Friede, Freude, deutscher Eintopf

13. Aug 2010

Freitag, 13.08.2010 – 19:00 G1 (Glacisstraße 1, 1. Stock 8020 Graz)

Vortrag der autonomen antifa koroska

Am 10. Oktober 2010 jährt sich zum 90. mal die Kärntner Volksabstimmung über den verbleib Südkärntens bei Deutsch-Österreich. Zu diesem Anlass lädt die Kärntner Landesregierung, wie schon im Jahr 2000, zu einem Festumzug ein, der vom ORF live übertragen wird.

Unter dem Motto „Kärnten – Gestern – Heute – Morgen“ sollen weiters Ausstellungen gezeigt und Sonderbriefmarken gedruckt werden sowie Veranstaltungen wie die „Fahnenaktion – Jedem Kärntner Haushalt eine Kärntnerfahne“ und Schulwettbewerbe zum Thema stattfinden.

Zentraler Organisator der Feierlichkeiten ist der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als „rechtsextreme Vorfeldorganisation“ eingestufte „Kärntner Abwehrkämpfer Bund“. Ein weiterer zentraler Akteur bei diesem Spektakel ist der „Kärntner Heimatdienst“ welcher hinter der Fassade landestypischer Brauchtumspflege eine wichtige Rolle in der deutschnational konnotierten Kärntner Politik spielt. Doch nicht nur einschlägige Organisationen werden an den Feierlichkeiten teilnehmen, so kündigen sich auch ganz offiziell Bundeskanzler und Bundespräsident als Teilnehmer an.

Der Grenzkonflikt nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie wird in der deutschnationalen „Kärntner Ideologie“ als „Abwehrkampf gegen den slawischen Aggressor“ mystifiziert. Das „Ja zu A“ (südliches Abstimmungsgebiet) bei der Volksabstimmung habe gezeigt, dass dieses Land ein Deutsches ist. Somit wurde mit der „Kärntner Einheit“ eine deutsche Volksgemeinschaft etabliert, die alles ausschließt oder „germanisieren“ will, was nicht in dieses identitäre Bild passt.

Nach der Volksabstimmung setzte sich die Kärntner Landesregierung das Ziel, die slowenische Volksgruppe vollständig zu assimilieren bzw. eliminieren. Es kam auch zu bewaffneten Übergriffe aufgebrachter Deutschkärntner auf Angehörige der slowenischen Minderheit; vor allem auf jene, die für Jugoslawien gestimmt hatten. Den Höhepunkt erreichte dieses wahnhafte Projekt in der Deportation von 917 slowenischsprachigen Menschen in deutsche Arbeitslager während des NS.

Die öffentliche Erinnerung in Kärnten setzt beim Gedenken an den Abwehrkampf an, macht einen großen Bogen um den Nationalsozialismus und setzt erst wieder bei dem Mythos der von den „Titopartisanen verschleppten Kärntner“ ein. Der Abwehrkampf wirkt als ein Code, mit dem in Wirklichkeit auf dem Nationalsozialismus, oder zumindest seinen Anfängen, positiv Bezug genommen werden kann. Dieser Konnex wird auch öfters bei den Gedenkfeierlichkeiten sichtbar, wenn beispielsweise „Abwehrkämpfer“ mit SS-Sprüchen auf den Fahnen auftauchen (so geschehen am Landesfestumzug 2000).

Bis heute ist der Deutschnationalismus das hegemoniale Prinzip in der Kärntner Politik, dessen konsequente Bedienung auch Jörg Haider zu seinem Erfolg verhielf. Die 10. Oktober -Feiern wirken identitätstiftend und müssen unter dem Aspekt von nationaler Vergemeinschaftung begriffen werden: Im krisenhaften Kapitalismus wirkt nationale Identität sinnstiftend und bringt immer Ausschluss des „Anderen“ hervor.

Vielerorts entrüstet mensch sich an den deutschnationalen und rassistischen Alltagspraxen in Kärnten/Koroška, wie z.B.: die lächerlich anmutende Ablehnung zweisprachiger Ortstafeln oder die an NS-Terminologie angelehnten Slogans wie „Kärnten wird einsprachig“ (BZÖ Inserat, 2006). Doch kaum jemand fragt nach den historischen und gesellschaftlichen Bedingungen, denen diese antislawischen Ressentiments entspringen.

Diesen Fragen wollen wir bei dem Vortrag nachgehen. Zudem wollen wir über die Aktivitäten der Landesregierung und über die antifaschistische Gegenmobilisierung rund um den 10. Oktober 2010 informieren.

eine Initiative der aak, SJ-Graz und Mayday 2000 Graz
mit anschließender Soliparty