Ein ziemlich brauner Bursche


06. Feb 2018 - Startseite

Die Stadtgemeinde Seekirchen hat offensichtlich die Konsequenzen gezogen und auf ihrer Webseite den Status von Bernhard Neuhofer berichtigt: seit 21.3. 2017 ist er nicht mehr Mitglied des Gemeinderats. Die FPÖ Seekirchen hat übers Wochenende Neuhofers Status als Mitglied der Stadtparteileitung gelöscht –ohne Kommentar. Damit verbleibt ihm nur mehr der Status als Schriftwart der Burschenschaft Leder in Leoben. Aber der geht es auch nicht gut. Vor der letzten Gemeinderatswahl war die FPÖ Seekirchen noch mächtig stolz auf ihren Bernhard. 2014 bei der Wahl war er für die FPÖ mit 18 Jahren der jüngste Kandidat im Bezirk und „sehr engagiert“. Nun ja, engagiert war er schon damals: ein engagierter „Deutscher“, der auch über sein Facebook-Konto verkündete „Ich bin stolz, deutsch zu sein!“ und sich bei einer RFJ-Schulung deshalb auch mit einem „Deutschland“-Leiberl ablichten ließ. Damals ist uns Neuhofer wegen seines „Deutsch“-Fimmels aufgefallen, aber auch, weil er auf Facebook mit Neonazis wie Claus Cremer befreundet war.



Bernhard Neuhofer stolzer Deutscher
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So jemand wie Cremer rutscht einem ja nicht zufällig rein in die Freundschaftsliste, oder? Auch nicht eine wie Karin Huber, die die SS-Runen schon in ihrer Namenszeile mitführte. Auch musikalisch waren bestimmte Neigungen des RFJ-Aktivisten und jungen FPÖ-Gemeinderates schon damals deutlich erkennbar: Die Nazi-Hooligans von Kategorie C und die rabiaten Nazi-Antisemiten von A3stus. Da braucht man nicht einmal nach einem Liederbuch zu suchen, um zu wissen, woran man ist!



Karin Huber und SS
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Spätestens seit der Vorwoche ist jedenfalls klar, dass Bernhard Neuhofer ein ziemlich brauner Bursche ist. Seine Leobener Burschenschaft, die „Leder“ hat nämlich ein Flugblatt verteilt, in dem sie gegen die „Ehe für alle“ herzog und das mit einem Bild des Nazi-Pinslers Wolfgang Willrich unterstreichen wollte. Ausgerechnet Willrich, der Maler der arisch –germanischen Schädel ! Als die Sozialistische Jugend darauf aufmerksam machte, versuchte es die Burschenschaft Leder mit dem üblichen Gewäsch: zu den Inhalten des Flugblattes stehe man, aber dass der Willrich ein Nazi war, nein, das habe man nicht gewusst und distanziere sich deshalb ganz entschieden vom Nationalsozialismus.



„Völlig unglaubwürdig“ nannte Peter Drechsler, Vorsitzender der steirischen SJ, diesen lahmen Versuch einer Distanzierung und präsentierte weiteres Material, das sich vor allem mit dem Schriftführer der Burschenschaft, Bernhard Neuhofer, beschäftigte, der sich neben seinem Studium in den letzten Wochen vor allem mit den Ritterkreuzträgern der Deutschen Wehrmacht, darunter auch dem SS-Offizier Kurt Sametreiter, beschäftigte, die er auf Facebook in Serie vorstellte.

Die Montanuniversität Leoben, traditionell sehr eng mit den diversen Korporationen, darunter auch den „deutschen“ Burschenschaften Leder und Cruxia, verbunden, schloss daraufhin bis zur Klärung der Vorwürfe die Leder von „allen akademischen Feierlichkeiten“ aus.

Ziemlich parallel dazu, aber unabhängig voneinander, haben wir in der Vorwoche eine Salzburger Zeitung mit Informationen über den braunen Burschenschafter aus Seekirchen versorgt. In den letzten Jahren hat sich der FPÖ-Gemeinderat Neuhofer immer weiter radikalisiert. Neuhofer posierte auf Facebook zuletzt mit einem >Polo-Shirt von Thor Steinar, das mit dem Logo der Firma, einer Kreuzung aus Tyr- und Sig-Rune verziert und daher nach dem Abzeichengesetz verboten ist.

Als Folge der Enthüllungen der SJ hat Neuhofer sein Facebook-Konto vom Netz genommen. Da wir aber schon vorher den Burschen bei seinen Reisen in die Nazi-Welt begleitet haben, können wir einige Fundstücke präsentieren. Besonders auffällig dabei ist seine Facebook-Freundschaft mit Angela Schaller, einer bekennenden Nationalsozialistin, Antisemitin und Holocaust-Leugnerin, wie der Blog „Thüringen rechtsaußen“ treffend zusammenfasste. Und weiter: „Frauen in der extrem rechten Szene haben vielfältige Rollen und Funktionen. In ihrer Radikalität stehen sie männlichen Neonazis kaum in etwas nach. Ein Beispiel aus Südthüringen ist Angela Schaller: Sie zeigt öffentlich den Hitlergruß, leugnet den Holocaust und tritt zahlreich als Anmelderin von Kundgebungen in Erscheinung“.

In jüngster Zeit ist Schaller auch als Organisatorin von Unterstützung für die bekennende und mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aufgetreten. Am 29.8. 2017 stellt sie ein Foto auf Facebook, das sie lachend mit Ursula Haverbeck und den Bildinschriften „Gemeinsam für Wahrheit und Gerechtigkeit!“ sowie „Freiheit für Ursula Haverbeck!“ zeigt. Rund 200 Neonazis und Rechtsextremen gefällt dieses Foto, auch Bernhard Neuhofer.



Bernhard Neuhofer bei Schaller für Haverbeck
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Vierzehn Tage später stellt Schaller das Bild nochmals auf ihr Konto- diesmal ohne Bildinschriften. Diesmal gibt es sogar Postings dazu, eines mit „Schönen GruSS unbekannter Weise…“. So drücken sich eben Nazis aus. Neuhofer ist wieder mit einem Like dabei.



Am 10. September wünscht Schaller ihren Fans „einen schönen Sonntag“ und untermalt diesen Wunsch mit dem Nazi-Foto einer strahlenden „deutschen“ Mutter mit Kleinkind und der Parole: „Und Deutschland wird wieder Kinderland sein“. Neuhofer likt.



Am 11. September 2017 stellt Schaller ein Nazi-Propaganda-Plakat aus dem Jahr 1944 mit der Bildinschrift „Deutsche Frau! Fremde dürfen nicht nach dir greifen. Halte dein Blut rein. Du trägst in dir das Erbe künftiger Geschlechter“. Schaller kommentiert knapp: “Für jede aufrechte deutsche Frau selbstversändlich!“ (sic!). Auch dieses rassistische Nazi-Plakat gefällt Neuhofer.



Am 19. September 2017 posiert Schaller vor der Spelunke des Neonazi Tommy Frenck, wo sie auch arbeitet, mit den Plakaten „Südthüringen bleibt deutsch“ und „Schluss mit Kuscheljustiz! Linksfaschisten in den Knast!“. Neuhofer ist wieder mit einem „Like“ dabei. Wie oft Neuhofer bei Schaller noch auf den „Like“-Button gedrückt hat, ob er auch mal was dazu gepostet hat? Wir wissen es nicht. Es reicht eigentlich!



Aber es gibt noch einen bemerkenswerten Eintrag. Am 6. Juni 2017 teilt Neuhofer auf seinem Facebook-Konto einen Beitrag der eindeutig rechtsextremen Facebook-Gemeinschaft „Deutsche Weltanschauung“. Neuhofer gab dort öfters „Likes“ ab, doch diesmal ist ihm ein Beitrag von Gottfried Feder so wichtig, dass er ihn auf sein Konto übernimmt. Wer ist Gottfried Feder? Ein Nazi der frühesten Stunde, Parteiideologe, der auch am 25-Punkte-Programm der NSDAP aus 1920 mitgewirkt hat und von Hitler in „Mein Kampf“ besonders gewürdigt wird . Neuhofer teilt das „Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes“, Feders wichtigste programmatische und deutlich antisemitisch eingefärbte Schrift.



Ob das, was Neuhofer da gepostet, geteilt und in seltenen Fällen auch kommentiert hat, Wiederbetätigung ist, können und wollen wir nicht beurteilen. Vieles ist jedenfalls brauner Müll, anderes dummdeutsch oder Truther-Gewäsch wie der im April 2016 geteilte Beitrag von‚ “anonymous“, wonach 9/11 das Ergebnis einer kontrollierten Sprengung gewesen sei.



2016 war der FPÖ-Kosmos noch in Ordnung, wie die von Neuhofer proklamierte Unterstützung für den „zukünftigen Bundespräsident“ Norbert Hofer und dessen persönlich gehaltene Antwort „Vielen Dank Bernhard….“ Zeigen. Zu klären wäre , warum die FPÖ die Trennung oder den Rückzug von Neuhofer bis zuletzt verschwiegen hat und ob die Burschenschaft Leder ihr Verhältnis zur NS-Ideologie auf ihren Schriftführer abwälzen kann und will.



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