rechtsextremismus

Was ist Rechtsextremismus?

Rechtsextremismus

Der Begriff des Rechtsextremismus ist meist sehr unpräzise und mensch stößt auf verschiedenste Definitionen. Ein von der Friedrich-Ebert Stiftung an 11 führende Sozialwissenschaftler_innen in Auftrag gegebene Studie kam zu folgender Definition:
„Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischer Einstellungen und einer Verhamlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialimus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen.“

Eine der wohl präzisesten und auch vom Dokumenationsarchiv des Österreichischen Widerstandes verwendete Definition von dem Universitätsprofessor Dr. Willibald Holzer. Er beschreibt Rechtsextremismus als ein Sammelbecken von einzelnen Aussaggen, die sich in erster Linie auf die Natur und die Natürlichkeit berufen und sich somit jeglicher Kritik zu entziehen versucht. Das Prinzip der Ungleichheit wird somit über alles gestellt. Folgende Anschauungen und Einstellungen und Verhaltensweisen kommen bei Rechtsextremismus vor:

  • Antiliberalismus und -pluralismus
  • Frontstellung gegen (Parteien)Demokratie, „raffenden“ (heute: „unfairen“) Kapitalismus und „internationalistischen“ Sozialismus
  • Antiegalitarismus: Behauptung der „Natürlichkeit“ sozialer Differenz bis hin zu Sozialdarwinismus
  • völkischer Nationalismus, Rassismus/Antisemitismus und Forderung nach starkem Staat
  • Volksgemeinschaftsideologie: Behauptung der organischen Ganzheit und Homogenität des „Volkes“
  • unterschiedliche Formen des „Revisionismus“
  • Autoritarismus: Führer- und Gefolgschaftsprinzip
  • personalisierendes Denken, Verschwörungstheorien, „Sündenbock“-Mechanismen
  • manichäisches Weltbild, Freund-Feind-Schema, dichotomisches Denken: Reduktion der Komplexität sozialen Lebens

Neonazismus

Im Gegensatz zu Rechtsextremismus steht der Neonazismus in Österreich dank dem Verbotsgesetz, als neonationalsozialistische Betätigung und Leugnung der NS-Verbrechen unter Strafe. Trotz fließender Grenzen und Grauzonen kann beim Neonazismus von einer extremeren Variante des Rechtsextremismus gesprochen werden, durch die offene Ablehnung der (liberalen-) Demokratie, massive Gewaltbereitschaft und der positiven Bezugnahme auf den Nationalsozialismus.
ACHTUNG: Das Verbotsgesetz und seine Anwendung können aber nicht ausschließlich als Indikator herangezogen werden. Die Begriffsbestimmung kann nicht abhängig sein vom Willen der Behörden.

Rechtsradikalismus

Der Begriff Rechtsradikalismus ist zwar umgangssprachlich weit verbreitet, jedoch um einiges schwammiger als der Begriff des Rechtsextremismus und in der Fachwelt nur mehr wenig gebräuchlich. Radikalismus leitet sich aus dem griechischen Bezeichnung Radix für Wurzel und radikal ist jemand der grundlegende Kritik übt, d.h. das Problem an der Wurzel anpack. Da dies ja bei Neonazis und Rechtsextremen nicht der Fall ist, sollte mensch sich von diesem Begriff verabschieden.