Botschafter aus Russland und Belarus von Mauthausen-Befreiungsfeier ausgeladen

Die tra­di­tionelle Befreiungs­feier in der KZ-Gedenkstätte Mau­thausen am 15. Mai soll heuer ohne rus­sis­che und belarus­sis­che Offizielle stat­tfind­en. Die Botschafter von Rus­s­land und Belarus wer­den in einem per­sön­lichen Mail gebeten, nicht teilzunehmen. Darauf haben sich das Mau­thausen Komi­tee Öster­re­ich, das Inter­na­tionale Mau­thausen Komi­tee und die Gedenkstätte ver­ständigt. Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen, Über­lebende und deren Ange­hörige seien aber eingeladen.

„Die enor­men Opfer, die die Sow­je­tu­nion als Teil der Alli­ierten im Kampf gegen den Nation­al­sozial­is­mus und bei der Befreiung viel­er Konzen­tra­tionslager erbracht hat, sind für alle Zeit­en unvergesslich und unab­d­ing­bar­er Teil der Geschichte unseres Kon­ti­nents. Auch die Erin­nerung an das unvorstell­bare Leid, das den sow­jetis­chen Kriegs­ge­fan­genen im KZ-Sys­tem Mau­thausen ange­tan wurde, und ihr Wider­stand gegen die NS-Bar­barei ist und bleibt ein zen­traler Auf­trag der Gedenkar­beit unser­er Insti­tu­tio­nen”, heißt es in ein­er gemein­samen Erk­lärung. „Was allerd­ings den Krieg Rus­s­lands gegen die Ukraine bet­rifft, kön­nen wir angesichts der aus­geübten ungerecht­fer­tigten Gewalt und schw­er­ster Ver­let­zun­gen der Men­schen­rechte nicht umhin, diesen mit aller Deut­lichkeit zu verurteilen.” In diesem Sinne fordere man auch ein sofor­tiges Ende des Krieges.

„Eine Teil­nahme bei­der Län­der wäre unvere­in­bar mit dem Mau­thausen-Schwur der über­leben­den Häftlinge und deren Wun­sch nach Friede und Frei­heit”, begrün­det Willi Mernyi, Vor­sitzen­der des Mau­thausen Komi­tees Öster­re­ich, den Schritt. Daher habe man sich „lei­der” dazu entschließen müssen. Es sei aber sichergestellt, dass an den Denkmälern von Rus­s­land und Belarus, wenn keine offiziellen Vertreterin­nen und Vertreter anwe­send sind, Kränze und Buketts niedergelegt wer­den. Die weltweit größte KZ-Befreiungs­feier ste­ht heuer unter der Über­schrift „Poli­tis­ch­er Wider­stand”. In dem zitierten Schwur heißt es unter anderem: „Wir wer­den einen gemein­samen Weg beschre­it­en, den Weg der unteil­baren Frei­heit aller Völk­er, den Weg der gegen­seit­i­gen Achtung, den Weg der Zusam­me­nar­beit am großen Werk des Auf­baus ein­er neuen, für alle gerecht­en, freien Welt.” Er wurde bei der ersten Befreiungs­feier 1945 und der Ver­ab­schiedung der Über­leben­den — viele von ihnen aus dem heuti­gen Rus­s­land und der heuti­gen Ukraine — in ihre Heimatlän­der erst­mals verlesen.

Seit Kriegsende wird jedes Jahr der Befreiung des KZ in den ersten Maita­gen 1945 durch US-Trup­pen gedacht. Dazu kom­men tra­di­tionell Abor­d­nun­gen aus den Herkun­ft­slän­dern der Opfer. Zwis­chen 1938 und 1945 waren in Mau­thausen und seinen 49 Neben­lagern rund 200.000 Men­schen gefan­gen, knapp die Hälfte von ihnen wurde ermordet oder starb in Folge der grausamen Haftbe­din­gun­gen. Die Häftlinge kamen aus mehr als 70 Natio­nen, unter ihnen waren auch zahlre­iche sow­jetis­che (Kriegs-)Gefangene.

Einen Unter­schied zwis­chen Russen und Ukrain­ern machte man damals nicht, wie die Geschichte eines Masse­naus­bruchs vor Augen führt: In der Nacht auf den 2. Feb­ru­ar 1945 wagten rund 500 sow­jetis­che Häftlinge einen organ­isierten Fluchtver­such. Die darauf­fol­gende Men­schen­hatz, die von der SS zynisch als „Müh­lviertler Hasen­jagd” beze­ich­net wurde, über­lebte nur ein gutes Dutzend. Erst vor einem Jahr hat­te der rus­sis­che Präsi­dent Wladimir Putin die Oberöster­re­icherin Maria Langth­aler (1888–1975) posthum geehrt, die zwei sow­jetis­che KZ-Aus­brech­er gerettet hat­te — bei­de stammten aus der heuti­gen Ukraine. (APA via nachrichten.at)

Mauthausen Befreiungsfeier 2019

Mau­thausen Befreiungs­feier 2019

Gemein­same Erk­lärung des MKÖ, der Gedenkstätte und dem Comité Inter­na­tion­al de Mau­thausen zum Krieg in der Ukraine

Im Jahr 2022 jährt sich die Befreiung des KZ Mau­thausen und sein­er Außen­lager im Mai 1945 bere­its zum 77. Mal. Die enor­men Opfer, die die Sow­je­tu­nion als Teil der Alli­ierten im Kampf gegen den Nation­al­sozial­is­mus und bei der Befreiung viel­er Konzen­tra­tionslager erbracht hat, sind für alle Zeit­en unvergesslich und unab­d­ing­bar­er Teil der Geschichte unseres Kontinents.

Auch die Erin­nerung an das unvorstell­bare Leid, das den sow­jetis­chen Häftlin­gen im KZ-Sys­tem Mau­thausen ange­tan wurde, und an ihren Wider­stand gegen die NS-Bar­barei ist und bleibt ein zen­traler Auf­trag der Gedenkar­beit unser­er Institutionen.

Was allerd­ings den Krieg Rus­s­lands gegen die Ukraine bet­rifft, kön­nen wir angesichts der aus­geübten ungerecht­fer­tigten Gewalt und schw­er­ster Ver­let­zun­gen der Men­schen­rechte nicht umhin, diesen mit aller Deut­lichkeit zu verurteilen.

Wir möcht­en daran erin­nern, dass am 16. Mai 1945 am Appellplatz des KZ Mau­thausen die erste Befreiungs­feier stat­tfand. Aus Anlass der dabei erfol­gten, gemein­schaftlichen Ver­ab­schiedung der in ihre Heimat zurück­kehren­den sow­jetis­chen Häftlinge, unter ihnen Men­schen aus Rus­s­land und der Ukraine, ver­lasen die Vertreter des Inter­na­tionalen Häftlingskomi­tees den „Mau­thausen-Schwur“.

Darin heißt es:

„Der Friede und die Frei­heit sind die Garan­ten des Glücks der Völk­er, und der Auf­bau der Welt auf neuen Grund­la­gen sozialer und nationaler Gerechtigkeit ist der einzige Weg zur friedlichen Zusam­me­nar­beit der Staat­en und Völk­er. Wir wollen nach erlangter eigen­er Frei­heit und nach Erkämp­fung der Frei­heit unser­er Natio­nen die inter­na­tionale Sol­i­dar­ität des Lagers in unserem Gedächt­nis bewahren und daraus die Lehren ziehen: 

Wir wer­den einen gemein­samen Weg beschre­it­en, den Weg der unteil­baren Frei­heit aller Völk­er, den Weg der gegen­seit­i­gen Achtung, den Weg der Zusam­me­nar­beit am großen Werk des Auf­baus ein­er neuen, für alle gerecht­en, freien Welt.“ 

In diesem Sinne fordern wir ein sofor­tiges Ende des Krieges! 

Willi Mernyi
Vorsitzender
Mau­thausen Komi­tee Österreich

Bar­bara Glück
Direktorin
KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Guy Dock­endorf
Präsident
Comité Inter­na­tion­al de Mauthausen

Quelle: mkoe.at

➡️ Befreiungs­feier 15.5.2022