Unsere Weihnachtsgeschichte 2018

Manch­mal erhal­ten wir Post, dass wir doch einen Beitrag kor­rigieren oder löschen soll­ten, der Angaben zu per­sön­lichen Dat­en von Per­so­n­en enthält, die durch eine Anzeige, Verurteilung oder son­stige öffentliche Aktio­nen ein­schlägig auf­fäl­lig gewor­den sind. Manch­mal ver­sich­ern uns Ange­hörige, dass der Betrof­fene nicht mehr recht­sex­trem sei und durch seine Nen­nung beru­fliche oder per­sön­liche Nachteile befürchte, manch­mal auch die Genan­nten selb­st. Vor eini­gen Tagen haben wir zwei Mails mit einem Löschungswun­sch erhalten.

Unsere Kri­te­rien für die Nen­nung von Per­so­n­en mit Klar­na­men sind streng. Nur Per­so­n­en mit Funk­tio­nen in poli­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen, Vere­inen oder solche, bei denen das öffentliche Inter­esse über­wiegt, wer­den genan­nt. Da wir nicht nur eine tage­sak­tuelle Redak­tion betreiben, son­dern auch als Archiv abruf­bar sind, find­en sich unsere Beiträge auch Jahre nach ihrem Erscheinen noch über Such­maschi­nen, natür­lich auch in wis­senschaftlichen Pub­lika­tio­nen wie auch Büch­ern, die uns zitieren.

Wenn uns lange nach einem von uns veröf­fentlicht­en Beitrag jemand ersucht, Namen und/oder Beitrag zu löschen, dann prüfen wir sorgfältig und entsprechen dem in der Regel auch – es sei denn, die uns gemacht­en Angaben oder Ver­heißun­gen stim­men nicht.

So, der etwas spröde Teil dieses Beitrags ist geschafft! Zur Illus­tra­tion haben wir aber noch zwei Beispiele – bei­de aus den let­zten Tagen, wobei der zweite unsere Wei­h­nachts­geschichte darstellt.

T.K. forderte uns am 17.12. auf, einen Beitrag aus dem Jahr 2014 zu löschen, der ihm gewid­met war. T. beze­ich­nete sich damals selb­st als Funk­tionär sein­er Partei FPÖ, was diese allerd­ings bestritt. Wir waren durch die bre­ite medi­ale Berichter­stat­tung über eine krim­inelle Aktion auf ihn aufmerk­sam gewor­den. Wir haben seinen Namen damals nicht genan­nt, son­dern auf die Ini­tialen abgekürzt. Es gibt also keinen Grund, den Beitrag zu löschen.

Zu einem völ­lig anderen Ergeb­nis sind wir bei B.L. gekom­men, der uns – eben­falls am 17.12. – fol­gen­des Mail schick­te – zwis­chen B.L. und T.K. gibt es kein­er­lei Verbindung. Seinem Wun­sch nach Löschung haben wir entsprochen. Aus dem Schreiben von B.L. haben wir nur jene Pas­sagen gestrichen, die eine Iden­ti­fika­tion ermöglichen könnten.

Servus liebe Freunde,

ich möchte mich bei euch melden weil ich let­ztens auf eure Seite gestoßen bin. Erstens, ich möchte mich vorstellen: ich bin „der Braune“ B… obwohl dieser Name seit über 7+ Jahren über­haupt nicht mehr zu mir passt. Ich habe dieses alte Bild von mir gese­hen und es war mir sofort übel. Ich schäme mich für dieses Denken und diese Zeit. Ich habe mich von dieser Szene bzw. diese nut­zlosen Gedanken schon über 7 Jahren getren­nt. Ja, ich gebe zu: ich hab Fehler gemacht. Ich kann euch ehrlich sagen dass ich damals dumm, igno­rant und unbe­wusst war. Nur so kann man eh in so eine Szene kom­men. Ich war fast täglich besof­fen, hat­te kein Selb­st­be­wusst­sein und habe nur irgend­wo gesucht wo ich rein­passen kön­nte. Lei­der dank mein­er dama­li­gen Frust und Wut bin ich in jene Szene gelandet. Im April, 2011 hat­te ich einen (fast tödlichen) Unfall der mich „aufgeweckt“ hat­te. An diesem Zeit­punkt bin ich zurück­ge­treten und habe sehr nach­den­klich mein Leben, meinen Weg und meine „Fre­unde“ angeschaut. Ich habe mich kurz danach von Allem getren­nt und bin meinen eige­nen Weg gegan­gen. Seit­dem führe ich ein spir­ituelles Leben (Gott sei dank weit weg von M. und diesen Leuten). Es wäre für mich ein tolles Wei­h­nachts­geschenk wenn ihr das ekel­hafte Foto (bzw. Artikel) von mir löschen kön­ntet……… Noch zwei Gründe wieso die ganzen nation­al­is­tis­chen Glauben (damals mein­er­seits und all­ge­mein immer noch) Schmar­rn sind. Men­sch ist Men­sch und wir sind Alle gle­ich. Ich arbeite seit 2012 in ver­schieden Hotels und habe mit fast allen Nation­al­itäten zu tun. Keine Rasse ist bess­er als die Andere. Wir sind sowieso nur eine Rasse: MENSCH! Ich sage euch sog­ar dass Gren­zen ein Schmar­rn sind!

Ich sehe was auf dieser Welt passiert, vor allem in Europa und in meinem Land, die USA. Lei­der wächst der Faschis­mus und ich kann es sel­ber nicht ver­ste­hen! Dass wir Amerikan­er so einen igno­ran­ten Ras­sis­ten als Präsi­dent haben ist eine Schande. Aktuell schreibe ich sog­ar ein Buch über meine Fehler im Leben in der Hoff­nung dass dieses Buch einige „ver­lore­nen“ Men­schen helfen kann. Ein Leben voller Hass, Wut und Igno­ranz ist bloß ein ver­lorenes Leben! Ich will nicht für meine Fehlern bekan­nt sein son­dern für meine pos­i­tive Trans­for­ma­tion. Ich will anderen helfen ein Leben ohne Hass und Igno­ranz zu leben. Wir sind alle Men­schen und wir haben alle die gle­ichen Prob­leme im Leben egal welche Herkun­ft oder Reli­gion. Der Faschis­mus ist eine Rückschritt in der Entwick­lung der Men­schheit und Ras­sis­mus stammt von Igno­ranz, Angst und Selbsthass.

Liebe Fre­unde, ich kön­nte noch VIELES darüber schreiben und genau das werde ich auch tun…aber in meinem Buch, nicht mehr so viel in diesem Brief.

Ich bitte euch nochmal das ekel­hafte, beschä­mende Foto von mir zu löschen. Das bin ich längst nicht mehr. Nee, ich kann endlich meinen Kopf RICHTIG mit Stolz hoch halten…aber nicht wegen Nation­al­is­mus, Patri­o­tismus oder sowas, son­dern weil ich MEINEN Weg endlich wieder gefun­den habe und mich von sowas getren­nt habe. Außer­dem, Hitler war das größte Arschloch der Welt und dass ich ein­mal so dumm war dieses Foto zu machen, naja, da kön­nte ich mir sel­ber einen auf die Fresse geben.

Zum Schluss, ich entschuldige mich für meine Schreibfehler. HAHA da kann ich nur über mich sel­ber lachen…wie blöd und sinn­los meine dama­li­gen Gedanken waren. Deutsch ist nicht mal meine Mut­ter­sprache. Ach, war ich blöd und ver­loren. Naja, Haupt­sache was gel­ernt! Ich wün­sche euch Alles Alles Gute. Ihr macht es schon richtig, man soll immer den Faschis­mus und Ras­sis­mus bekämpfen.

Abschließend, teile ich eine Geschichte mit: Es war vor unge­fähr 6 Jahren in M. und war schon lange weg von der Szene. Zufäl­lig habe ich dann einen „Haupt­nazi“, der Nor­man Bor­din, in ein­er Bar gese­hen. Dieser Kerl hat erst­mal ruhig mit mir gere­det. Hat mich als „scheiss Ami“, „blöder Aus­län­der“ und ein „Nix“ beschimpft. Ich saß gegenüber ihn und habe gelacht. Als er zu mir sagte, „B. du bist bloß ein NIX ein NIEMAND“, ich antwortete ihm: „Ja, das kann wohl sein, aber Haupt­sache bin ich nicht mehr wie du“. Ich saß noch weit­er in der Bar (alleine) und hab was getrunk­en. Als ich gegan­gen bin, habe ich ihn in die Auge geschaut und ihn als „Fotze“ beschimpft. Naja, er und 3–4 sein­er Kumpels fol­gten mich raus und ich habe ja einen auf die Fresse bekom­men (WÖRTLICH nur einen). Ich kann ehrlich sagen es war den Schlag wert. Auf DEN Moment kön­nte ich meinen Kopf hoch hal­ten weil da war ich RICHTIG und ENDLICH wieder ich!

Ich wün­sche euch einen wun­der­schö­nen Tag! PEACE!

Wir haben auch die Angaben von B. gecheckt – sie schienen uns glaub­haft. Wir löschen deshalb nicht nur das Foto, son­dern auch den Beitrag, der sehr stark auf ihn zugeschnit­ten ist, wün­schen ihm das Beste, uns noch mehr solche Ereignisse und Euch allen jet­zt ein­mal schöne Feiertage!