Die Geste am Fenster (Teil 3)

Am Donnerstag, 24.10., wurde eine weitere medienrechtliche Klage des Burschenschafters Frederick Rösch vor dem Landesgericht Wien verhandelt. Geklagt wurde dieses Mal das Internet-Magazin „Die Jüdische“ bzw. deren Herausgeber Samuel Laster. Er hat nämlich eine satirische Erzählung von Christoph Baumgarten mit dem Titel „Der wackere Frederick“ veröffentlicht, die dieser schon zuvor in den „Balkan Stories“ publiziert hatte. Baumgarten wurde natürlich auch geklagt von Rösch, seine Verhandlung findet allerdings erst am 3.12. statt. Schon wieder ein Prozessbericht von Karl Öllinger.

Müssen wir noch einmal den nackten Kern der gerichtlichen Auseinandersetzung schildern? Ganz grob: Am 24. Jänner dieses Jahres marschiert die Donnerstag-Demo vor die Bude der deutschnationalen „Gothia“, skandiert Parolen, die sicher nicht freundlich zu den Gothen waren. Aus einem Fenster der „Gothia“ macht eine zunächst unbekannte Person eine Geste, die fotografisch festgehalten, verbreitet, als Hitlergruß interpretiert und auch entsprechend kommentiert wird.

Am nächsten Tag meldet sich der unbekannte Burschenschafter namentlich in einer Erklärung zu Wort, verbreitet über sein Facebook-Konto und eine APA-OTS-Aussendung. Frederick Rösch räumt ein, dass seine Gesten als Hitlergruß missinterpretiert werden konnten, aber nur ein Winken waren. Eine Anzeige wegen des Verdachts der Wiederbetätigung wurde erstattet, die Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein, stellt diese aber im Juni ein: kein Hitlergruß, keine Wiederbetätigung. Als Beleg dafür dienen einige Sekunden aus einem Video, in dem nur zufällig und sehr unscharf die Gesten am Fenster miterfasst wurden. Die Sekunden aus dem Video werden in Fotosequenzen übersetzt und zeigen Gesten, die – so der Anwalt des Klägers im Verfahren gegen Alma Zadić – durchaus missinterpretiert werden könnten.

Im medienrechtlichen Verfahren gegen Samuel Laster geht es aber gar nicht um die Interpretation dieser Gesten, sondern zunächst einmal um einen Vergleich. Der Richter erkundigt sich, ob die beiden Parteien gewillt seien, auf einen Vergleich einzusteigen. Der Antragsteller habe ja „jede Menge Verfahren“ in dieser Causa eingebracht und schließlich handle es sich im vorliegenden Fall um ein satirisches Werk. Jedenfalls eines, das so interpretiert werden könne. Das gefällt dem Anwalt von Rösch, dem Herrn MMag. Dr. Michael Schilchegger, der nicht nur ein bekennender Burschenschafter der Arminia Czernowitz, sondern auch seit März 2019 Bundesrat der FPÖ ist, nicht so richtig. Sein Vergleichsangebot fällt dementsprechend happig aus: 3.000 Euro inkl. seiner Anwaltskosten, aber exklusive Gerichtskosten (und natürlich der Kosten des Anwaltes von Samuel Laster, Dr. Gerald Ganzger).

Samuel Laster ist jedoch nicht gewillt, auf den Vergleich einzusteigen, denn „es geht um Grundsätzliches“ . Da wird Schilchegger scharf: Wenn das durchgeht mit der Satire, dann wäre das eine Zauberformel, dann gehe er zum Oberlandesgericht, also in Berufung, verkündet er. In der Einvernahme durch den Richter berichtet Samuel Laster, dass er mit einem Redakteur einer sehr bekannten deutschen TV-Satire-Show Kontakt aufgenommen habe, um sich von dem den satirischen Charakter des Beitrags beurteilen zu lassen. Der, so Laster, habe gemeint, bei dem inkriminierten Beitrag handle es sich für ihn um die „weichste Form der Satire“.

Dem Anwalt von Rösch fällt als Reaktion auf Lasters Schilderungen dann nur die Frage ein, ob er damals den Herrn Rösch angerufen habe? Sozusagen Objektivitätsgebot! Samuel Lasters Antwort ist, dass ihm schon einmal ein Hamburger Gericht aufgetragen hätte, einen von ihm als Antisemiten bezeichneten Menschen doch zu fragen, ob er wirklich ein Antisemit sei. Möglicherweise habe ich es rein akustisch nicht verstanden, überhört, ob es nicht doch einen Kontakt gegeben hat, aber eine derartige Nachfrage wäre ja geradezu pervers: Wenn der Antisemit geantwortet hätte, dass er natürlich kein Antisemit sei , hätte dann der Jude Laster seinen Vorwurf des Antisemitismus zurückziehen, sich gar entschuldigen müssen?

Womit wir wieder im Verfahren Rösch gegen Laster wären. Im Beitrag von Baumgarten in der „Jüdischen“ heißt es nämlich unter anderem:

Gut schaut es nicht aus, das Foto. Das weiß auch der wackere Frederick von der Gothia zu Wien. Weniger Wohlmeinende, besonders solche, die schlagende Burschenschaften für ein bisschen Dings halten, und Leute, die von der FPÖ nicht so begeistert sind, könnten in diesem vorbildlich akkurat ausgestrecktem rechten Arm mit viel bösem Willen einen Hitlergruß erblicken.

Die Geste am Fenster

Die Geste am Fenster

Keine Ahnung, ob es diese Passage aus dem Beitrag war, die den Rösch-Anwalt zu dem Sager veranlasste, dass der Ruf seines Mandanten damit massiv beschädigt worden sei. Apropos: Wo ist der Mandant, der auch für dieses Verfahren geladen war? Aus beruflichen Gründen entschuldigt, so der Anwalt. Aber der Richter will den Kläger auch noch einvernehmen, deshalb Vertagung auf den 16. Dezember.

Die Geste am Fenster Teil 1
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