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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Presseaussendung Mauthausen Komitee Österreich: Schon wieder ein Justizskandal

Schon wie­der ein Jus­tiz­skan­dal in Wels: Rechts­extre­mer Het­zer bekam nach 18 Minu­ten Diversion.

9. Juli 2026
Landesgericht und Staatsanwaltschaft Wels (© SdR)
Landesgericht und Staatsanwaltschaft Wels (© SdR)

In ganz Öster­reich geht die Jus­tiz viel zu lax gegen rechts­extre­me Straf­ta­ten vor. Sonst wäre es nicht mög­lich, dass im Vor­jahr fast 2.000 sol­cher Straf­ta­ten nur 197 Ver­ur­tei­lun­gen gegen­über­stan­den. In Wels häu­fen sich aller­dings haar­sträu­ben­de Fehl­ent­schei­dun­gen von Staats­an­walt­schaft und Landesgericht.

Im Juli 2025 stell­te die Staats­an­walt­schaft das Ver­fah­ren gegen einen Magis­trats­mit­ar­bei­ter ein, der auf einer Betriebs­fei­er als Adolf Hit­ler auf­ge­tre­ten war und auf einer ande­ren den neo­na­zis­ti­schen Küh­nen-Gruß gezeigt hat­te. Hane­bü­che­ne Begrün­dung: Es habe sich um „Belus­ti­gung“ und „Sati­re“ gehandelt.

Im Febru­ar 2026 ende­te ein Ver­fah­ren gegen einen Wirt, der eine gro­ße Fah­ne mit dem NS-Sym­bol Lebens­ru­ne gehisst hat­te, mit einem Frei­spruch. Der Wirt hat­te ein­schlä­gi­ges Gedan­ken­gut bestrit­ten, obwohl in sei­nem Lokal rechts­extre­me Schrif­ten auf­la­gen. Die Berufs­rich­ter hoben den offen­kun­dig fal­schen Spruch der Geschwo­re­nen nicht auf.

Im Juni 2026 stell­te die Staats­an­walt­schaft das Ver­fah­ren gegen vier Mit­glie­der der Frei­heit­li­chen Jugend ein, die „Deutsch­land den Deut­schen – Aus­län­der raus“ gegrölt hat­ten. Die ras­sis­ti­sche Paro­le erfül­le den Tat­be­stand der Ver­het­zung nicht, bei einem mut­maß­li­chen Hit­ler-Gruß habe es sich um blo­ße „Tanz­be­we­gun­gen“ gehan­delt. Der ange­se­he­ne Straf­rechts­leh­rer Alo­is Birk­lbau­er wider­leg­te in einem „Standard“-Kommentar die recht­li­che Begrün­dung für die Ver­fah­rens­ein­stel­lung. Die Staats­an­walt­schaft mache letzt­lich Frem­den­hass salon­fä­hig, so Birklbauer.

„Die hie­si­ge Jus­tiz erklärt rechts­extre­me Straf­ta­ten ein­fach weg – mit kata­stro­pha­ler Bei­spiels­wir­kung“, sagt Wer­ner Retzl, Vor­sit­zen­der der Wel­ser Initia­ti­ve gegen Faschis­mus. „Ewig­gest­ri­ge kön­nen sich auf eine mil­de Behand­lung verlassen.“

Auch der neu­es­te Skan­dal bestä­tigt die­se Kri­tik: Am 24. Juni stand ein 56-Jäh­ri­ger wegen Ver­het­zung vor Gericht. Die Ankla­ge wur­de nicht ver­le­sen, sodass der ein­zi­ge Zuschau­er – ein Pro­zess­be­ob­ach­ter von „Stoppt die Rech­ten“ – nicht genau erfuhr, wor­um es ging. Der Rich­ter stell­te aber fest, dass es sich um kei­ne Ein­zel­tat gehan­delt habe. Der Ange­klag­te ist auch Admi­nis­tra­tor der öffent­lich zugäng­li­chen Face­book-Grup­pe „Unser Her­bert Kickl“, wo es von nicht gelösch­ten Hass- und Gewalt­kom­men­ta­ren wim­melt („Volks­ver­rä­ter“, „Per­ver­se“, „Abschaum“, „Weg­sper­ren“, „Ersäu­fen“, „Erschie­ßen“). Doch das wird gar nicht bespro­chen. Der Rich­ter bie­tet eine Diver­si­on an: nur 400 Euro plus 1.004 Euro Kos­ten für ein Gut­ach­ten, das die Ver­tei­di­gung woll­te. Kei­ne Vor­stra­fe, kei­ne Schu­lung „Dia­log statt Hass“. Die Staats­an­wäl­tin ist ein­ver­stan­den. Der Ange­klag­te bekennt sich schul­dig und nimmt dan­kend an. Nach nur 18 Minu­ten kann der rechts­extre­me Het­zer wie­der gehen!

Wie sehr ihn der Pro­zess und die Diver­si­on beein­druckt haben, zeigt er gleich am nächs­ten Tag. Er dif­fa­miert als Admi­nis­tra­tor der Face­book-Grup­pe „Unser Her­bert Kickl“ die Regie­rung (“Kanz­ler im Luxus – Öster­rei­cher am Hun­ger­tuch!“) und pro­vo­ziert dadurch übels­te Kom­men­ta­re („fet­te Sau“, „Drecks­re­gie­rung“, „Para­si­ten“), die er auch in der Fol­ge nicht löscht.

„Wenn Hass­bot­schaf­ten mit gro­ßer Ver­brei­tung als Kava­liers­de­likt abge­tan wer­den, kapi­tu­liert der Rechts­staat“, erklärt Wer­ner Retzl. „Wir appel­lie­ren an das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um und die Ober­staats­an­walt­schaft, kor­ri­gie­rend einzugreifen!“

„Mit Ent­schei­dun­gen wie in Wels wird der kla­re anti­fa­schis­ti­sche Auf­trag unse­rer Ver­fas­sung ver­höhnt“, betont Wil­li Mer­nyi, Vor­sit­zen­der des Maut­hau­sen Komi­tees Öster­reich. „Es braucht eine rasche Eva­lu­ie­rung nicht allein des Ver­bots­ge­set­zes, son­dern des gesam­ten Umgangs der Jus­tiz mit rechts­extre­men Straf­ta­ten. Denn die Defi­zi­te sind rie­sig.“ (ots.at, 8.7.26)

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