Die braune Akademie tagte

22. October 2013

Die Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AfP) hat also wieder einmal ihre „Politische Akademie“ abgehalten. Wie gehabt, mit einschlägigen Referenten. Zur Entspannung und Auflockerung für das mittlerweile nicht nur gealterte, sondern auch geschrumpfte Publikum gab’s Reiseberichte und „Gemeinschaftsgesang“.

Wie schon in den vergangenen Jahren wurde der Veranstaltungsort der „Politischen Akademie“ nicht öffentlich bekanntgegeben – ein Erfolg antifaschistischer Proteste gegen den braunen Auftrieb. Nur so war es möglich, überhaupt einen Veranstaltungsort zu finden. Für die „Politische Akademie“ der AfP vom 18.-20. Oktober gab sich heuer der Gasthof Mayr in Pucking bei Linz her. Ob man dort wusste, wer sich da eingenistet hat?

Allzu viele Kameraden waren es ja nicht, die dem Ruf der AfP gefolgt sind. Zieht man die Referenten ab, bleiben nur gut zwei Dutzend übrig, die etwa dem Vortrag von Richard Melisch („Ein Herz für die Rasseforschung“) gelauscht oder sich den aufregenden „Lichtbildvortrag: Expedition zum Eisgipfel Georgiens“ von Thomas Pühringer gegeben haben. Noch ein „Fahrtenbericht“ war auf dem Programmzettel: Sebastian Oberndorfer (München) berichtete über die „Fahrt zu den Thronen der Götter: Indien, Pakistan, Nepal“.


Gottfried Küssel bei der AfP-Akademie 2006 in Gumpoldskirchen, Bildquelle
-

Aber es gab auch noch andere spannende Themen. Ein Jürgen Hösl referierte zur „Aktion gegen das Vergessen“. Es handelt sich dabei um jenen Jürgen Hösl-Daum aus Zittau, den man seit Oktober 2011 ganz offiziell und gerichtsgeprüft als Nazi bezeichnen darf. Ein passender Referent für die AfP-Akademie!

Der NPD-Funktionär NPD-Uwe Meenen, der sich über den „Deutschen Weg“ ausbreitete, hat die Zuhörer, darunter den Braunen von Wels, mit seinem Vortrag verzaubern können.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war vermutlich das Referat über den „dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus“, in dem die FPÖ als „erstmals stärkste Partei bei den Arbeitern“ bejubelt werden konnte. Beim angegebenen Referenten, „LAbg. Anton Günthers“, hat die AfP wohl ein bisschen der Schalk geritten, dafür dürften die weiteren Referenten tatsächlich unter ihren Klarnamen referiert haben: Marek Tesar (Brünn) über das „Selbstverständnis junger tschechischer Nationalisten“ und Istvan Nagy (Budapest) zum „Marsch der Betrogenen. Ungarn und Europa erwacht“.

Insgesamt die bei AfP-Tagungen übliche Melange also. Gottfried Küssel musste ja auch dieses Jahr aus verständlichen Gründen pausieren – was aber ist mit Abgesandten oder Abgeordneten der FPÖ (Johann Gudenus, Hans-Jörg Jenewein) , die in vergangenen Jahren immer wieder die Akademie als Referenten beehrten?