Klagenfurt: Bei „Heil“ geht die Hand nach oben

Wieder­betä­ti­gung gegen einen jun­gen Mann (25) statt, der sich Anklage im Jän­ner in Vil­lach ein­schlägig auf­fäl­lig gewor­den ist. Weil der Angeklagte Voll­trunk­en­heit gel­tend machte, wurde die Ver­hand­lung zur Ein­hol­ung eines psy­chi­a­trischen und neu­rol­o­gis­chen Gutacht­ens vertagt. Voraus­sichtlich am 6. Okto­ber wird der Prozess fortgesetzt.

Hat der Angeklagte in der Nacht vom 10. auf den 11. Jän­ner dieses Jahres in Vil­lach in der Led­er­ergasse „Sieg Heil“ gerufen und die Hand zum Hit­ler­gruß hochgeris­sen ? Und hat er auf Face­book unter ein Foto, das ihn und zwei Fre­unde zeigt, dazu gepostet: “Auf dass die Juden unterge­hen“ Was diesen Satz bet­rifft, so kann er sich ein­fach nicht erin­nern, ihn ver­fasst zu haben. Der Richter dazu: “Typ­isch öster­re­ichis­ches Schick­sal, Erin­nerungslück­en“.

Was die Szene in der Led­er­ergasse bet­rifft, so ist es ähn­lich. Der Angeklagte zählt dem Richter die Unmen­gen an Alko­hol auf, die er zusam­men mit seinen Fre­un­den getrunk­en haben will. Da lei­det nicht nur das Erin­nerungsver­mö­gen, son­dern auch die Zurech­nungs­fähigkeit. Jeden­falls sieht das der Vertei­di­ger so – und wohl auch der Angeklagte, wenn das Gehirn es noch erlaubt. 

Wenn aber die Zurech­nungs­fähigkeit nicht gegeben ist und der Angeklagte, nur von Reflex­en und irgendwelchen dumpfen Instink­ten ges­teuert, den Arm zum Hit­ler­gruß hochgeris­sen und ihn zum Schreiben seines anti­semi­tis­chen Post­ings wieder­betätigt hat, dann wäre natür­lich der Vor­satz nicht vorhan­den und die Wieder­betä­ti­gung hin­fäl­lig. Die bei­den Vor­fälle hat­ten sich inner­halb von 20 Stun­den ereignet, da müsste sich ein Dauer­rausch wohl auf selt­same Weise mit der Beherrschung ein­er Tas­tatur kom­biniert haben.

Der Angeklagte, der mehrfach wegen Eigen­tums- und Gewalt­de­lik­ten vorbe­straft ist und prak­tis­cher­weise ger­ade wegen Kör­per­ver­let­zung inhaftiert ist, hat –zumin­d­est für den Vor­fall in der Led­er­ergasse – eine Tei­lerin­nerung. Irgendw­er habe auf der Straße „Sie“ gerufen, da habe er „Heil“ zurück­gerufen. Der Staat­san­walt will wis­sen, ob er dabei die Hand gehoben habe. Darauf meint der Angeklagte, dass es schon sein könne, „wenn ich Heil schreie, dass da die Hand hin­aufge­ht“.

Daraufhin der Richter: „Ist das ein automa­tis­ch­er Reflex, was Ange­borenes?“. Das bringt den Angeklagten ins Grü­beln. Das Ergeb­nis seines Nach­denkprozess­es ist die Mei­n­ung, dass es vielle­icht seine Fre­unde gewe­sen sein kön­nten. Die seien rechts und daher habe er vielle­icht so agiert.

Die Polizis­ten im Zeu­gen­stand hat­ten eine völ­lig andere Erin­nerung. Zum einen sei der „Sieg Heil“-Ruf „zusam­men­hän­gend“ erfol­gt, zum andern habe sich der Angeklagte bei der polizeilichen Ein­ver­nahme sehr wohl an seinen anti­semi­tis­chen Spruch erin­nern kön­nen. Die Alko­holisierung sei außer­dem nicht stark gewesen.

Im Okto­ber soll das Gutacht­en Klärung brin­gen. Dann sind wohl die Geschwore­nen dran, sich ein Urteil zu bilden.