Maissau (NÖ): Provokation von „verbohrten Vollidioten“

Die Debat­te um die beim Fasching­sumzug in Mais­sau gezeigten Plakate und Parolen geht weit­er. Während einige Strafrecht­sex­perten eher skep­tisch sind, ob die gezeigten Sujets den Tatbe­stand der NS- Wieder­betä­ti­gung oder Ver­het­zung erfüllen, gibt es erste poli­tis­che Dis­tanzierun­gen, und der Obmann des DEV Wil­helms­dorf erk­lärt, von den het­zerischen Inhal­ten nichts gewusst zu haben.

Rund 2.000 Ein­wohner­In­nen hat Mais­sau und beste­ht aus etlichen Katas­tral­ge­mein­den. Da kann man schon mal den Überblick ver­lieren, oder? Der Obmann des Dor­fer­neuerungsvere­ins (DEV) Wil­helms­dorf, der für den Wagen mit den het­zerischen Botschaften ver­ant­wortlich ist, erk­lärte jeden­falls dem „Stan­dard“, er habe „von den het­zerischen Inhal­ten beim Fasching­sumzug nichts gewusst“. Außer­dem sei nur ein­er der für den Wagen ver­ant­wortlichen aus Wil­helms­dorf: „Die anderen kenne ich nicht, außer­dem waren sie mask­iert“.

So schaut Ver­ant­wor­tung aus! Wil­helm Pfannhauser ist nicht nur Obmann des DEV Wil­helms­dorf, son­dern auch ÖVP-Gemein­der­at in Mais­sau. Dort hat die ÖVP viele Gemein­deräte – 14 von 19 – und einen Bürg­er­meis­ter, der sich auch etwas schw­er­tut mit ein­er klaren Dis­tanzierung. Während Pfannhauser davon spricht, dass er mit den Het­zbotschaften „nichts anfan­gen“ könne, klei­det der Bürg­er­meis­ter seinen Hauch von Kri­tik in die Teflon-Formel: “Es ist hier übers Ziel geschossen wor­den“.

"Asyl 88" als Nummerntafel eines der Faschingsumzugsautos

„Asyl 88” als Num­merntafel eines der Faschingsumzugsautos

Die deut­lich­ste poli­tis­che Verurteilung, die ver­mut­lich auch eine Abrech­nung in guter Ken­nt­nis der Zustände in sein­er ehe­ma­li­gen poli­tis­chen Heimat ÖVP darstellt, kommt vom parteilosen Land­tagsab­ge­ord­neten Wal­ter Nader­er, der von der ÖVP zum Team Stronach gewech­selt ist, dieses aber schon 2013 wieder ver­lassen hat.

Der NÖN (10.2.2016) gab Wal­ter Nader­er, der selb­st ein Mais­sauer ist, eine deut­liche Botschaft mit:

„Wenn sich in mein­er Heimat­ge­meinde solch­es Gedankengut in dieser Art bre­it­macht und auch noch von alten, ver­bohrten Vol­lid­ioten bejubelt wird, dann schäme ich mich für Mais­sau.. Das war lei­der kein irrtüm­lich­er Faschingss­cherz eines Einzel­nen, son­dern eine bewusst geset­zte Pro­voka­tion, um auszu­loten, wie weit sich ein Dorf nach rechts lehnen kann und dabei auch Beifall ern­tet.. Die gestern offen­barte Seite des Wahnsinns ist lei­der nur Symp­tom ein­er Geis­te­shal­tung, die immer nur unter­drückt aber nie wirk­lich eli­m­iniert war“ (NÖN).

Nader­er wider­sprach auch sehr klar der offiziell ver­bre­it­eten Ver­sion, wonach der Wagen sofort aus dem Verkehr gezo­gen wor­den sei

Noch eine deut­liche Reak­tion gab es: sie kam von der Jun­gen Gen­er­a­tion in der SPÖ Niederöster­re­ich, die sich „bestürzt und entset­zt“ über die Mais­sauer Vor­fälle zeigte. Von den anderen im Mais­sauer Gemein­der­at vertrete­nen Frak­tio­nen SPÖ (4 Man­date) und Neos (1 Man­dat) sind keine Reak­tio­nen bekannt.