rassismus an der wand

Ein Beitrag von der GAJ-Wien, aus ihrer neuen Broschüre “Don’t Panik”:

Ob im Schulklo, in der U-Bahn, auf dem Haus nebenan, am Arbeitsplatz, im Bus, im Stiegenhaus oder auf der Haustüre; ob an eine Person gerichtet oder gegen eine Gruppe. Ob durch Spraydose, Filz-Marker, Kreide oder Sticker angebracht; Rassistische und antisemitische Graffiti sind überall.

Meiner Meinung nach wird Rassismus und Antisemitismus am deutlichsten sichtbar und erlebbar im öffentlichen Raum. Hier werden die meisten Verspottungen, Beschimpfungen, Bespuckungen, Schläge und andere Gewaltakte aus rassistischen Gründen verübt.1 Besonders in der Schule, auf der Straße oder in der U-Bahn gehören rassistische Beschimpfungen oder Übergriffe – wie prügelnde Neonazi oder rassistischen PolizistInnen – zum Alltag. Der Öffentliche Raum ist leider nicht für alle da, er ist in fester Hand der RassistInnen, die ihr Revier mit Graffiti brandmarken – oder mit der Faust gegen “ihre Feinde verteidigen.

ZARA (Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) dokumentiert rassistische Graffiti seit mehr als 10 Jahren. Die meisten wurden 2006 dokumentiert: 793, davon die meisten in Wien2. Auffallend war, dass über 70% der dokumentierten dokumentierten Beschmierungen gegen Schwarze gerichtet waren. 9% waren antisemitische Graffiti und (neo-)nazistische Symbole wie Hakenkreuze.

Was kann ich dagegen tun/ Wie kann ich mich wehren? Es gibt etliche Strategien gegen antisemitische und rassistische Graffiti vorzugehen. Im folgenden werden einige Möglichkeiten dargestellt.

Anzeige nach dem Verbotsgesetzt oder wegen Verhetzung

Nach dem §283 des Strafgesetzbuches (StGB) Verhetzung, kann eine Anzeige erstattet werden, wenn eine Person in der Öffentlichkeit „gegen eine […] [Minderheit, Religionsgemeinschaft, Bevölkerungsgruppe usw.] hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft oder verächtlich zu machen sucht“. Hakenkreuze und andere (Neo-)Nazi Symbole können nach dem NSDAP-Verbotsgesetz angezeigt werden. Die Anzeigen bei der Polizei bleiben meist ohne Folgen, die Graffiti werden nur selten entfernt.3

Hausverwaltung/ BesitzerInnen/BewohnerInnen kontaktieren

Wenn ein verhetzendes/rassistisches Graffiti etwa auf einer Hauswand angebracht wurde, kann die Hausverwaltung oder die BesitzerInnen kontaktiert werden. Oft reicht es die Hausverwaltung zu informieren (per mail). Du kannst auch fragen, ob du das Graffiti selbst übermalen darfst. Die Hausverwaltungen reagieren sehr unterschiedlich, manche sind sehr motiviert antirassistische Maßnahmen zu setzen, andere antworten nie.

Übersprayen/Übermahlen/Kommentieren/Überstickern

Mit diesen Aktivitäten bewegst du dich im rechtlichen Graubereich: Wenn die HausbesitzerInnen ihre Zustimmung gegebenhaben, droht dir keine Strafe; ohne Erlaubnis kann es unter Umständen zu einer Strafe führen. Ein rechtlicher Graubereich ist es vorallem deswegen, da beim Übersprayen/Überkleben theoretisch keine neue Sachbeschädigung begangen wird, es wird lediglich über eine schon vorhandene drüber-gesprayt/-geklebt. Der Vorteil dieser antirasstischen Interventionen ist, dass sie schnell und unkompliziert sind. Antirassisitische Sticker gibt es gratis bei der GAJ-Wien.

Dokumentieren

Hast du eine antisemitisches oder rassistisches Graffiti entdeckt, kannst du diese Entdeckung dokumentieren (Foto, Adresse, Beschreibung …) und an NGOs weiterleiten. ZARA, das Forum gegen Antisemitismus und das Dokumentationsarchiv des österreichischen Wiederstandes (DÖW) sammeln und dokumentieren diese Graffiti.

Beschmierungsambulanz

Seit 2006 führt das Bauunternehmen Baumann, in Zusammenarbeit mit ZARA, kostenlos Entfernungen von antisemitischen und rassistischen Beschmierungen durch – jedoch nur in Absprache mit den HauseigentümerInnen/der Hausverwaltung.

Es gibt aber noch etliche andere Möglichkeiten einzugreifen, denn die antirassistische Kreativität kennt keine Grenzen.

Auch wenn die gemeldeten antisemitischen und rassistischen Graffiti scheinbar rückläufig sind, bleibt eine große Dunkelziffer; Allein das fast nur Graffiti aus Wien gemeldet werden, zeigt dass viele undokumentiert bleiben und nicht zur Anzeige gebracht werden.

Auch hier darf der antirassisitischer Kampf nicht abreißen. Join the anti-racist fight, get a spray can!

Siehe auch: Beschmierungsambulanz