Online-Verzeichnis für das deutschsprachige rechte bis rechtsextreme Milieu. Die Plattform bündelt Profile von Parteien, Politiker:innen, Medien, Verlagen, Korporationen und Organisationen mit Veranstaltungen und „Neuigkeiten“ und versteht sich selbst als „Anlaufstelle für Patrioten“.
Der Betreiber geht auf Weltreise
Der Betreiber, Patrick Lenart, war ab ihrer Gründung bei der Identitären Bewegung Österreich – jahrelang als ihr „Co-Leiter“. 2018 verabschiedete sich der „Co-Leiter“ ziemlich abrupt von der IBÖ und entschwand mit Freundin auf eine Weltreise, die schließlich eineinhalb Jahre dauerte. Der Weltreise vorausgegangen war der Strafprozess gegen 17 Mitglieder der IBÖ in Graz. Lenart war neben dem eigentlichen IBÖ-Chef Martin Sellner einer der Angeklagten. Im Juli 2018 erfolgte der Freispruch vom Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung „in dubio pro reo“, also im Zweifel für die Angeklagten.
Zur gleichen Zeit führten die Finanzbehörden auch Ermittlungen gegen die IBÖ wegen des Verdachts der Abgabenhinterziehung, die auch das von Lenart gegründete Label „Phalanx Europa“ und das Unternehmen dahinter, die PHXE Creatives OG, betrafen. Zunächst war von einer Summe von rund 100.000 Euro hinterzogenen Abgaben die Rede.Die Vorwürfe führten letztlich zu keiner Anklage. Jahre später bekannt gewordene Chats warfen allerdings erhebliche Fragen zur Führung des Finanzverfahrens auf: Sellner berichtete intern von einem Bier mit einem Prüfer, der den Identitären Ratschläge gegeben habe, der damalige FPÖ-Politiker Heinrich Sickl kündigte zudem Kontakte zu einem „hohen Beamten der Finanz“ an.
Lenart wiederum verflüchtigte sich Anfang Oktober 2018 mit Freundin auf seine Weltreise und wurde am Flughafen von Martin Sellner verabschiedet. Eigenartig war aber, dass er ab Oktober 2018 auch mit der Leitung des AK Nautilus, einem Medien- und Rechercheprojekt der Identitären, das schnell wieder verschwand, beauftragt worden war. Das passt nicht zu Lenarts Erzählung, wonach er sich 2018, mit 30 Jahren, bewusst von der IBÖ zurückgezogen hätte.
Acht Jahre Vorbereitungsphase?!
Womit wir beim Projekt „Patronaut“ wären. Eines der Projekte, das der von Lenart aus der Ferne geleitete AK Nautilus anleiern sollte, war „Patronaut“. Im Dezember 2018 jubelte Lenart, dass seine „sehr feine Arbeitsumgebung“ unter Palmen, am weißen Strand und mit glasklarem, türkisen Wasser „perfekt“ sei, um den ersten Prototypen für „Patronaut“ zu programmieren.

Obwohl oder eher vermutlich, weil Lenart via Instagram immer wieder schöne Fotos von den Stationen seiner Weltreise in Asien postete, sanken die Sympathien für den Ex-Co-Leiter unter den identitären Kameraden. „Am besten du bleibst gleich dort“ war eine der wenig freundlichen Antworten. Während der große Co-Vorsitzende Martin Sellner seine identitären Schäfchen aufrief, Beruf und Familie aufzugeben, um sich voll der Verteidigung Europas zu widmen, chillte Lenart mit Freundin an schönen Destinationen. 2019 postete Lenart mehrmals aus Asien zu seinem Projekt „Patronaut“ und steigerte die Vorstellung von seinem Arbeitsethos beträchtlich. Von „früh bis spät“ arbeite er an „Patronaut“, behauptete er. Überprüfen konnte das natürlich niemand.

Die nächste Meldung zu „Patronaut“ kam erst im November 2021 und kündete das Finish der Vorbereitungsphase an: „Nun ist es soweit, dass ich es in der Qualität umsetzen kann, die ich mir dafür wünsche.“ Das geschah dann doch nicht.

Unklare Finanzierung, FPÖ mit Inseraten dabei
Erst nach fast fünf weiteren Jahren war es im Sommer 2026 so weit. „Patronaut“ startete aber nicht als Projekt des AK Nautilus der Identitären, sondern als von Patrick Lenart betriebene Plattform. Das lässt natürlich die Frage offen, wie das Projekt über die langen acht Jahre seit dem Start finanziert wurde. Über die Identitären? Über das Unternehmen PHXE Creatives OG, das Ende 2019 liquidiert wurde, dessen Marke „Phalanx Europa“ aber nach Deutschland an das Unternehmen „Kohorte UG“ verkauft wurde?
„Patronaut“ verrät zu diesem Teil seiner Geschichte so gut wie nichts. Auch die aktuelle Finanzierung bleibt weitgehend intransparent. Als einziger ausgewiesener Sponsor fungiert ausgerechnet die rechtsextreme Partei „Europa der Souveränen Nationen“ (ESN), die als „Diamant“-Sponsor pro Monat 500 Euro beiträgt.

Der FPÖ-Parlamentsklub tritt nicht als Sponsor in Erscheinung, sondern zahlt für eine Werbeeinschaltung für das Internet-Radio „Austria First“ 9.600 Euro im Zeitraum 1.9. bis 31.12.26. Das ist möglicherweise nicht alles. Die selbstauferlegte Transparenz hat nämlich sehr enge Grenzen: Man kann, muss aber nicht deklarieren, ob und wie hoch man sponsert oder ein Organisationsabo abschließt. Ob die FPÖ, die AfD oder andere, auf „Patronaut“ gelistete Parteien und Organisationen etwas zur Finanzierung beitragen, bleibt im Unklaren.

Auf der politischen Skala deckt „Patronaut“ mit den Einträgen zu Parteien, Organisationen und Veranstaltungen einen Bereich zwischen rechtslibertär und rechtsextrem ab. Explizit neonazistische Organisationen haben wir nicht entdeckt, wobei bei einzelnen der zahlreichen aufgezählten Organisationen, vor allem Korporationen, der Anteil der Brauntöne schon sehr hoch ist.
Was liefert „Patronaut“ eigentlich?
„Patronaut“ ist vermutlich eine Wortschöpfung aus den altgriechischen Wörtern patris (Vaterland) und nautes (Seemann, Seefahrer), soll also wohl „Vaterlandsfahrer“ heißen. Die Plattform erhebt den Anspruch, als Anlaufstelle für „Patrioten“, gemeint sind Rechtsextreme unterschiedlicher Schattierungen, zu fungieren. Insgesamt 1.237 Einträge waren bis zum 7.9.26 angelegt, davon allein 474 zu Korporationen, darunter auch doppelt erwähnte oder solche, zu denen nicht einmal eine Adresse, geschweige denn eine Internet-Adresse vorliegt.
Ein Eintrag zur „Jungen Alternative“, der früheren Jugendorganisation der AfD, verweist darauf, dass die Organisation 2025 aufgelöst wurde. Dass ihr Rechtsextremismus der Grund dafür war, wird nicht einmal gestreift. Dafür ist der Hinweis auf einen Infostand am 13.8.26 zu lesen – zu diesem Zeitpunkt gab’s die „Junge Alternative“ aber schon lange nicht mehr. Seltsam sind jene gar nicht so seltenen Einträge, die verblichene Organisationen vorstellen und auf tote Links verweisen.
Die FPÖ ist zwar eine lebende Partei, wird auch mit zahlreichen Einträgen zu ihren Landesverbänden und Teilorganisationen vorgestellt, der „Patronaut“ liefert aber unter der Rubrik „Neuigkeiten“ (der FPÖ) nur Meldungen bis zum 15.6.26.
Für Feinspitze ist der Eintrag zu „Die Österreicher“, der dahinsiechenden Parteiorganisation der Identitären. Der ist über die direkte Suche nicht abrufbar. Gibt man in die Suche die „Identitäre Bewegung Österreich“ ein, dann wird auch der Eintrag „Die Österreicher“ sichtbar als NGO – mit dem Vermerk „beendet“. Ein Link zu deren nach wie vor bespieltem Telegram-Kanal fehlt. Stattdessen findet sich der vernichtende Kommentar:
„Die Österreicher“ ist ein 2021 entstandener Versuch der Identitären Bewegung Österreich, sich unter neuem Label als breitere Bürgerbewegung zu reformieren. Personell und ideologisch zeigt das Projekt kaum Unterschiede zur IBÖ; es ist weitgehend in Bedeutungslosigkeit verfallen.
Noch eine Feinheit des „Vaterlandsfahrers“: Natürlich gibt es auch einen Eintrag zu „Phalanx Europa“. Das war das Label der von Lenart und Sellner betriebenen Firma PHXE Creatives OG, die Ende 2019 in Österreich liquidiert und deren Label an deutsche Identitäre verkauft wurde. Deren Firma „Kohorte UG“ wurde laut Firmenauskunft mit 2.1.26 aufgelöst. Das hat sich bis zu den Website-Betreibern von „Phalanx Europa“ noch nicht herumgesprochen – dort träumt man noch immer von „Wartungsarbeiten“. Der „Patronaut“ und mit ihm sein Betreiber Patrick Lenart träumen mit. Von einer liquidierten Firma ist bei Lenart keine Rede.
Fazit: Der „Patronaut“ welkt dahin, kaum, dass er zu sprießen begonnen hat.

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