Graf geht stiften – und die anderen?

Nach­dem die Stiftungscausa einen immer stren­geren Geruch angenom­men hat­te, geht jet­zt Mar­tin Graf stiften. In wahrlich präsi­den­tieller Manier kündigte er heute an, sich aus dem Stiftungsvor­stand zurück­zuziehen und in Hinkun­ft zur Stiftung schweigen zu wollen. Die bei­den eng mit ihm ver­bun­de­nen Stiftungsvorstände Michael Witt und Alfred Wan­sch wollen bleiben. Warum eigentlich?

Die verbleiben­den Stiftungsvorstände kön­nen laut Stiftung­surkunde den Mar­tin Graf, der stiften gegan­gen ist, durch ein weit­eres Mit­glied erset­zen. Sie müssen aber nicht, son­dern kön­nen auch unter sich bleiben. Vielle­icht ist das auch das ein­fach­ste? Schließlich wären so bis auf weit­eres unan­genehme Fra­gen abzublock­en – durch behar­rlich­es Schweigen z.B.

Etwa die Frage, warum Teile des Stiftungsver­mö­gens, die in Wert­pa­pieren angelegt waren, in eine Immo­bilie umgeschichtet wurden?

Etwa die Frage, wie viel Geld denn nun die Stifterin in den Jahren seit Grün­dung der Stiftung aus der Stiftung als „Zuwen­dung“ erhal­ten hat?

Oder auch die Frage, warum der Stiftungsvor­stand und Anwalt Dr. Witt der Stiftung im Jahr 2009 fünf Rech­nun­gen zu jew­eils 2.000 Euro „ent­ge­genk­om­mend pauschaliert“ für anwaltliche Beratung und Vertre­tung beim Ankauf der Immo­bilie Bill­roth­straße 19 gestellt hat?

Ein net­ter Ver­gle­ich bietet sich an: auf der einen Seite die Stifterin, die nach eige­nen Aus­sagen nicht wollte, dass diese Immo­bilie, in der das Restau­rant Graf logiert, erwor­ben wird, auf der anderen Seite die Stiftungsvorstände, die der strik­ten Überzeu­gung waren, dass der Erwerb dieser Immo­bilie im besten Inter­esse der Stiftung ist. Die Stifterin erhält als Ertrag (Zuwen­dung) aus der Stiftung fünf‑, sechs- oder sieben­tausend Euro jährlich , die Kan­zlei Witt für die Beratung der Stiftungsvorstände Graf, Witt und Wan­sch zehn­tausend Euro für sieben Monate Beratung.

In der Kan­zlei Witt sind die Stiftungsvorstände Michael Witt und Alfred Wan­sch tätig. Ver­mut­lich wer­den sie jet­zt als Stiftungsvorstände die Hon­o­rarabrech­nung, die im Jahr 2009 stattge­fun­den hat, noch ein­mal über­prüfen. Alles super­sauber, superkorrekt?

Bei der Erstel­lung der fünf Hon­o­rarnoten war die Kan­zlei Witt jeden­falls pin­gelig. Die „ent­ge­genk­om­mend pauschalierten“ Hon­o­rarnoten unter­schei­den sich nach Monat­en und feinen Details. Im Novem­ber und Dezem­ber 08 war etwa die „anwaltliche Beratung und Vertre­tung im Zusam­men­hang mit den Ver­hand­lun­gen betr­e­f­fend die Nutzung und Zuord­nung der Keller­a­bteile der Liegen­schaft in 1190 Wien, Bill­roth­straße 19; weit­ers im Zusam­men­hang mit baulichen Änderun­gen – ins­beson­dere Liftein­bau und Notaus­gang – Tele­fonate, Kor­re­spon­denz….“ Gegen­stand der Hon­o­rarnote. Im August und Sep­tem­ber stand die „Überwachung der Treuhand­schaft“, die „Urgenz der grund­bücher­lichen Abwick­lung des Kaufver­trags samt Anmerkung der Zusage der Ein­räu­mung und Woh­nung­seigen­tum“ auf der Rech­nung und in den anderen Monat­en war auch einiges zu tun.