Der Burschiball, Darabos und die „feige Bourgeoisie“

Mar­tin Graf, der Vorkämpfer aller Burschis im Par­la­ment, ist seit Wochen völ­lig aus dem Häuschen. Seit­dem die Betrieb­s­ge­sellschaft der Hof­burg bekan­nt­gegeben hat, dass der Ball der Burschen ab 2013 nicht mehr in der Hof­burg stat­tfind­en wird, geht es rund bei unzensuriert.at, der „E‑Plattform” von Mar­tin Graf & Co. Und jet­zt ver­bi­etet Vertei­di­gungsmin­is­ter Dara­bos auch noch das Tra­gen von Uni­for­men am Burschiball!

In der Beant­wor­tung (pdf) der par­la­men­tarischen Anfrage (pdf) betr. Recht­sex­trem­is­mus und Ball des Wiener Kor­po­ra­tionsringes erk­lärte Vertei­di­gungsmin­is­ter Dara­bos, dass er den Mil­itärkom­man­dan­ten von Wien anweisen werde, die „Teil­nahme in Uni­form“ am Burschi-Ball zu untersagen.

Die Unter­sa­gung wurde in der Ein­leitung der Anfrage­beant­wor­tung auch konkret begründet:

„Ein­lei­t­end möchte ich fes­thal­ten, dass Abor­d­nun­gen des Bun­desheeres sowie einzelne Sol­dat­en in Uni­form gem. § 34 der All­ge­meine Dien­stvorschriften für das Bun­desheer (ADV) auf Ein­ladung der Ver­anstal­ter an Ver­anstal­tun­gen des Bun­des, der Län­der oder Gemein­den teil­nehmen oder mitwirken dür­fen. An anderen Ver­anstal­tun­gen dür­fen Sol­dat­en in Uni­form nur mit Bewil­li­gung des zuständi­gen Mil­itärkom­man­dan­ten teil­nehmen. Darüber hin­aus darf diese Bewil­li­gung nur dann erteilt wer­den, wenn die Ver­anstal­tung keinen parteipoli­tis­chen Charak­ter trägt und erwartet wer­den kann, dass sie einen solchen auch nicht durch die Ver­anstal­ter erhält. Nicht uner­wäh­nt möchte ich lassen, dass für Wehrpflichtige des Miliz- und des Reser­ve­s­tandes im Sinne der Aus­führun­gen des Wehrge­set­zes 2001 eine ähn­liche Regelung gilt.“

Über unzensuriert.at lässt Graf jet­zt wis­sen, was aus der Unter­sa­gung fol­gen kön­nte: Degradierung, Befehlsver­weigerung bzw. der offene Aufstand:

„Dass sich einzelne Heere­sange­hörige dem Ver­bot wider­set­zen wer­den, darf angenom­men wer­den, wie Unzensuriert.at von einzel­nen Stam­mgästen des Balles aus den Rei­hen des Bun­desheeres erfahren hat. Allfäl­lige Degradierun­gen kön­nten span­nende Auswirkun­gen haben, ins­beson­dere dann wenn die Betrof­fe­nen Leitungs­funk­tio­nen inner­halb des Bun­desheeres innehaben. Dara­bos‘ ide­ol­o­gisch motiviert­er Vorstoß würde dann auch die Organ­i­sa­tion des Heeres gehörig durcheinan­der wirbeln, in einzel­nen Trup­pen­teilen ver­mut­lich gän­zlich lahm­le­gen, wenn das Ver­bot gän­zlich ignori­ert wer­den sollte.“

Was darf noch alles „angenom­men“ wer­den? Eine Protest­welle, emp­fohlen von „betrof­fe­nen Offizieren“, natür­lich! Für­sor­glich, wie unzensuriert.at nun ein­mal ist, wer­den auch gle­ich die Mail-Adressen der Mil­itärkom­man­den bere­it­gestellt, bei denen „die Bürg­er“ (nicht die „betrof­fe­nen Offiziere“!) protestieren sollen. Die „Bürg­er“ sollen mutig sein, die „betrof­fe­nen Offiziere“ sich aber feige hin­ter den Bürg­ern ver­steck­en können?

Die „Bürg­er“? Mar­tin Graf hat schon Anfang Dezem­ber seinen „erbit­terten Wider­stand“ gegen die Aus­ladung durch die Hof­burg Betrieb­s­ge­sellschaft ab 2013 angekündigt und die “feige Bour­geoisie“ gegeißelt: „Es ist trau­rig festzustellen, dass die Eigen­tümervertreter der Betreiber, die alle­samt zur feigen Bour­geoisie gehören, einem extrem­istis­chen Druck von links nachgeben…“. Deswe­gen baut Graf ver­mut­lich den recht­sex­trem­istis­chen Druck auf, der sich inter­es­san­ter­weise am meis­ten gegen den kle­in­sten Anteil­seign­er der Hof­burg Betrieb­s­ge­sellschaft, die Casi­nos Aus­tria, richtet.

Hängt das vielle­icht auch damit zusam­men, dass sich die FPÖ vom Glücksspiel-Konkur­renten der Casi­nos Aus­tria, der Novo­mat­ic, bess­er betreut und umsorgt fühlt? Auch dieser span­nen­den Frage wer­den wir noch nachgehen!