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Filter Schlagwort: Antiziganismus

(Wien) Sprache kommt vor der Tat

Plakatak­tion von Mari­ka Schmiedt, in Koop­er­a­tion mit Romano Centro.
Sam­stag, 1. Juli 2017, von 11–12 Uhr 1060 Wien,
Bauza­un Mari­ahil­fer­straße 67
Link zur Ver­anstal­tung bzw. hier (FB)

Sprache kommt vor der Tat
Zusam­men­hang von Sprache, Ras­sis­mus, Ökonomie und Macht als tem­poräre Ausstel­lung im öffentlichen Raum

Ras­sis­mus, die soziale Kon­struk­tion natür­lich­er Ungleichheit.
Die Ausstel­lung zeigt, wie ein Konzept des ange­blich natur­wis­senschaftlich gesicherten Rassen­be­griffs fort­geschrieben wird, und wie stark Sprache durch ras­sis­tis­che Diskurse und Wis­sens­felder geprägt ist. Dabei wird deut­lich vor Augen geführt, dass die Bilder und der Umgang damit vom Ende der Monar­chie bis in unsere Tage keine prinzip­iellen Unter­schiede aufweisen.

Die Ausstel­lung war vom 18. Mai bis 1. Juni in der Galeriew­erk­statt NUU zu sehen und über­siedelt nun in den öffentlichen Raum.
An diesem Bauza­un sind — wie an vie­len anderen Stellen in Wien — in den let­zten Jahren immer wieder ras­sis­tis­che Schmier­ereien ange­bracht wor­den. Mit fre­undlich­er Genehmi­gung der Fir­ma Hitthaller.

Videomitschnitte von der Rechtsextremismus Enquete 2017 im Parlament

Vor zwei Monat­en, am 21.4.2017, lud der Grüne Klub im Par­la­ment zur Recht­sex­trem­is­mus Enquete 2017 ins Par­la­ment. In Vorträ­gen und anschließen­den Diskus­sions-Pan­els wurde aus­führlich zu aktuellen The­men und Entwick­lun­gen aus den Bere­ichen Social Media, rechte und ras­sis­tis­che Diskurse, Medi­en usw. disku­tiert. Im Zen­trum der Ver­anstal­tung, die sich an Exper­tIn­nen und an inter­essierte Per­so­n­en aus der Zivilge­sellschaft richtete, standen neben Analy­sen und Inter­pre­ta­tio­nen immer auch Hand­lung­sop­tio­nen, die sich für den Staat und die Zivilge­sellschaft ergeben. Zudem bot die Enquete für die Teil­nehmerIn­nen einen Rah­men für Aus­tausch und Ver­net­zung. Im Fol­gen­den find­en Sie hier die Videos der Ver­anstal­tung Weit­er…

Die Bleiburg-Pilger*innen

Wie jedes Jahr sind auch 2017 ca. 10.000 Rechte aus Kroa­t­ien und der kroat­is­chen Dias­po­ra ganz Europas nach Bleiburg/Pliberk gepil­gert, um ein­er „Gedenkver­anstal­tung“ für die Ustaša und den faschis­tis­chen NDH-Staat beizu­wohnen. Ein Blick auf Hin­ter­gründe, Beteili­gung und Reak­tio­nen auf das diesjährige Tre­f­fen. Ein Gast­beitrag. Weit­er…

Kritische Stellungnahmen zum Ustaša-Treffen in Bleiburg/Pliberk

Kri­tis­che Stel­lung­nah­men zum am 13.5.2017 wieder stat­tfind­en­den Ustaša-Tre­f­fen gab es heuer einige, zwei geben wir im Fol­gen­den wieder: die Stel­lung­nahme des Doku­me­na­tion­sarchivs des öster­re­ichis­chen Wider­stands (DÖW) und der Israelitis­chen Kul­tus­ge­meinde (IKG). Weit­er…

Rumänien: Organisierte Brandanschläge auf Roma

Ghe­o­rgheni, auf ungarisch Gyer­gyószent­mik­lós, ist eine Stadt mit rund 20.000 Ein­wohner­In­nen in den rumänis­chen Karpat­en. Bewohnt wird die Stadt mehrheitlich von Szek­ler-Ungarn, ein­er rumänis­chen Min­der­heit und eini­gen Hun­dert Roma. In der Nacht von Fre­itag auf Sam­stag, 1. April 2017 kam es in der Stadt zu organ­isierten Bran­dan­schlä­gen auf Roma-Häuser. Einige dieser Häuser bran­nten kom­plett aus, auch Men­schen wur­den dabei ver­let­zt. Weit­er…

Demo/Linz: „Weil ich schwul/lesbisch/queer bin.“ – Wir protestieren gegen homophobe Gewalt!

Wir möcht­en auf fol­gende Demo hinweisen:
Aufruf für eine Demo am 11.1.2017: „Weil ich schwul/lesbisch/queer bin.“ – Wir protestieren gegen homo­phobe Gewalt!

„Weil ich schwul/lesbisch/queer bin.“ – Wir protestieren gegen homophobe Gewalt! Linz, 11.1.2017, 17:00

Aufruf zur Demo „Weil ich schwul/lesbisch/queer bin.“ – Wir protestieren gegen homo­phobe Gewalt! Linz, 11.1.2017, 17:00

Der Aufruf­text:

Protestkundge­bung:
Mittwoch, 11. Jän­ner 2017 – 17:00
Tauben­markt, Linz

Mehr Infos auf Face­book: Link FB

„Weil ich schwul bin.“ – so erk­lärt sich der 26-jährige offen Homo­sex­uelle den bru­tal­en Angriff auf ihn am Neu­jahrsmor­gen in der Alt­stadt. Nach dem ihm ein­er der Täter angepö­belt hat­te, lauerte ihm eine Gruppe später auf und prügelte so stark auf ihn ein, dass er im Kranken­haus behan­delt wer­den musste, vom unvorstell­baren psy­chis­chen Trau­ma ganz zu schweigen.

Durch den Mut des Opfers, der damit an die Öffentlichkeit ging, bekam dieser schock­ierende Vor­fall einige Medi­en­aufmerk­samkeit. Ein per­sön­lich­es Face­book-Post­ing, ein Bericht auf dem Com­mu­ni­ty-Pro­tal „GGG.at“ (http://bit.ly/2hQw4Dt) und die aktive Pressear­beit der Homo­sex­uellen Ini­tia­tive (HOSI) Linz erfuhr viel Resonanz.

Doch dieser Vor­fall ist nur die tragis­che Spitze eines Eis­bergs. Homo­phobe Gewalt häuft sich in let­zter Zeit wieder, vor allem seit der Bun­de­spräsi­dentschaftswahl, wie Betrof­fene bericht­en (siehe Inter­view in OÖNachricht­en: http://bit.ly/2iDEh2j).

Wir sehen wieder ein­mal, Homo­pho­bie und Has­sver­brechen gehören nicht etwa der Ver­gan­gen­heit an, son­dern sind die alltäglichen Begleit­er so viel­er LGBTQI+-Menschen. Ins­ge­samt sind Homo­pho­bie, Sex­is­mus und Ras­sis­mus aktueller den je. Wir sehen aber auch, dass ein Erfolg und der aktuelle Auf­stieg der FPÖ immer auch mit ein­er gesellschaftlichen Stim­mung ein­herge­ht, die Schwu­len­has­sern und Recht­sex­tremen mehr Selb­st­be­wusst­sein geben ihren Hass in die Tat umzuset­zen. So erre­ichte vor kurzem ja auch ras­sis­tis­che Gewalt einen trau­ri­gen Höhep­unkt in Oberöster­re­ich (Bran­dan­schläge auf Flüchtling­sheim und Roma-Zelte). Auch bekan­nte AntifaschistIn­nen wur­den vor kurzem in der Alt­stadt ange­grif­f­en. Das Wieder­erstarken der Naziszene, die sich ger­ade auf­baut, ist eine Gefahr für uns alle!

Dage­gen müssen wir uns stellen, sicht­bar, laut und stark! Zeigen wir weit­eren Betrof­fe­nen, dass sie nicht alleine sind und geben wir ihnen Mut sich zu wehren. Zeigen wir den homo­phoben und recht­en Schlägern, dass sie nicht toleriert wer­den! Zeigen wir der Öffentlichkeit, dass Sol­i­dar­ität und eine aktive Bewe­gung den Auf­stieg rechter und rückschrit­tlich­er Ide­olo­gien aufhal­ten kann!

Schließen wir uns zusam­men, ob AktivistIn­nen für LGBTQI+-Rechte, im Kampf gegen Rechts, von sozialen Bewe­gun­gen, Gew­erkschaften, fem­i­nis­tis­chen Ini­tia­tiv­en, linken Organ­i­sa­tio­nen oder ein­fach sol­i­darische Men­schen! Beteilige auch du dich!

Aktions­bünd­nis:
Homo­sex­uelle Ini­tia­tive (HOSI) Linz
Sozial­is­tis­che LinksPartei (SLP)
Sozialdemokratie & Homo­sex­u­al­ität (SoHo) Oberösterreich
Die Grü­nen Ander­srum OÖ

(Wien) Warum die Wunde offen bleibt

Wann: Sa, 21.01.2017, 19.00 h
Wo: Ate­lier­haus, 1. Stock, Ate­lier Süd, 
Lehar­gasse 8, 1060 Wien
(im Zuge des jährlichen „Rundgangs”

Warum die Wunde offen bleibt — Gastvor­trag und Film­präsen­ta­tion von Mari­ka Schmiedt

Der Titel des Vor­trages ist der gle­iche wie jen­er des Films. Der Film Warum die Wunde offen bleibt (2016, 80 min) von Schmiedt begin­nt und endet mit der gegen­wär­ti­gen Posi­tion der Kün­st­lerin als inter­na­tionale Kün­st­lerin und Aktivistin, deren Werk kon­tinuier­lich zen­suri­ert wurde, die als Per­son sowohl physisch als auch in den Medi­en und vor Gericht ange­grif­f­en wurde und die für ihre kri­tis­che Kun­st auch Todes­dro­hun­gen erhielt.

Warum die Wunde offen bleibt ist ein ein­dringlich­es Por­trait davon, was es für Schmiedt und andere Roma und Sin­ti bedeutet, mit ein­er trau­ma­tis­chen Ver­gan­gen­heit zu leben und die „weiße“ Vorherrschaft in Europa zu kri­tisieren, etwa in jen­er behar­rlichen und unentschuld­baren Ver­her­rlichung der Nazi Ver­gan­gen­heit des Dichters Josef Wein­heber in Kirchstetten.

Als Tour de Force und aus dem Blick­winkel ein­er fem­i­nis­tis­chen Per­spek­tive zeigt der Film eine Analyse des Aufkom­mens des Faschis­mus in Öster­re­ich und im Rest von Europa anhand von Inter­views mit drei Frauen: der akademisch aus­ge­bilde­ten, psy­chosozialen Bera­terin und Psy­chother­a­peutin Anna Gleirsch­er-Ent­ner, der Autorin und Psy­cho­an­a­lytik­erin Dr. Elis­a­beth Brain­in und der Aktivistin und Autorin Simone Schönett, deren Diag­nosen übe die aktuellen poli­tis­chen, sozialen und psy­chis­chen Bedin­gun­gen für Roma und Sin­ti nicht pointiert­er aus­fall­en kön­nten und die viele über die Langzeit­ef­fek­te ver­schieden­er For­men von unaus­ge­sproch­en­em und unter­drück­tem Ras­sis­mus ver­stört aber aufgek­lärter sein lassen wer­den. Schließlich wer­fen Schmiedts Werk aber auch die Diskus­sio­nen im Film die Frage nach unser­er Ver­ant­wor­tung über die Fort­führung „weißer“ Vorherrschaft und Gewalt auf.

CV: Mari­ka Schmiedt, geb. 1966, bildende Kün­st­lerin, Aktivistin und Filmemacherin.
1999 – heute: Recherche mit Über­leben­den (Zeug_innen) der Ver­fol­gung von Roma und Sin­ti (vom Holo­caust bis zur Gegen­wart). Das Werk befasst sich mit der Sit­u­a­tion eth­nis­ch­er Roma vor und nach 1945.

Mehr zumRundgang 2017 der Akademie der bilden­den Künste
Mehr zu Mari­ka Schmiedt siehe hier auf ihrem Blog.

(Linz) Warum die Wunde offen bleibt (Linz Premiere)

Warum die Wunde offen bleibt beschäftigt sich mit der Aufar­beitung des Holo­causts an Roma und Sin­ti durch die soge­nan­nte „2.“ und „3. Gen­er­a­tion“. Dabei verdeut­licht ger­ade die Rela­tion zu aktuellen Diskri­m­inierun­gen und Ver­brechen gegen Roma und Sin­ti die Notwendigkeit umfassender Auseinan­der­set­zun­gen: geschichtlich­er, famil­iär­er, psy­cho­an­a­lytis­ch­er und nicht zulet­zt die Dringlichkeit der politischen.

*** Linz Premiere ***
Wo: MOVIEMENTO, OK Platz 1, 4020 Linz [!! NICHT im City Kino!!]
Wann: 17. Novem­ber 2016 19:00
Mehr Infos: https://marikaschmiedt.wordpress.com/film-warum-die-wunde-offen-bleibt/

David Schalko: Rede zum Novemberpogrom

Bei der heuer sehr gut besucht­en Gedenkver­anstal­tung zu den Novem­ber­pogromen am ehe­ma­li­gen Aspang­bahn­hof, von dem ab 1939 Zig­tausende Wiener Jüdin­nen und Juden und Roma in die pol­nis­chen Ghet­tos und von dort dann in die Ver­nich­tungslager deportiert wur­den, hielt auch David Schalko eine Rede, die wir – mit seinem Ein­ver­ständ­nis — hier veröf­fentlichen (danke, David Schalko!).

Gedenkveranstaltung am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek

Gedenkver­anstal­tung am Wiener Aspang­bahn­hof, 2016 — Bildquelle: Chris­t­ian Volek

„Albert Camus sagte: Es gibt keine Welt mit Ver­nich­tungslagern, son­dern nur eine Welt als Ver­nich­tungslager. Wenn andere in die Knechtschaft getrieben wer­den, so bet­rifft uns das auch.

Heute leben wir in ein­er Welt mit Ver­nich­tungslagern. Was uns 1945 aufs Tief­ste erschüt­terte, lässt uns heute kalt. Denn Ver­nich­tung von Men­schen gibt es weltweit. Aber wirk­lich nahezuge­hen ver­mag es uns nicht. Sind wir an den Hor­ror gewöh­nt? Sind wir abges­tumpft? Oder hal­ten uns die ständig vor Augen gehal­te­nen Bilder vom Geschehen fern? Weil sie nicht riechen. Weil man die Schreie und das Leid auf laut­los stellen kann. Weil wir tat­säch­lich glauben, dass ein Inter­net­post­ing ein­er Tat gle­ichkommt. Dass es Wider­stand auf der Straße erset­zt. Gesagt getan im per­vertierten Sinn. Weil wir in ein­er Welt leben, in der die eigene Erle­ichterung und Ent­ladung wichtiger sind als wirk­liche Empathie. Und weil der Indi­vid­u­al­is­mus zur Aus­blendung des anderen geführt hat. Let­z­tendlich wis­chen wir in der Real­ität die anderen genau­so weg wie auf unseren Tablets.

Redbeitrag von David Schalko bei der Gedenkfeier am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek

Red­beitrag von David Schalko bei der Gedenk­feier am Wiener Aspang­bahn­hof, 2016 — Bildquelle: Chris­t­ian Volek

Deshalb wählen wir die Trumps und Hofers und Putins und Le Pens. Nicht weil wir glauben, dass sie etwas richt­en oder rev­i­dieren. Son­dern weil wir wählen wie wir posten. Es ist mit der Artiku­la­tion bere­its erledigt und vergessen, dass all dies auch reale Kon­se­quen­zen haben kön­nte, die man vielle­icht so gar nicht wollte. Selb­st wenn es uns die Demokratie kostet. Das Prob­lem ist nicht die Vergesslichkeit des Wäh­lers, son­dern seine Selb­stvergessen­heit. Insofern geht es auch hier um Nichtvergessen.
Zunächst wollte ich heute einen Text lesen, der das nachempfind­en lässt, was let­ztlich nicht nachempfind­bar ist. Nicht für uns, für keinen, der das nicht durch­lebt hat. Ja, vielle­icht nicht ein­mal für jene, die das Ver­nich­tungslager über­lebten. Selb­st sie mussten ver­drän­gen, vergessen kann man nicht, um über­haupt weit­er­leben zu kön­nen. Nachempfind­bar hal­ten, weil es vielle­icht die einzige Form des Nichtvergessens ist. Damit diese Schreck­en­stat­en nicht aus unseren Genen ver­schwinden. Damit es eine emo­tionale Abruf­barkeit gibt. Wobei das ist ver­mut­lich illu­sorisch. Denn die Erschüt­terung lässt erschüt­tern­der Weise nach. Insofern heißt Nichtvergessen auch, die Entsprechung im heute zu find­en. Und diese find­en wir nicht nur in der Ver­höh­nungsäs­thetik der gegen­wär­ti­gen Faschis­ten, die men­schen­ver­ach­t­end sind, weil sie dem Men­schen nichts zutrauen, den Makel als Makel denun­zieren, sich vor der Ungle­ich­heit ekeln und sich selb­st ver­acht­en für ihre Unvol­lkom­men­heit, wobei sich die Fan­tasie der Vol­lkom­men­heit aus der Abtö­tung speist. Und auch die Wäh­ler trauen sich selb­st nichts zu, son­st gäbe es die Sehn­sucht nach den Erlösern, Repara­teuren und Führern nicht. Stellt sich umgekehrt die Frage: Was kann man dem Men­schen zutrauen? Ist es nicht das aller­höch­ste Gut des Men­schen ganz Men­sch zu sein? Wann ist der Men­sch am meis­ten Men­sch? Ver­mut­lich wenn er sich zu seinen Fehlern beken­nt, sie zulässt, sie ins Men­sch­sein mitein­bezieht, wenn er nicht ver­sucht, ein Robot­er zu sein.

Ein Robot­er will per­fek­te Abläufe, Effizienz, Leis­tung, mess­bare Maßstäbe, Bew­er­tung und Erfolg. Robot­er haben kein Mit­ge­fühl für andere. Sie kreisen um sich selb­st und ihre Pro­gram­mierung. Robot­er ver­gasen auch Men­schen, weil sie diese nur als Zahlen sehen. So wie die Nazis keine Men­schenkolon­nen, son­dern Zahlenkolon­nen vor Augen hatten.

Redbeitrag von David Schalko bei der Gedenkfeier am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek

Red­beitrag von David Schalko bei der Gedenk­feier am Wiener Aspang­bahn­hof, 2016 — Bildquelle: Chris­t­ian Volek

Steckt hin­ter der momen­ta­nen Wut und dem Hass nicht vielle­icht die Angst, nur noch als Robot­er emp­fun­den zu wer­den? Überse­hen zu wer­den. Speist sich daraus der Neid auf die anderen? Let­z­tendlich auch der Neid auf den Flüchtling, der sein Leben zum Besseren verän­dern kon­nte. In sozialen Medi­en wird genau diese Mechanik aufge­baut. Man sollte also eher von asozialen Medi­en sprechen. Sie pro­gram­mieren uns mit rotieren­den, gle­ichen Impulsen. Unsere Gefühlswel­ten chang­ieren mech­a­nisch zwis­chen den großen Antipo­den Neid/Hass/Wut und Pathos. Die Nuan­cen dazwis­chen sind erkaltet. Für diese haben wir keine Zeit. Alles muss sofort passieren. Und ver­füg­bar sein. Nicht nur Ursache. Auch Wirkung. Und Lösung. Zumin­d­est Entsprechung. Dieses Ver­hal­ten ist jet­zt auch in der Poli­tik angekom­men, wo Zusam­men­hänge und Beson­nen­heit ein­mal Tugen­den waren. Aber für diese braucht man eben Zeit. In der Hast hat vieles, was uns zum Men­schen macht, keinen Platz.

Gedenkveranstaltung am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek

Gedenkver­anstal­tung am Wiener Aspang­bahn­hof, 2016 — Bildquelle: Chris­t­ian Volek

Bevor man andere deportieren kann, muss man etwas in sich selb­st deportieren. Muss man gewisse Dinge erkalten lassen, muss man sich pro­gram­mieren, etwas abtöten. Im Inter­net dressieren wir uns täglich gegen­seit­ig indem wir nur noch mit Gle­ich­gesin­nten verkehren. So entste­hen keine Milieus, son­dern kon­di­tion­ierte Robot­er. Eine Sim­u­la­tion, wo jed­er Impuls eine zeit­gle­iche Entsprechung hat. Die wir mit Real­ität ver­wech­seln. Und plöt­zlich fühlt sich in diesem Gehen­lassen und diesem Raus­lassen und in diesem Reinkotzen die Ver­nun­ft wie ein Zöli­bat an. Wie ein Befehl zur Entsa­gung, als wür­den Bar­barei und Grausamkeit im Genge­hege des Men­schen schnaufend auf und ab gehen und nur darauf warten, endlich los­ge­lassen zu wer­den. Liegt nicht die kollek­tive Depres­sion darin, dass ein Foto ein echt­es Gesicht genau­so wenig erset­zen kann wie die Lüge die Wahrheit? Wie die Sim­u­la­tion das echte Leben. Ist es nicht das Beken­nt­nis zur Wahrheit, das den Respekt zum anderen schafft? Ist die Lüge nicht die Igno­ranz des anderen? Den anderen als Men­schen erken­nen, auch wenn er ander­er Mei­n­ung ist. Ja, selb­st wenn er Täter ist. Selb­st Hitler war ein Men­sch bevor er Robot­er wurde. Das Erken­nen, all das steckt in uns. Jed­er Gedanke kann sich in die Massen­ver­nich­tung per­vertieren. Nicht nur der nation­al­sozial­is­tis­che. Jed­er. Wenn er begin­nt, uns zu pro­gram­mieren und den anderen zu ent­men­schlichen. Was aber stets mit der Ent­men­schlichung von uns selb­st beginnt.

Deshalb ist Nichtvergessen keines­falls gle­ichzuset­zen mit dem Fin­gerdeut auf die Schuldigen. Oder die heuti­gen Wiedergänger. Ganz nach Camus: Alles Men­schliche bet­rifft uns alle. Es gibt eben nur eine Welt im Ver­nich­tungslager. Nicht mit Ver­nich­tungslagern. Wir sind jene, auf die wir als Schuldige deuten, genau­so wie jene, die ver­gast wer­den. Wie wenig es braucht, um dazu fähig zu sein, das ist es, was wir aus unser­er Geschichte ler­nen müssen. Es geht nicht darum, den anderen zu beschuldigen. Es geht darum, ihn davon abzuhal­ten. Es geht um Aufk­lärung im besten Sinn.

Gedenkveranstaltung am Wiener Aspangbahnhof, 2016 - Bildquelle: Christian Volek

Gedenkver­anstal­tung am Wiener Aspang­bahn­hof, 2016 — Bildquelle: Chris­t­ian Volek

Den Men­schen in sein­er Gesamtheit zu erfassen unter­liegt kein­er Zeit. Ist immer Gegen­wart. Die Gefahr, dass wir wieder Robot­er wer­den, war noch nie so groß wie jet­zt. In Zeit­en von blond gefärbten Män­nern, die mit Super­helden­ver­sprechen eine Super­re­al­ität kreieren, wirkt die Welt wie ein Mar­vel Com­ic. Kün­stlich und überze­ich­net. Es geht auch um Ästhetik. Um eine Ästhetik der Lebendigkeit. Die wieder Schmutz zulässt. Und im soge­nan­nten Makel wieder Schön­heit erken­nt. Die nicht auf Aus­löschung aus­gerichtet ist, in dem sie alles gle­ich­macht und in Monot­o­nie verschüttet.

Wir soll­ten vor allem nicht vergessen, wer wir sind. Und weniger danach eifern, wer wir sein wollen oder vorgeben zu sein. Das führt genau zu jen­er Selb­ster­he­bung und Demü­ti­gungsspi­rale, in der wir heute gefan­gen sind. Hier am Aspang­bahn­hof, wo man ein Mah­n­mal braucht, weil es keine Spuren des Schreck­ens mehr gibt, wur­den zehn­tausende Men­schen in Züge geprügelt, auch viele Kinder, die sich an ihre Pup­pen klam­merten, weil sie nicht ver­standen, wozu der Men­sch fähig ist. Irgend­wann wird soviel Zeit ver­gan­gen sein, dass wir keine emo­tionalen Spuren des Holo­causts mehr in uns tra­gen, ähn­lich wie sich nichts mehr regt, wenn wir an die 50 Mil­lio­nen Toten des Sklaven­han­dels denken oder an andere his­torische Genozide. Solche Abende sind dazu da, um uns daran zu erin­nern, dass wir all diese Spuren immer in uns tra­gen, weil wir selb­st diese Spuren sind. Es sitzt in uns. In jedem. Immer. In diesem Sinne: Wehret den Anfängen.” 

(Wien) Warum Die Wunde offen bleibt

Warum die Wunde offen bleibt beschäftigt sich mit der Aufar­beitung des Holo­causts an Roma und Sin­ti durch die soge­nan­nte „2.“ und „3. Gen­er­a­tion“. Dabei verdeut­licht ger­ade die Rela­tion zu aktuellen Diskri­m­inierun­gen und Ver­brechen gegen Roma und Sin­ti die Notwendigkeit umfassender Auseinan­der­set­zun­gen: geschichtlich­er, famil­iär­er, psy­cho­an­a­lytis­ch­er und nicht zulet­zt die Dringlichkeit der politischen.

mit:
Anna Gleirsch­er-Ent­ner, psy­chosoziale Bera­terin und Psy­chother­a­peutin (i.A.)
Elis­a­beth Brain­in, Psy­chi­a­terin und Psychoanalytikerin
Simone Schönett, Schrift­stel­lerin und Aktivistin
Mari­ka Schmiedt, Kün­st­lerin und Aktivistin

Wann: Sam­stag, 22. Okto­ber 17:30 — 21:00
Wo: TOP KINO Rahl­gasse 1 (Ecke Theobaldgasse), 1060 Wien
Mehr Infos auf dem Blog von Mari­ka Schmiedt oder auf Face­book.