Ausgemölzert?

Das ist natür­lich stark­er Tobak! Aus­gerech­net Marine Le Pen, der er noch vor weni­gen Tagen Rosen gestreut hat, hat erk­lärt, dass es mit einem Andreas Mölz­er keine Rechts­frak­tion im Europäis­chen Par­la­ment geben könne. Der „ehren­hafte Rück­zug“, den Stra­che Mölz­er ange­blich ange­boten hat, scheint mit der Erk­lärung Mölz­ers, er ziehe sich zurück, weil er das Ver­trauen inner­halb der FPÖ ver­loren habe, nur bed­ingt vereinbar.

Mit­tler­weile ist klar, dass der Rück­zug Mölz­ers nicht nur die Spitzenkan­di­datur der FPÖ für die Wahl zum europäis­chen Par­la­ment bet­rifft, son­dern den voll­ständi­gen Verzicht auf eine Kan­di­datur für die FPÖ beinhaltet.

Die Reak­tio­nen auf die ras­sis­tis­chen und recht­sex­tremen Pro­voka­tio­nen Mölz­ers haben in den let­zten Tagen eine Dynamik erre­icht, die selb­st bei der FPÖ-Spitze zu einem Umdenken geführt haben. Galt für Parte­ichef Stra­che die Causa Mölz­er nach dessen ersten Teilentschuldigun­gen als „gegessen und erledigt“, so bracht­en die let­zten Tage eine Wen­dung um 180 Grad. Aus­sagen wie die von Mölz­er getätigten seien “keines­falls trag­bar“, inter­pretierte Her­bert Kickl zulet­zt seinen Parteichef.

Die Parteispitze dürfte in den let­zten Tagen viel gerech­net haben. Ein­er­seits, was die Auswirkun­gen der Mölz­ereien auf den Zus­pruch für die FPÖ bei den EU-Wahlen bet­rifft, ander­er­seits zu den Machtver­hält­nis­sen inner­halb des FPÖ-Bun­desparteivor­stands , wenn es zu Maß­nah­men gegen Mölz­er kom­men sollte. Ver­mut­lich wur­den auch noch andere Rech­nun­gen angestellt – näm­lich was der Partei ein einiger­maßen friedlich­er Rück­zug von Mölz­er wert sein dürfte. Denn mit einem Rück­zug Mölz­ers vom EU- Abge­ord­neten­man­dat dro­hen dem kleinen Mölz­er­schen Medi­en­im­peri­um bedeu­tende finanzielle Ein­bußen. Springt da die FPÖ jet­zt ein, um einen Burgfrieden mit Mölz­er und den Ultra­recht­en sicherzustellen?

Eine eigen­ständi­ge Kan­di­datur von Mölz­er ist zwar nicht völ­lig aus­geschlossen, würde aber auch eine ziem­lich drama­tis­che Spal­tung der FPÖ (selb­st wenn sie men­gen­mäßig kaum ins Gewicht fällt) und für Mölz­er hohes Risiko bedeuten.

Mölz­er ist schw­er­stens angeschla­gen – das belegt auch die Stel­lung­nahme von Marine Le Pen. Dass aus­gerech­net er, der sich selb­st zum Architek­ten fast aller Eini­gungsver­suche der europäis­chen Recht­en hochstil­isiert hat, jet­zt als Hin­der­nis der Eini­gung gese­hen wird, muss ihn hart getrof­fen haben. Gut so!