Die Geschichte, die Wilfried S. am 22. Dezember des Vorjahres am Grazer Landesgericht den Geschworenen dazu erzählt, ist nur schwer mit seinem Kommentar in Beziehung zu bringen. Er habe diese unsägliche Aussage zum Video der „Zeit im Bild“ nur deshalb gepostet, weil er sich zuvor sehr geärgert habe, erklärt er.
Dann erzählt er seine Geschichte. Auf seinen beruflich veranlassten Reisen habe er in Kamerun vor fünf Jahren seine heute 23-jährige Frau kennengelernt und wollte sie nach Österreich bringen. Die Einreiseanträge wurden aber abgelehnt. Daraufhin ist der Steirer wieder nach Kamerun, hat dort 2024 seine Frau geheiratet. Weil Österreich in Kamerun keine Botschaft unterhält, hätte seine Frau nach Nigeria reisen müssen, um in Lagos bei der Botschaft eine Familienzusammenführung zu beantragen. Das sei ihr aber unmöglich gewesen – zu gefährlich. S. hat weiter vergeblich versucht, seine Frau nach Österreich zu bringen. Niemand habe ihm dabei geholfen, während geflüchteten Syrern genau erklärt worden sei, wie sie ihre Familie nachholen können.
Es folgt der verzweifelte Hinweis, dass er Österreicher sei, seine ganze Familie Österreicher, er zahle seine Steuern, er habe auch erklärt, die Kosten für seine Frau zu übernehmen. Nachdem er wieder einmal eine Ablehnung erhalten habe, habe er den angeklagten Kommentar, diesen „depperten Post“ (sein Verteidiger) abgesetzt. Aus Frust, wie er der vorsitzenden Richterin erklärt.
Man würde sich wünschen, dass ihm irgendjemand erklärt, dass er seine Situation in erster Linie Parteien wie der FPÖ auch der ÖVP zu verdanken hat. Die Frage, die das Gericht mehrfach stellte: Was haben jüdische Demonstrierende mit seiner familiären Situation zu tun? Vielleicht will Wilfried S. aber gar nicht wissen, dass Walter Rosenkranz von der FPÖ, gegen den da demonstriert wurde, indirekt mehr für sein Eheunglück verantwortlich ist? Vielleicht ist Wilfried S. Rosenkranz politisch so nahe, dass ihm die Solidarisierung mit dem vermeintlich Bedrängten viel wichtiger ist und viel näher geht als die Vernichtung der Juden durch die Shoah, die ihm ja allem Anschein nach zu wenig weit gegangen ist?
Seine Befragung zum Nationalsozialismus und zum Holocaust ergibt jedenfalls nur die lapidare Antwort, dass das alles grausam gewesen sei, er sich aber außerhalb der Schule nicht mehr damit befasst habe. Wie kommt man dann aber zu einem derartig abstoßenden zynischen Kommentar? Wilfried S. hat keine Erklärung dafür, vermutet nur einen Kurzschluss und setzt darauf, alleine schon der Umstand, dass seine Frau aus Kamerun komme, würde seine menschenfreundliche Grundhaltung belegen.
Die Geschworenen sind sich uneins in der Beurteilung seiner Schuld, vier dafür, vier dagegen. Das ergibt einen Freispruch im Zweifel. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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